Meldungen | Aktien, Marktkommentar
06.05.2015

Ein günstiges Umfeld für europäische Aktien?

Grundsätzlich ja, sagt Cédric de Fonclare, Fondsmanager des Jupiter European Opportunities Fund. Geringer Lohndruck und die Rohstoffpreise wirken unterstützend, aber Stock-Picking ist bei Zyklikern wichtiger denn je.

Cédric de Fonclare, Fondsmanager Jupiter AM

Cédric de Fonclare, Fondsmanager Jupiter AM

Foto: Jupiter

Auch wenn das Börsenjahr mit historischen Zuwächsen an den europäischen Märkten einen fulminanten Auftakt hingelegt hat, ist weiterhin Wachsamkeit geboten. Wir bevorzugen Aktien, die vergleichsweise wenig konjunkturabhängig sind, auf solide Bilanzen und die Fähigkeit zur Cashflow-Generierung setzen und dabei ihren Überzeugungen treu bleiben. In jedem Fall verfügen europäische Unternehmen heute über einen operativen Hebel, der ihr Wachstum begünstigen sollte – nämlich ein geringer Lohndruck und der Rückgang der Rohstoffpreise. Das von niedrigen Zinsen und umfassenden Eingriffen der Zentralbanken geprägte aktuelle Umfeld bestärkt uns in der Überzeugung, dass die einzig wirklich verlässlichen Faktoren für Investoren die Fundamentaldaten der Unternehmen sind. Stock-Picking ist wichtiger denn je – insbesondere bei zyklischen Sektoren.

Schauen wir uns den Automobilsektor an. Der fünftgrößte Automobilzulieferer Continental ist ein positives Aktien-Beispiel. Das Unternehmen ist insbesondere auf elektronische Komponenten spezialisiert, die schon bald die Hälfte des Fahrzeugwerts ausmachen werden. Continental verfügt über Eigenschaften, die es dem Unternehmen erlauben sollten, in einigen Jahren ein beträchtliches Wachstum zu verzeichnen. Wenn auch nur dank einer Erhöhung seiner Durchdringungsrate und der stärkeren Verbreitung elektronischer Komponenten in Fahrzeugen. Ganz im Gegensatz zum Unternehmen Peugeot, das stark konjunkturabhängig ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Cashflow von Unternehmen. Tendenziell haben europäische Unternehmen einen hohen Cashflow und konnten dadurch ihre Bilanzen deutlich verbessern. Auch wenn sie sich mit größeren Investitionen noch zurückhalten, bieten heute mehr als 70 Prozent der europäischen Unternehmen eine Dividendenrendite, die höher als die Rendite ihrer eigenen Unternehmensanleihen ist. Unter Berücksichtigung der Risikoprämie von Aktien ist deren potenzielle Gesamtrendite beträchtlich. Auch wenn die Volatilität der Märkte in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist, erzeugen Veröffentlichungen von Unternehmensergebnissen bisweilen deutliche Kursschwankungen. Es ist wichtig, dass diese Effekte nicht zu einer Überreaktion führen. Nichtdestotrotz gilt die Faustregel des antizyklischen Investmentansatzes. Viele Anleger zeigen auf der Suche nach Renditemöglichkeiten zunehmend Interesse an Risikopositionen und damit an Aktien. Wir sehen, dass sie hierbei den europäischen Markt bevorzugen und bleiben daher weiter bullish für europäische Aktien.