„Eine überraschende und starke Erholung steht bevor“
Jan Amrit Poser, Chefökonom der Bank Sarasin, sieht gleich drei Wachstumstreiber, die 2012 für einen Aufschwung sorgen werden.

Die Eurokrise hält die Finanzmärkte weiter in Bann. Dabei haben sich fast unbemerkt die Anzeichen im vierten Quartal 2011 gemehrt, dass die Weltkonjunktur wieder Tritt gefasst hat. Zwar hatten der Anstieg der Ölpreise im Zuge des arabischen Frühlings und die Unterbrechung wichtiger Lieferketten nach dem Erdbeben in Japan zu einer Wachstumsdelle während des Jahres 2011 geführt. Doch die Sonderfaktoren sind inzwischen verschwunden und es zeigt sich ein merklicher Aufwärtstrend in den Stimmungsindikatoren des verarbeitenden Gewerbes.
Woher soll das Wachstum für den Aufschwung im Jahr 2012 kommen? Erstens ist es das Zusammenspiel aus einem relativ stabilen Konsum und einem Industriesektor, der in der Phase der Unsicherheit des letzten Sommers die Lagerbestände übermäßig reduziert hat. Grundsätzlich hat der Konsum weltweit nach der großen Rezession relativ geringes Abwärtspotenzial: die Immobilienpreise sind in vielen Ländern gefallen, die Inflation hat eher wieder fallende Tendenz und die Zinsen sind günstig. Gegenüber diesem robusten Konsum ist die Produktion - wie an konjunkturellen Tiefpunkten üblich – zu sehr gedrosselt worden und bereit für einen Aufschwung.
Der zweite Wachstumstreiber werden die Investitionen im Unternehmenssektor sein. Die Investitionen folgen der Gewinnquote mit einer Verzögerung. Die Gewinnmargen sind in den letzten Jahren stark angestiegen, weil die Unternehmen in der Krise die Kosten radikal reduziert und den Fremdkapitalanteil gesundgeschrumpft haben. Der Unternehmenssektor hat inzwischen rekordhohe Bargeldbestände aufgebaut, die für Investitionen bereit stehen. Der dritte Wachstumstreiber sind die Schwellenländer. Sie werden durch die demografische Entwicklung begünstigt; stärkeres Bevölkerungswachstum wird zu zusätzlicher Nachfrage führen. Außerdem löst die Übernahme bestehender Technologien aus den Industrieländern eine Aufholjagd aus. Die Produktivitätsentwicklung wird über Lohnerhöhungen den Konsum stärken. All dies führt dazu, dass Schwellenländer in den nächsten Jahren ein strukturell höheres Wachstum aufweisen werden. Das wichtigste Argument ist jedoch, dass die Schwellenländer nicht denselben Anstieg der Staats- und Privatverschuldung in der Kreditblase der letzten Jahrzehnte erlebt haben und entsprechend nicht unter deren Spätfolgen leiden. Vielmehr haben die Schwellenländer das Potenzial, die heimische Kreditkomponente zu erhöhen. Die Bank Sarasin geht davon aus, dass das tiefe Zinsniveau weltweit sie dazu bringen wird, dieses Potenzial im Jahr 2012 auszuschöpfen.
