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21.01.2015

Ein völlig neues Umfeld für 2015

Vorige Woche tourte wieder das Fondsforum durch Österreich. Aktien, Anleihen, Immobilien und Technologie waren die Kernthemen der Expertenvorträge, die einige Trends für 2015 vorstellten.

Karola Kröger, Director International Investments M&G

Karola Kröger, Director International Investments M&G

Foto: M&G

Die enttäuschten Erwartungen von Anfang 2014 und neue Herausforderungen im Jahr 2015 waren die Themen beim 4. Österreichischen Fondsforum, das von vier Anbietern organisiert wird. „Die Weltwirtschaft erholt sich weiterhin, gestützt durch eine anhaltend lockere Zentralbankpolitik, insbesondere in Europa, Japan und der Schweiz“, erklärt Anja Hochberg, CIO der Credit Suisse für Schweiz und Europa. „Zusätzlich gibt die anhaltend tiefe Inflation den Zentralbanken Handlungsspielraum.“ Der Blick auf die einzelnen Segmente durch die Mitglieder des Fondsforums zeigt klare Tendenzen. So werden zum Beispiel im Immobilienmarkt Ein- bis Zweipersonen Haushalte immer gefragter während neue Technologien viel Entwicklungspotential bieten und damit für Anleger bereits zu den Basiskonsumgüter-Titeln zählen.

Aktien im Portfolio immer noch attraktiv

Verglichen mit der Situation an den Finanzmärkten vor einem Jahr befinden sich Anleger inzwischen in einem völlig neuen Umfeld. „Während damals im Zuge des ‚Taper Tantrums’ Staatsanleihen klassischer Industriestaaten einen Ausverkauf erlebten und eine starke Kursentwicklung bei Aktien für 2014 vorhergesagt wurde, haben Anleihen in den letzten Wochen eine Rally verzeichnet und Aktien mussten eine schmerzhafte von Volatilität geprägte Phase erleben“, so Karola Gröger, Director M&G International Investments. „In dieser Situation sollte sich jeder fragen, was sich in Bezug auf die Fundamentaldaten geändert hat und wie sich dies in der Anlagestrategie für ein Multi-Asset Portfolio widerspiegelt“, sagt Gröger. An dem breiten makroökonomischen Umfeld mit einem moderaten globalem Wachstum und niedriger Inflation hat sich wenig geändert. Zudemhalten die Industrieländer trotz Tapering an einer expansiven Geldpolitik fest. Trotz sehr realer Herausforderungen in Bezug auf die Konjunkturerholung, vor allem in der Eurozone, sieht Gröger Anzeichen für eine Verbesserung am Arbeitsmarkt, insbesondere in den USA, und der kürzliche Verfall des Ölpreises sollte sich auch eher positiv auf die globalen Wachstumsaussichten auswirken. Beide Faktoren wirken sich günstig auf die Realeinkommen aus. „Deshalb sind wir überzeugt, dass trotz einer stärkeren Aufwärtsbewegung bei den Bewertungen, Aktien mittelfristig attraktiv bleiben. Auch Teile der Credit-Märkte, beispielsweise Staatsanleihen einiger Schwellenländer sind attraktiv, vor allem im Vergleich zu Cash und Staatsanleihen der etablierten Industrienationen. Diese scheinen dagegen erneut gefährlich überbewertet zu sein“.

Diese Einschätzung in Bezug auf Aktien teilt auch die Credit Suisse. „Aktien bleiben auch für 2015 unsere bevorzugte Anlageklasse, getrieben hauptsächlich durch Gewinnwachstum. Allerdings dürfte eine ansprechende Performance durch kleinere und größere Korrekturen – wie wir sie im 2014 erlebt haben – begleitet sein“, erklärt Olivier P. Müller, CFA Investment Strategy der Credit Suisse. Ähnlich sieht dies Philipp Baar-Baarenfels, Director AXA Investment: „Es führt kein Weg an einer Aktienquote im Portfolio vorbei. Aufgrund der positiven Dividendenentwicklung würden wir die bestehenden behalten und auch bei kurzfristigen Rückschlägen die Aktiendepots auf lange Sicht weiter ausbauen.“

