Meldungen | Aktien, Investmentfonds
11.04.2012

Dividendensaison: Alternativen jenseits des DAX

Die Dividendenzahlungen aller Dax-Konzerne in diesem Jahr werden in Summe 27,5 Mrd. Euro erreichen. Damit ist fast das historische Rekordniveau geknackt. In den kommenden Wochen werden die 23 Dax-Konzerne nach und nach ihre Dividenden bekanntgeben bzw. die Gewinnanteile an die Aktionäre ausschütten. Den Auftakt machte vergangene Woche Daimler mit der Hauptversammlung am Mittwoch. Die Manager der drei Dividendenfonds von Fidelity Worldwide Investment Michael Clark, Polly Kwan und Daniel Roberts nehmen dies zum Anlass um einen Ausblick auf Dividendenentwicklungen in Europa, Asien und weltweit zu geben.  

Michael Clark, Fidelity

Michael Clark, Fidelity

„Betrachtet man nur die Dividendenrendite, ist Deutschland attraktiver als viele internationale Märkte, aber nicht so attraktiv wie die meisten anderen europäischen Länder“, sagt Michael Clark, Manager des Fidelity European Dividend Fund. Allerdings müsse man über die reinen Zahlen hinausblicken. Denn hohe Renditen seien häufig ein Zeichen einer Notlage. Clark: „Beispiel Spanien: Die Unternehmen des Landes weisen im Durchschnitt eine hohe Rendite auf, mehr als das Doppelte des Durchschnitts der vergangenen 15 Jahre. Aber die Nachhaltigkeit dieser Rendite ist sehr zweifelhaft. So hat Telefonica eine Dividendenrendite von etwa 12 Prozent. Da der Cashflow des Konzerns die versprochenen Dividendenzahlungen nicht abdeckt, gehe ich davon aus, dass der Konzern seine Dividende ziemlich sicher reduzieren wird. Dies ist keineswegs ein Einzelfall in Spanien, und wir werden wohl sinkende Dividendenrenditen erleben.“

 

Nachhaltige Dividenden in Deutschland

 

Gemessen an der historischen Entwicklung sei die Dividendenrendite in Deutschland ebenfalls hoch. Hier seien die Dividenden aber nachhaltig und dürften sogar noch steigen, so die Erwartung des Fidelity-Managers. Deutsche Unternehmen seien fundamental stark, hätten solide Wachstumsaussichten – insbesondere in Asien – und glänzten mit robusten Bilanzen. Als Beispiel nennt Clark die Münchener Rück: Als jahrzehntelanger Dividendenzahler stand der größte Rückversicherer der Welt in den letzten Jahren, wie andere Finanzwerte auch, unter Druck. „Für mich ist die Münchener Rück jedoch ein defensiver, beständig liquider Konzern, der niedrig bewertet wird. Unternehmen aus der ganzen Welt, die teure Vermögenswerte versichern möchten – von einer Schiffsflotte bis hin zu einem Industriegebäude, wenden sich an die Münchener Rück. Die Naturkatastrophen des Vorjahres haben sogar dazu geführt, dass der Konzern die Prämien angehoben hat. Somit wird er noch mehr Liquidität generieren. Diese Umsatzsteigerung ist ein gutes Zeichen für weiter wachsende Dividenden.“

 

Immer mehr Ausschütter in Asien

 

Eine positive Tendenz zeigt sich in Asien: Die asiatischen Volkswirtschaften heute sind weit weniger von den westlichen Industrienationen abhängig als in der Vergangenheit. Zudem weisen asiatische Unternehmen im Schnitt viel stärkere Bilanzen auf und sind deutlich geringer verschuldet als Unternehmen in Europa oder in den USA und sie haben Barreserven aufgebaut – eine Basis für höhere Dividendenausschüttungen. „Folgerichtig ist in den letzten zehn Jahren die Zahl der asiatischen Unternehmen, die Dividenden zahlen, deutlich gestiegen: Während vor zehn Jahren nur rund 60 Prozent aller Unternehmen im asiatisch-pazifischen Raum exklusive Japan Dividenden gezahlt haben, sind es im laufenden Jahr voraussichtlich 82 Prozent. Bei jedem vierten Unternehmen wird die Dividende bei 3 Prozent oder mehr liegen. In der gegenwärtigen Niedrigzinssituation sind die Dividendenrenditen asiatischer Unternehmen daher überaus attraktiv. Und das wird auf absehbare Zeit so bleiben, da der Cashflow steigt und die Eigenkapitalquote hoch ist“, erwartet Polly Kwan, Managerin des Fidelity Asia Pacific Dividend Fund.

 

Globaler Ansatz hilft Klumpenrisiken vermeiden

 

Im Gegensatz zu einer regionalen Dividendenstrategie erlaubt ein globaler Ansatz nicht nur eine bessere Diversifikation nach Ländern, sondern auch innerhalb von Branchen. So lässt sich das regionale Klumpenrisiko einer Sektorkonzentration über die weltweite Streuung vermeiden. „Als dividendenbewusster Investor sollte man zudem nicht nur auf Aktien mit hoher Dividende setzen, sondern ausgewogen investieren – gleichermaßen in dividendenstarke reife Unternehmen und in Unternehmen mit geringerer Dividende, die ein attraktives Dividendenwachstum bieten“, betont dagegen Daniel Roberts, Manager des Fidelity Global Dividend Fund.

 

Interessante Dividendentitel lassen sich heute ebenso in Asien und in Lateinamerika, nicht nur in den entwickelten Märkten entdecken. Vor allem auch in den USA jedoch – deren Unternehmen nicht unbedingt für eine weit verbreitete Dividendenkultur bekannt sind – gebe es einige sehr attraktive verlässliche Dividendenzahler, meint Roberts. Sein Beispiel: Microsoft. Der Softwarekonzern schütte seit über zehn Jahren eine regelmäßige, steigende Dividende aus. „In gewisser Weise kommt Microsoft mit seinem verlässlichen Einkommensstrom aus den erfolgreichen Windows-Programmen eher einem Energieversorger gleich als einem typischen Technologiekonzern. Dass die Erwartungen an Kursgewinne der Aktie niedrig sind, kommt ihrer Stabilität und geringen Anfälligkeit für negative Überraschungen ebenfalls zugute.”