Meldungen | Finanzmarkt, Marktkommentar
18.07.2013

Drei Nachrichten, eine Botschaft.

Auch wenn die Aktienkurse steigen, die Exportzahlen für Deutschland, China und Singapur sind rückläufig - und das gefällt Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon ganz und gar nicht.  

Martin Hüfner

Martin Hüfner

Foto: Assenagon Asset Management S.A.

Zuerst wurde bekannt, dass die deutschen Exporte im Mai eingebrochen sind. Sie lagen 4,8 % unter dem Vorjahreswert. Dann veröf­fentlichten die Chinesen, dass ihre Ausfuhren im Juni 3,1 % niedriger als vor einem Jahr waren. Kurz später kam heraus, dass die Lieferungen Singapurs an das Ausland um 8,8 % zurückgegangen waren. Ähnliche Tendenzen gibt es auch in anderen asiatischen Staa­­­ten, von Südkorea bis Malaysia.

 

Man könnte es sich leicht machen und das alles mit der schwächeren Konjunktur in vielen Teilen der Welt erklä­ren. Ich glaube jedoch, dass mehr dahinter steckt. Es könnte sein, dass die Globalisierung als Wachstumsmo­tor der Weltwirtschaft einen Knacks erlitten hat.

 

 

 

In der gesamten Nachkriegszeit war es ein verlässliches Muster, dass der Welthandel preisbereinigt schneller ex­pandiert als das reale Bruttoinlandsprodukt. Die Grafik zeigt die Entwicklung seit 1980. Im Durchschnitt dieser Jahre nahm der Welthandel fast doppelt so stark zu wie die Produktion (5,5 % gegenüber 2,9 % p. a.).


Damit könnte es jetzt erst einmal vorbei sein. Seit nun­mehr bald zwei Jahren wächst der weltweite Export von Gütern und Diensten nicht mehr schneller als die Wirt­schaftsleistung. Auch im Kapitalverkehr ist eine Wende eingetreten. Die Banken führen ihr internationales Ge­schäft relativ zu dem nationalen zurück. Weltweit neh­men die Kapitalbewegungen von Industrieländern in die Schwellen- und Entwicklungsländer ab.


Auslöser dieser Entwicklung war die Wirtschafts- und Fi­nanzkrise Ende des letzten Jahrzehnts. Sie zeigte, wie stark die Risiken im internationalen Geschäft zugenom­men hatten. Sowohl Unternehmen als auch Banken (als auch private Anleger) waren nicht mehr bereit, diese Ri­si­ken im bisherigen Ausmaß zu tragen. Banken wurden dazu auch von ihren Aufsichtsbehörden gedrängt.


Angelegt war der Trend aber schon länger. Das alte Ent­wicklungsmodell, nach dem Staaten im Zuge der Indus­trialisierung primär auf die Ausfuhren als Wachs­tumstrei­ber setzen, hat ausgedient. Prominentestes Beispiel ist China. Es ist systematisch dabei, die Exportlastigkeit der Wirtschaft zu verringern und die Binnenwirtschaft stärker zu fördern. Dahinter stehen die Ziele, einmal weniger von der Außenwelt abhängig zu sein, zum anderen die eigene Bevölkerung stärker vom Wirtschaftswachstum profitieren zu lassen.


Hinzu kommt, dass der Handel zwischen Industrie- und Schwellen- und Entwicklungsländern auf eine neue Ba­sis gestellt werden muss. Es geht inzwischen nicht mehr nur noch primär um den Austausch von Niedriglohn- ge­gen High-Tech-Produkte (Stichwort T-Shirts gegen Ma­schinen). In den Schwellenländern steigen die Löhne und es werden innovative Industrien aufgebaut. Ausge­bil­dete Fachkräfte werden in China inzwischen zum Teil besser bezahlt als in Deutschland. Diese Verschiebung der komparativen Kosten ist nicht das Ende des Welt­han­dels. Auch zwischen Industrieländern mit ähnlichen Kostenstrukturen gibt es Handel. Aber es muss umstruk­turiert werden. Das kostet Zeit.


Eine Rolle spielt auch der weiter zunehmende Protektio­nismus. China streitet auf vielen Gebieten mit der Euro­päischen Union. Die Verhandlungen über ein weltweites Han­delsabkommen (die sogenannte Doha-Runde) lie­gen auf Eis. Vordergründig könnte man sagen, dass dafür aber die Zahl der Freihandelsabkommen weiter steigt. Das ist aber nur zum Teil richtig. Denn Freihan­delsabkommen sind im Kern eine subtile Form der Han­delsbeschränkung. Denn der Handel zwischen den Ver­tragspartnern nimmt zu Lasten des Handels mit Dritt­staa­ten. Auch das viel gepriesene Projekt einer Freihan­delszone zwischen den USA und der EU, über das seit kurzem verhandelt wird, ist eigentlich ein Affront gegen China und Japan.


Ich glaube nicht, dass die Globalisierung endgültig vor­bei ist und es eine generelle Re-Nationalisierung in der Welt gibt. Dafür sind die Vorteile der Globalisierung zu groß. Dafür ist auch die Verflechtung der Welt durch In­ternet, soziale Netzwerke und immer bessere Verkehrs­ver­bindungen zu groß. Aber sie legt eine Pause ein. Das hat Folgen. Die Produktivitätsgewinne aus der internatio­nalen Arbeitsteilung werden geringer. Damit sinkt das Wirtschaftswachstum. Das betrifft vor allem die Schwel­len- und Entwicklungsländer. Aber auch die entwickelten Staaten können die Wachstumsverluste durch die De­mo­gra­phie nicht mehr durch steigende Spezialisierungs­gewinne im Außenhandel auffangen. Das so wichtige Projekt des europäischen Binnenmarkts kommt nicht weiter. Auch politisch ist die Entwicklung problematisch. Die zunehmende internationale Arbeitsteilung war immer auch eine Art Friedenssicherung.


Für den Anleger sind diese Veränderungen nicht positiv. Strukturell lang­sameres Wachstum in der Welt führt zu geringeren Ge­winnen der Unternehmen und schadet da­mit grundsätz­lich den Aktien. Vor allem Dividenden­pa­pie­re der Emerging Markets, die schon im Verlauf dieses Jahres nicht so gut gelaufen sind, verlieren an Attraktivi­tät. Die preis­dämpfenden Wirkungen des internationalen Han­dels wer­­den wegfallen. Dadurch erhöhen sich ten­den­­zi­ell die Inflationsraten. Das hat negative Wirkungen auf die Zin­sen. Wenn private und institutionelle Anleger nicht mehr so stark im Ausland investieren, dann verrin­gert sich das Anlagespektrum, was sich ebenfalls nicht positiv auf die Performance auswirkt.