Meldungen | Rohstoffe
20.01.2015

Erdöl-ETPs verzeichnen die stärksten Zuflüsse der Geschichte

Die Rohstoffkurse haben zuletzt weiter nachgegeben und 2014 zum schwächsten Jahr für die Anlageklasse seit der Finanzkrise gemacht, heißt es im ETP Quarterly Report von ETF Securities für das 4. Quartal. Viele Investoren wittern nun ihre Chance.

Martin Arnold, ETF Securities

Martin Arnold, ETF Securities

Foto: ETF Securities

Ein großes Angebot in den meisten Rohstoffsektoren, Sorgen um die Nachfrage aus China und ein anziehender US-Dollar haben Ende 2014 die Preise gedrückt. Weltweit ist das in ETPs auf Rohstoffe verwaltete Vermögen im vierten Quartal daher im Vergleich zum dritten Quartal um 9,2 Milliarden US-Dollar auf 101,5 Milliarden US-Dollar gesunken. Die Mittelflüsse waren dabei netto ausgeglichen. Der Rückgang im verwalteten Vermögen geht allein auf die Kursverluste der Rohstoffe zurück. Investoren sehen im aktuellen Marktumfeld offenbar zunehmend eine Chance, ihre Investments in zyklische Rohstoffe auszubauen und defensivere Positionen wie Gold zu reduzieren. „Investoren wenden sich wieder Rohstoffen zu. Denn viele Rohstoffe notieren bei oder unter ihren Grenzkosten. Kurzfristig können Unternehmen und Minen ihre Förderung auch fortsetzen, wenn die Kurse unterhalb der Grenzkosten liegen. Langfristig ist dies jedoch nicht möglich”, sagt Martin Arnold, Investmentstratege für die weltweiten Währungs- und Rohstoffmärkte bei ETF Securities. „Wir erwarten daher, dass die Produktion zurückgefahren wird, wenn die Kurse nicht bald wieder anziehen. Ein knapperes Angebot wird dann eine bessere Kursentwicklung in 2015 unterstützen.“

US-Investoren schichten bereits um

Die höchsten Zuflüsse der Geschichte in Energierohstoffe haben die andauernden Mittelabflüsse bei Gold-ETPs weitgehend ausgeglichen. Unter dem Strich stehen so Nettomittelabflüsse bei Rohstoff-ETPs von lediglich 30 Millionen US-Dollar im vierten Quartal 2014. Gold-ETPs hatten die höchsten Verkäufe pro Quartal seit einem Jahr. Insgesamt zogen Investoren, überwiegend aus den USA (78 Prozent) 3,1 Milliarden US-Dollar aus den Gold-ETPs ab, da das Vertrauen in das Wirtschaftswachstum der USA gestiegen ist. Gleichzeitig haben vor allem US-Investoren stark in ETPs auf Energierohstoffe investiert. Auf sie gehen 85 Prozent der 3,2 Milliarden US-Dollar Mittelzuflüsse zurück. Vor allem in den letzten drei Monaten des Jahres haben Investoren die Produkte stark nachgefragt, da sie die Kursverluste bei Rohöl und Erdgas offenbar als übertrieben ansehen. Der größte Anteil an den Zuflüssen entfiel auf ETPs auf Rohöl. Die Produkte auf Erdgas waren für 25 Prozent der Zuflüsse verantwortlich. Höhere Lagerbestände und ein mildes Wetter ließen die Preise für Erdgas auf das niedrigste Niveau seit 2012 sinken. Laut ETF Securities setzte sich dieser Trend auch in der ersten Handelswoche im Januar fort. Allein in dieser Woche flossen mehr als 250 Mio. US-Dollar in Erdöl-Papiere.

Positive Aussichten für zyklische Rohstoffe

Der anziehende US-Dollar hat die Wertentwicklung der Rohstoffe stark beeinflusst. Der Anstieg der US-Währung wird durch ein starkes Wirtschaftswachstum in den USA unterstützt, das sich ebenfalls positiv auf die Rohstoffnachfrage auswirkt. Gleichzeitig hat die Politik in China und Europa begonnen, auf die aktuellen Anzeichen einer wirtschaftlichen Abkühlung zu reagieren. Die Regierungen werden diesen Kurs voraussichtlich auch 2015 fortsetzen. Zyklische Rohstoffe werden 2015 voraussichtlich am stärksten von der anziehenden wirtschaftlichen Aktivität in den USA und China profitieren. China wird sein Wirtschaftswachstum weiter unterstützen und Investitionen in die rohstoffintensive Infrastruktur ausweiten. Das Research von ETF Securities ist überzeugt, dass die Aussichten für Rohstoffe wegen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung positiv sind. Zyklische Anlageklassen werden 2015 voraussichtlich die besten Investmentgelegenheiten bieten, da das weltweite Wirtschaftswachstum Schwung aufnimmt. Allerdings bestehen einige Risiken weiter, insbesondere für das Wirtschaftswachstum und eine drohende Deflation in Europa und Japan sowie durch ein sich verlangsamendes Wirtschaftswachstum in Großbritannien. Insgesamt werden Rohstoffsektoren mit einer starken industriellen Nutzung, wie Metalle und Energierohstoffe, als attraktiv angesehen.