Meldungen | Marktkommentar
31.08.2017

Drei entscheidende Kriterien bei der Auswahl von Europa-Aktien

Eine robuste Konjunktur in der Eurozone und eine Stabilisierung der politischen Lage stützen die Börsen in Europa, trotz der jüngsten Marktkorrektur. Doch das allein reicht nicht für langfristige Renditen am Aktienmarkt, meinen Tawhid Ali und Andrew Birse, beide Portfoliomanager für europäische Aktien bei AllianceBernstein.

Ali Tawhid, Portfoliomanager AB

Ali Tawhid, Portfoliomanager AB

Foto: AB

Sinkende politische Risiken haben ebenso die Anlegerstimmung aufgehellt. Der grandiose Wahlsieg von Emmanuel Macron in Frankreich hat die Ängste vor einer anstehenden Populismuswelle im Keim erstickt. In Deutschland steuert Angela Merkel allem Anschein nach auf einen weiteren Wahlsieg im September zu. Und eine jüngst veröffentlichte Eurobarometer-Umfrage zeigt, dass die Unterstützung für die Gemeinschaftswährung Euro in den Kernländern der Eurozone auf ein Rekordniveau gestiegen ist.

In vielerlei Hinsicht teilen wir diesen Optimismus. So erwarten wir für 2017 ein Wirtschaftswachstum von 2,1 Prozent in der Eurozone. Zusätzlich zu der positiven konjunkturellen Entwicklung sind die Bewertungsniveaus europäischer Aktien im Vergleich zu Anleihen und auch amerikanischen Aktien weiterhin attraktiv, selbst wenn sie im Vergleich mit ihrer eigenen Historie nicht sonderlich günstig erscheinen. Wir glauben jedoch auch, dass ein gesundes Maß an Vorsicht ratsam ist. Die Geschichte zeigt, dass die Wertentwicklung lokaler Börsen nur gering mit der jeweiligen Volkswirtschaft korreliert. Und beim Gewinnwachstum gibt es bei einigen Unternehmen erste Anzeichen von Gegenwind. So stellt etwa der starke Euro eine Herausforderung für Exportunternehmen dar, und auch die Preismacht bröckelt stellenweise.

Herausforderungen meistern

Attraktive Erträge lassen sich in einer Reihe von verschiedenen Marktlagen am besten erreichen, wenn Anleger sich auf Unternehmen fokussieren, die die genannten Herausforderungen meistern können. Wer nicht wie ein kurzfristig orientierter Investor denkt, sondern wie ein Unternehmer, ist auf einem guten Weg jene Unternehmen zu finden, die ihre Cashflows aus eigener Anstrengung hoch halten oder verbessern können. Entsprechend diesem Ansatz gibt es drei Arten von Unternehmen, die heute in Europa ein besonders ansprechendes Ertragspotenzial bieten:

1. Unternehmen mit Margenverbesserungen

Die Profitmargen vieler europäischer Unternehmen haben in den vergangenen Jahren meist unterhalb des Niveaus der amerikanischen Konkurrenz gelegen. Doch in vielen Branchen, darunter Einzelhandel und Versorger, werden Verbesserungsmaßnahmen ergriffen. Firmen nehmen Kosteneinsparungen vor und erweitern ihre Produktpaletten. Die daraus resultierenden erhöhten Margen sollten den Aktionären zugutekommen. So hat etwa der französische Automobilzulieferer Faurecia seine Kostenstrukturen in Europa und Nordamerika verbessert und schwächere Unternehmensteile abgestoßen.

2. Unternehmen mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen

Viele europäische Unternehmen haben sowohl die Substanz als auch das Know-how, um eine steigende Profitabilität zu untermauern. Vom Markt werden sie dafür jedoch noch nicht honoriert. Ein gutes Beispiel für solch ein Unternehmen ist Grifols aus Spanien. Die Firma ist eine von drei globalen Lieferanten für Blutplasma. Unserer Meinung nach verschaffen Skaleneffekte und Fachwissen diesem Unternehmen einen wenig anerkannten, aber dafür dauerhaften Wettbewerbsvorteil.

3. Unternehmen in Branchen mit positiver Dynamik

Unternehmen aus Branchen zu kaufen, deren strukturelle Situation sich verbessert, ist oft eine lukrative Strategie. Diese positiven strukturellen Veränderungen können etwa verminderter Preiskampf durch Konsolidierung oder Engpässe durch hohe Nachfrage sein. Wir finden derlei Chancen in Europa in Branchen wie Telekommunikation und Technologie. Der deutsche Siliziumscheibenhersteller Siltronic etwa profitiert von einer verbesserten Angebots-Nachfrage-Dynamik. Siliziumscheiben werden zur Halbleiterproduktion benötigt. Nach Jahren der Überkapazitäten führt eine erhöhte Nachfrage nach Siliziumscheiben zu höheren Preisen. Und das in einer Branche, die bislang als schwach strukturiert und wenig differenziert galt.

Anleger sollten sich vor Augen halten, dass ein positives Konjunkturumfeld nicht immer zu steigenden Aktienkursen führt. Indem sie sich jedoch auf Unternehmen fokussieren, die die oben beschriebenen Kriterien erfüllen, erhöhen europäische Aktienanleger unserer Ansicht nach ihre Chancen auf hohe und nachhaltige Erträge.