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02.07.2015

Erste AM: Aktienaufschwung im 2. Halbjahr

Ein zweistelliger Gewinnanstieg für börsennotierte europäische Unternehmen für 2015 und 2016 wird erwartet. Die Änderung der US-Zinspolitik werde schon antizipiert werde nur "schaumgebremst" ausfallen.

Stepan Mikolasek, Fondsmanager Erste AM

Stepan Mikolasek, Fondsmanager Erste AM

Foto: Erste AM

Die entwickelten Aktienmärkte befinden sich im sechsten Jahr einer robusten Aufwärtsbewegung. Der Weltaktienindex MSCI World ist zwischen März 2009 und Juni 2015 um fast 18% pro Jahr gestiegen (auf Euro-Basis). Der Schwung ist in den letzten Monaten ins Stocken geraten. Dennoch blicken die Anlagespezialisten der Erste Asset Management optimistisch in die Zukunft. Als Gründe für die Unterbrechung des Aufwärtstrends an den Börsen nennt Stepan Mikolasek, seit dem Frühjahr neuer Leiter des Aktienfondsmanagements der Erste Asset Management, das überraschend schwache US-Wirtschaftswachstum im ersten Quartal, Bedenken über die Wachstumsaussichten der chinesischen Wirtschaft, die Angst vor einer Zinserhöhung der US-Notenbank Fed und die wachsende Gefahr eines Austritts von Griechenland aus der Eurozone.

"Trotz des aktuellen Gegenwinds für globale Aktien deuten eine Reihe von Faktoren darauf hin, dass es Raum für einen weiteren Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte gibt", sagt Mikolasek. So erwarten Ökonomen, dass sich das US-Wachstum in der zweiten Jahreshälfte wieder beschleunigen wird. "Die Wirtschaft der Eurozone dürfte schneller als erwartet in Schwung kommen, und abgesehen von der US-Geldpolitik werden die wichtigsten Zentralbanken, insbesondere EZB und BoJ, die Leitzinsen weiter auf tiefen Niveaus halten", argumentiert der Aktienexperte.

Gewinndynamik in Europa unterstützend

Die Aktien-Bewertung in den Industrieländern sei zwar nicht billig aber auch nicht hochpreisig. Nach der jüngsten Korrektur wird das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von US-Aktien (S&P 500) auf 15,6 geschätzt (auf Basis der erwarteten Gewinne für 2016). Europäische Aktien (Euro Stoxx 600) notieren momentan mit einem KGV von 14,4. Die Unternehmensergebnisse des ersten Quartals bestätigen, dass die Gewinndynamik in beiden Märkten weiterhin unterstützend wirkt. "Für Europa, sehen wir ein zweistelliges Gewinnwachstum sowohl im Jahr 2015 und 2016", betont Mikolasek.

Risiken sollen nicht ausgeklammert werden: Sollte die Federal Reserve Bank die Leitzinsen anheben, könnte Druck auf Risikoanlagen einschließlich Aktien entstehen. "Aus der Erfahrung vergangener Zyklen wissen wir, dass die negativen Auswirkungen steigender Zinsen für die Börsen nur von kurzer Dauer sind - abhängig von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den Inflationserwartungen“, meint Mikolasek. In der gegenwärtigen Situation sollte der Überraschungsfaktor nahe Null sein, da schon ein Jahr über eine Änderung der US-Zinspolitik spekuliert wird und das Ausmaß geringer ausfallen könnte als in früheren Zyklen.

Die Börsen der Schwellenländer hinken den entwickelten Märkten seit 2010 hinterher. Hauptgrund: Beim Wirtschaftswachstum schmilzt der Abstand der Emerging Markets zu den Industriestaaten dahin, so Peter Szopo, Chef-Aktienstratege der Erste Asset Management. Die Wachstumsländer liegen nur mehr 2% bis 2,5% voran, verglichen mit 5% bis 6% zu Mitte der 2000er Jahre. Darüber hinaus haben das Ende des Rohstoffsuperzyklus, die Verlangsamung der Wirtschaftsreformen und politische Unsicherheit den Aktienmärkten der Schwellenländer zu schaffen gemacht. "Keiner dieser Faktoren wird sich in naher Zukunft verbessern", ist Szopo überzeugt. Darüber hinaus wird die steigende Risiko-Scheu der Anleger im Zuge der Griechenlandkrise zu einem zusätzlichen Stolperstein. Aktien der Emerging Markets sind gemessen am MSCI Emerging Markets Index mit 13,1 bewertet. Die Unternehmensgewinne werden sich im Jahr 2015 und 2016 erholen. "Diese Bewertung wird wahrscheinlich nicht ausreichen, um die Börsen maßgeblich zu stimulieren", sagt Szopo.