Meldungen | Marktausblick
04.10.2017

Ein Schritt zur Normalisierung

Der Finanzmarktausblick von Swiss Life weist u.a. auf die Rückführung der Bilanzsumme der US-Notenbank hin. Der Aufschwung in der Eurozone stehe bereits am zyklischen Höhepunkt.

Marc Brütsch, Chefökonom Swiss Life

Marc Brütsch, Chefökonom Swiss Life

Foto: Swiss Life

Der Monat Oktober 2017 wird ein Meilenstein für die Geschichte der Geldpolitik. Die Fed wird damit beginnen, ihre Bilanzsumme zu reduzieren. Die quantitative Lockerung, welche die US Notenbank nach der Finanzkrise einläutete, wird neutralisiert. Insgesamt durchläuft ein Anleihekaufprogramm vier Phasen: Der erste Schritt ist die Aufblähung der Bilanzsumme. Diese stieg von etwa 1 Billion US-Dollar 2008 auf etwa 4,5 Billionen US-Dollar Ende 2014. Der zweite Schritt ist das sogenannte Tapering. Während dem Jahr 2014 hat die Fed die Nettokäufe verringert. Während dieser Phase steigt die Bilanzsumme weiterhin an, jedoch in einem geringeren Ausmass. In einer dritten Phase ist die Bilanzsumme stabil. Von Ende 2014 bis Ende 2017 gab es keine Nettozukäufe von Anleihen. Der vierte Schritt ist die Reduktion der Bilanzsumme. Während dieser Phase werden gewisse Anleihen, die auslaufen nicht reinvestiert. In der Folge sinkt der Umfang der Bilanzsumme. Diese Phase steht nun bevor. Das Fed hat den Zeitplan zur Reduktion kommuniziert. Der Start ist im Oktober 2017. Zunächst wird die Bilanzsumme um 10 Milliarden pro Monat verringert. Die Geschwindigkeit wird bis Ende 2018 auf 50 Milliarden pro Monat erhöht. In der Folge gibt es etwas weniger Liquidität von Seiten der US-Zentralbank. Die Fed bestätigte in ihrer September-Sitzung ebenfalls, den graduellen Zinserhöhungszyklus weiterführen zu wollen. Wir erwarten einen weiteren Zinsschritt im Dezember 2017 und drei Erhöhungen im 2018. Sowohl die Reduktion der Bilanzsumme, wie auch der Zinserhöhungszyklus sind graduell und erwartet. Daher glauben wir nicht, dass die US-Geldpolitik die Langfristzinsen abrupt ansteigen lassen wird. Aus unserer Sicht werden die Zinsen in den USA bis zum Jahresende moderat ansteigen. Die Zinsen in der Eurozone und der Schweiz dürften denjenigen der USA folgen.

Das freundliche Konjunkturumfeld hält an, der Aufschwung in der Eurozone steht am zyklischen Höhepunkt. Zyklische Spätzünder wie Frankreich, Italien oder die Schweiz holen 2018 auf. Mittelfristig erwarten wir Inflationsraten im Bereich der aktuellen Niveaus. Das Inflationsziel der EZB bleibt damit vorerst ausser Reichweite. Die Aufwertung des Euro ist vorerst beendet. „Das Wahlergebnis in Deutschland bedeutet einstweilen das Ende der Euro-Aufwertung zum Schweizer Franken“, stellt Marc Brütsch, Chefökonom Swiss Life, fest.

 

Der vollständige Finanzmarktausblick von Swiss Life als PDF.