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03.07.2019

"Die Weltwirtschaft steht an einer Weggabelung"

Der Handelskonflikt belastet die Industriestaaten und auch die USA, analysiert die Allianz Gruppe in Österreich in ihrem globalen Quartalsausblick. Die Notenbanken werden mit expansiven Maßnahmen das Rezessionsrisiko zu bannen versuchen.

Martin Bruckner, CIO der Allianz Gruppe in Österreich

Martin Bruckner, CIO der Allianz Gruppe in Österreich

Foto: Allianz

Vor dem Hintergrund steigender (geo-)politischer Risiken, dem Handelsstreit zwischen den USA und China sowie Märkten in einer spätzyklischen Phase steigen die Rezessionsgefahren. Die von den Notenbanken angekündigten geldpolitischen Maßnahmen sollen die Situation entspannen. „Die Weltwirtschaft befindet sich momentan an einer Weggabelung“, erklärt Martin Bruckner, Chief Investment Officer der Allianz Gruppe in Österreich und Vorstandsmitglied der Allianz Investmentbank AG. Solange der Handelskonflikt nicht beigelegt und entschieden ist, ob sich der Konjunkturzyklus noch einmal verlängert oder rezessive Tendenzen die Oberhand gewinnen, sei mit volatilen Märkten zu rechnen. Eindeutige Trends sind nicht erkennbar. „Die Risiken haben sich jedenfalls nicht reduziert“, so Bruckner.

"Sorgenkind" US-Handelspolitik

Das globale Wachstum für 2019 wurde im zweiten Quartal weiter nach unten revidiert. Eine Abschwächung der Konjunkturindikatoren verzeichneten vor allem die Industrieländer. Aber auch die Aussichten für die USA haben sich infolge der Handelspolitik Trumps eingetrübt. Zuletzt ist auch das Konsumentenvertrauen gefallen. „An der erfolgsverwöhnten US-Wirtschaft geht der Handelskonflikt nicht spurlos vorüber“, sagt Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest KAG. „Eine drohende Eskalation zu einem Handelskrieg würde vor allem die Industrieländer und auch die USA selbst stark negativ treffen.“ In China schwächt sich das Wachstum ebenfalls ab: Die expansiven Maßnahmen der Regierung haben bisher keine Wachstumsbeschleunigung in Gang gesetzt, wobei die Eskalation der US-Handelsrestriktionen im zweiten Quartal die Bemühungen unterminierte. Im Vergleich zu den bereits niedrigen Erwartungen hat sich Europa insgesamt relativ stabil entwickelt. Zwar schwächelt Deutschland unter anderem infolge der Probleme der Autoindustrie weiter, Großbritannien verhält sich auf stabilem Niveau.

Geldpolitik: Zinswende in Sicht

Die fallenden Inflationserwartungen und anhaltenden Risiken, wie der Handelskonflikt, haben die Notenbanken bewogen, wieder eine expansivere Geldpolitik in Aussicht zu stellen. Nachdem die US-Notenbank im vergangenen Jahr vier Mal die Zinsen angehoben hat, zeichnete sich zuletzt eine Zinswende ab: „Wir gehen davon aus, dass die Fed bereits im Juli die Zinsen senken wird“, so Ramberger. Auch EZB-Chef Draghi signalisierte zuletzt Bereitschaft zu weiteren Maßnahmen“. Die Kapitalmärkte waren nach einem starken ersten Quartal für Risikoassets im zweiten Quartal 2019 von höherer Volatilität geprägt. Die Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China, fallende Anleiherenditen und negative Gewinnrevisionen sorgten für zunehmende Konjunkturängste und Beunruhigung an den Märkten, was sich in deutlichen Aktienabflüssen niederschlug. „Aktienbewertungen liegen um den historischen Schnitt und sind damit relativ attraktiv zu den niedrigen Anleiherenditen“, stellt Bruckner fest. Die erwartete Trendwende der Notenbanken sollte die Risikomärkte im kommenden Quartal unterstützen und gleichzeitig die gefallenen Anleiherenditen auf niedrigem Niveau verankern.

Empfehlung für Anleger: Aktien leicht übergewichten

„Im aktuellen Umfeld empfehlen wir Anlegern, Anleihen leicht unterzugewichten und Aktien leicht überzugewichten“, erklärt Bruckner die Anlagestrategie der Allianz für das kommende Quartal. Konkret werden Staatsanleihen aus den USA sowie Unternehmensanleihen neutral gehalten, Euroland-Anleihen unter- und Anleihen aus den Emerging Markets übergewichtet. Aktienseitig empfehlen die Experten ein Übergewicht für Aktien aus den Emerging Markets. US-Aktien und jene aus Europa werden neutral gewichtet, japanische Aktien werden untergewichtet.