Folgen der Tiefzinspolitik kaum einschätzbar

Eine Herausforderung für den Finanz- und Kapitalmarkt stellt die Tiefzinspolitik dar. „Wer sich nicht permanent damit beschäftigt, kann die Chancen und Risiken kaum noch einschätzen“, so Ralph Geiger, Director und Fixed Income Spezialist der Credit Suisse. Nie war es für Sparer schwerer, ihr Geld gewinnbringend anzulegen. „Im aktuellen Niedrig-Zins-Umfeld müssen Sparer ihr Investmentuniversum erweitern, damit nicht nur eine nominelle sondern auch eine reale Rendite erzielt werden kann“, sagt Geiger. „Dies erfordert ganzheitliche Betrachtungsweisen und neue Investmentansätze für das festverzinsliche Anlageuniversum, insbesondere angesichts des aktuellen Risikos höherer Nominalzinsen sowie anhaltender Volatilität der Zinsdifferenzen. Anleger, die sich weiter auf alte Methoden konzentrieren und an einem statischen Ansatz festhalten, laufen Gefahr, bei höherem Risiko geringe oder gar negative Renditen zu erzielen.“

Single-Wohnungen und Micro Living

Investitionen in Immobilien werden von Anlegern stark nachgefragt. Jeder der sich mit dem Thema Immobilieninvestments beschäftigt, muss sich zwangsläufig auch mit dem Immobilienmarkt beschäftigen und die Entwicklungen kennen. „Ein stark erkennbarer Trend ist der Anstieg der Ein- bis Zweipersonen Haushalte“, so Gerhard Mittelbach, Geschäftsführer trivium invest gmbh. „Ebenso ist klar zu erkennen, dass die Miete anzieht.“ Es gibt einen weiteren klaren Trend mit zwei Auswirkungen: Leistbarer Wohnraum wird sehr stark nachgefragt. Da Neubauwohnungen zu teuer geworden sind, steigt die Nachfrage nach gebrauchten Wohnungen, welche auch selbst saniert werden können. „Viele junge und alleinstehende Leute halten sich aufgrund der Unsicherheiten am Arbeitsmarkt lieber flexibel und mieten anstatt zu kaufen“, so Mittelbach. Die Miete zieht an und kleine und kleinste Einheiten sind stärker nachgefragt (das so genannte „Micro Living“). „In Paris oder New York sind aufgrund der hohen Wohnungskosten Kleinwohnungen unter 20m² Fläche durchaus normal“, erklärt Mittelbach. „Bei uns beginnt dieser Trend gerade erst. Klar zu erkennen ist, dass die absolute Miethöhe ausschlaggebend ist und nicht der Mietpreis pro Quadratmeter.“ Die weitere Konsequenz aus den aktuellen Marktdaten ist, dass diejenigen, die Wohnungen kaufen nur das Beste wollen. „Alles muss perfekt sein, der Preis spielt eine untergeordnete Rolle“, sagt Mittelbach. „Schöne Wohnungen, gut geschnitten und in guter Lage steigen stetig im Preis. Der Anspruch steigt. Diese Überlegungen sollten nicht außer Acht gelassen werden, wenn Sie in Immobilien investieren.“

Technologie als Basiskonsumgut

„Viele denken bei defensiven Aktien-Investments eher an Basiskonsumgüter- als an Technologie-Titel“, so Mike Judith, Vice President DNB Asset Management, bei seinem Vortrag. „In diese Liga sind die Technologie-Werte jedoch unlängst aufgestiegen.“ Der Technologiesektor hat zahlreiche Value-Aktien mit wachsenden Umsätzen, erfreulichen Gewinnperspektiven und wird von hohen Eigenkapitalpolstern geprägt, was die Aktienkurse kontinuierlich zu neuen Höhen treibt. „Dabei kommen auf den Sektor auf mittlere Sicht noch viele weitere strukturelle Wachstumstreiber hinzu“, erklärt Judith. So steht die Welle der Infrastrukturausgaben bei den Unternehmen noch aus und die zunehmende Nutzung von neuen Technologien, die Smartphones oder das Internet der Dinge seien nur als Beispiele genannt, ist gerade dabei, unser aller Leben nachhaltig zu verändern. „Der zukunftssichere Sektor kennt jedoch nicht nur Gewinner, sondern auch zahlreiche Verlierer, was einen aktiven Managementansatz erfordert“, sagt Judith. So könne für den Anleger neben einem positiven Marktausblick auch noch ein stattlicher Mehrertrag durch eine überlegte Aktienauswahl von Nutzen sein.