Meldungen | Anleihen, Marktkommentar
11.01.2017

"Die Zeit ist reif für Anleger, 2017 mehr Risiko einzugehen"

Die Bedingungen an den Märkten sind für Anleger ideal, um 2017 mehr Risiko bei Unternehmensanleihen einzugehen, meinen Phil Milburn und David Ennett , die den Kames High Yield Global Bond verwalten. Vorausgesetzt die Inflation bleibt gedämpft.

Phil Milburn, Fondsmanager Kames Capital

Phil Milburn, Fondsmanager Kames Capital

Foto: Kames

Sofern wir von einer galoppierenden Inflation verschont bleiben, ist unseres Erachtens das Klima ideal, ein höheres Kreditrisiko einzugehen, um 2017 Wertpotenzial zu erschließen. Auch wenn das Frühjahr in dieser Hinsicht etwas heikel werden dürfte. Wir halten Anlagen mit einem Rating von Single B für optimal. Dabei bevorzugen wir Werte mit einer Laufzeit zwischen fünf und sieben Jahren und einer anständigen Rendite. Außerdem favorisieren wir Titel, deren Ertrag nicht übermäßig stark davon abhängt, dass gewichtige geopolitische Veränderungen zu ihren Gunsten ausfallen.

Daher machen wir einen Bogen um Unternehmensanleihen aus europäischen Peripherieländern und Schwellenländern. Letztere leiden häufig unter der immensen Schuldenlast in der Bilanz und nahezu immer unter einem Währungsrisiko. Die meisten werden in harter Währung ausgegeben, während ihre Erträge häufig auf Lokalwährung lauten. Uns gefallen Unternehmen mit wiederkehrenden Einnahmeströmen wie Kabelfernsehbetreiber und Logistikunternehmen. XPO Logistics wirft zum Beispiel Ertrag ab und baut nach Übernahmen Schulden ab. Anleihen wurden aufgrund der Hoffnung auf Synergieeffekte und eine entsprechend starke Belebung der Cashflows und der Profitabilität zu günstigen Preisen ausgegeben. Im US-Gesundheitssektor herrscht zwar ein rauer Wind, nicht zuletzt wegen der Frage, inwieweit der designierte US-Präsident Trump die Gesundheitsreform von Barack Obama rückgängig machen wird. Dennoch schätzen wir bestimmte Titel wie Hospital Corporation of America (HCA) und bevorzugen ausgewählte Anlagechancen im Pharmasektor.

Insbesondere der Energiesektor wird in den kommenden Monaten attraktive Chancen bieten. Obgleich die Ausfallquote seit Anfang Frühling 2016 gestiegen ist und etwa eines von acht Energie-, Metall- und Bergbauunternehmen nicht in der Lage ist, seine Schulden zu bedienen, ist der Markt nicht eingebrochen. Stattdessen refinanzieren Kreditgeber anders als in früheren Phasen des Abschwungs Energieunternehmen weiter. Gleichzeitig ist es zu einer empfindlichen Kurskorrektur gekommen, nach der sich das Ausfallrisiko im Aktienkurs angemessener widerspiegelt. Es wurde gründlich aufgeräumt. Aber nach der Kurskorrektur, Refinanzierung und nachdem die größten Verlierer nicht mehr für Durcheinander sorgen, scheint der Sektor gut aufgestellt. Wir konnten bereits einige erfreuliche Kursanstiege beobachten, die sich 2017 fortsetzen dürften. Nachdem wir 2016 einige spektakuläre Zusammenbrüche erlebt haben, beurteilen wir den Markt derzeit recht optimistisch. Einige Unsicherheiten bleiben, aber in allen Bereichen gibt es zahlreiche gute und solide Investments.