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11.08.2017

Erste Asset Management sieht Rückenwind für Biotech-Aktien

Experten der US-Behörde FDA erwarten 10% bis 15% Umsatz- und Gewinnsteigerung der Unternehmen pro Jahr bis 2020. Derzeit seien Biotech-Aktien zudem attraktiv bewertet.

Harald Kober, Fondsmanager Erste AM

Harald Kober, Fondsmanager Erste AM

Foto: Erste AM

Aktien der Biotechnologie-Branche zählen zu den Bestperformern der letzten zehn Jahre. Nach der überdurchschnittlich starken Wertentwicklung von 2010 bis Anfang 2015, kam es zu einer Konsolidierung, ausgelöst durch Hedgefonds, die sich nun zu Ende neigt. Der NASDAQ-Biotechnologie-Index, das für Biotech-Aktien wichtigste Kursbarometer, konnte seit Jahresbeginn 18,73% an Wert zu legen (Stand: 8.8.2017). Auch die Emissionstätigkeit hat im zweiten Quartal 2017 deutlich angezogen. Harald Kober, Senior Fondsmanager des Aktienfonds ESPA Stock Biotec, ist überzeugt, dass der Biotechnologie-Sektor von neuen, innovativen und erfolgreichen Medikamenten-Entwicklungen profitieren wird: „Wir rechnen in den nächsten Jahren mit einem durchschnittlichen zweistelligen Umsatz- und Gewinnwachstum der an der Börse notierten Biotechnologie-Unternehmen.“ Nach dem Gewinneinbruch im Jahr 2016, erwartet die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) eine stetige Gewinnsteigerung bis 2020 bei den Top-10-Unternehmen.

Überalterung und Innovationen sind die Wachstums-Treiber

Das Gesundheitswesen gilt als Leitindustrie des 21. Jahrhunderts. Durch das Wachstum der weltweiten Bevölkerung auf 9,2 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 und die prognostizierte Verdoppelung der Personen über 60 bis dahin, werden die Ausgaben für Gesundheit in den OECD-Ländern von derzeit 6% des Bruttoinlandsprodukts auf 9,5% steigen, hat die OECD berechnet. Gleichzeitig hat die Entschlüsselung des menschlichen Genoms die Medikamenten-Entwicklung revolutioniert.Trotz zahlreicher Innovationen und Forschungserfolge sind nur wenige Medikamente für die 1.200 seltenen Krankheiten am Markt. Selbst in den USA, die seit dem Amtsantritt von Präsident Trump durch die politische Debatte um eine Abänderung der Gesundheitsreform („Obamacare“) in die Schlagzeilen gerieten, wird die Gesundheitswirtschaft im nächsten Jahrzehnt der größte Arbeitgeber sein, erklärt Kober. Viele Krankheiten seien noch nicht erforscht, geschweige denn gibt es wirksame Medikamente. Das könnte sich bald ändern. Für 2017 erwartet Kober die Zulassung einer ganzen Reihe neuer Medikamente, etwa des Hautkrankheitspräparats Dupixent von Sanofi, des Wirkstoffs Ocrevus von Roche gegen Multiple Sklerose oder Durvalumab ein Onkologie-Medikament von Astrazeneca gegen Blasenkrebs.

Bewertung an der Börse halb so hoch als vor zwei Jahren

„2016 stammten bereits 60% aller Medikamenten-Zulassungen aus den Labors von Biotechnologie-Unternehmen“, wie Kober unter Berufung auf Zahlen von Evaluate Pharma feststellt. Wir gehen davon aus, dass die Erfolgsquote der Biotech-Unternehmen rasant steigen wird“. Das sei einer von mehreren Gründen, weshalb die Übernahmeaktivitäten wieder an Dynamik gewonnen haben. „Die großen Pharmariesen halten Cash für Übernahmen bereit. Wir sehen, dass sich die Emissionstätigkeit im zweiten Quartal 2017 verglichen mit den zwei Quartalen davor mehr als verdoppelt hat“. Damit könnte die ersehnte Trendwende bei Biotech-Aktien begonnen haben. Kober: „Wir können natürlich nicht die Börsenentwicklung vorhersehen, aber es hat schon schlechtere Einstiegszeitpunkte gegeben. Auf Basis des Kurs-Umsatz-Verhältnisses sei der gesamte Sektor an der Börse nur etwa halb so hoch bewertet als am vorläufigen Höhepunkt der Aktienkurse im März 2015. Mit regelmäßigen Investitionen in einen Fondssparplan lasse sich das Timing-Risiko in Zaum halten, ist Kober überzeugt.