Meldungen | Marktanalyse, Marktkommentar
11.02.2020

Die Volatilität richtig nutzen

Frank Fischer, CEO der Shareholder Value Management AG, sieht nach der Corona-Korrektur langfristige Kaufchancen etwa bei europäischen Luxusaktien.

Frank Fischer, CEO Shareholder Value Management

Frank Fischer, CEO Shareholder Value Management

Shareholder Value Management

„Mr. Market“ ist ein launischer Geselle. Mal ist er himmelhoch jauchend, mal zu Tode betrübt, konstatiert Frank Fischer, Vorstandvorsitzender der Shareholder Value Management AG, in seinem jüngsten Marktbericht. Er meint, wie schnell die Stimmung an den Börsen kippen kann, konnte man in den vergangenen Wochen wieder beobachten. Lesen Sie seine aktuelle Einschätzung, und weshalb man jetzt allmählich über günstige Zukäufe etwa bei europäischen Luxusaktien nachdenken könnte.

Peking handelt entschlossen gegen die Krise

Als die Nachricht kam, dass sich die Zahl der Corona-Infizierten noch immer stark erhöht, war es mit der guten Stimmung vorbei. Was uns in diesem Zusammenhang aber optimistisch stimmt, ist die Entschlossenheit, mit der sich Peking gegen die wirtschaftlichen Folgen der Krise stemmt. Umgerechnet gut 240 Milliarden US-Dollar wird die chinesische Regierung als Stimulus in den Markt pumpen. Und es hat den Eindruck: Wenn es mehr sein muss, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, dann wird noch mehr investiert. Das stimmt uns optimistisch, dass die wirtschaftlichen Probleme im Land hoffentlich nicht von Dauer sein werden, auch wenn es temporär einen Dämpfer für das globale Wachstum geben wird. Der wird allerdings vom Geld der Notenbank weggebügelt.

Volatilität – ein Geschenk der Märkte

Die Situation der letzten Wochen zeigt aber auch: Die Volatilität ist wieder zurück. Die Kurse schwanken zum Teil sehr stark, was manchem Anleger Schweißperlen auf die Stirn treibt. Wir sehen darin aber etwas Positives, fast schon so etwas wie ein Geschenk.

Denn in solchen Marktphasen sollte man sich immer wieder mit dem Gedanken auseinandersetzen: Warum habe ich in diese oder jene Aktie investiert? Unser Credo lautet: Wir beteiligen uns unternehmerisch. Wir sind damit Teil einer Firma. Und die Sicherheit, dass wir wissen, dass dort ein richtig gutes Produkt, oder eine richtig gute Dienstleistung angeboten wird, und eine Familie oder ein Eigentümer für uns die Firma weiterentwickelt, das hilft, mit Angstsituationen entspannter umzugehen und die Volatilität als Chance zu begreifen. Denn gerade in Phasen, in denen an der Börse Ausverkaufspreise dominieren, sollte man dies wie einen Winterschlussverkauf betrachten. Dies könnte etwa schon bald bei Werten von Luxusartikelherstellern wie Louis Vuitton oder auch Kering passieren, die aufgrund der Verunsicherung der chinesischen Verbraucher durch eine schwierige Phase gehen. Hier könnten sich demnächst günstige Einstiegskurse zeigen. Dabei wird aber nicht gezockt, sondern genau das Gegenteil: Man kauft ein Unternehmen, bzw. ein Teil eines guten Unternehmens zu einem günstigen Preis. Dann kann man sich auf die Erträge freuen, die in Zukunft kommen.

Bewertung und Sicherheitsmarge

Man braucht auf der anderen Seite aber auch eine klare Vorstellung zum Wert eines Unternehmens. Dazu schauen wir uns die Cashflows eines Unternehmens an und berechnen, wie hoch der Wert der ganzen Firma ist. Erst dann kann man mit einer Sicherheitsmarge agieren. Danach muss man nur geduldig warten, bis der Markt dies realisiert und eine Höherbewertung erfolgt. Das bringt dann den Kursgewinn. Bis dahin wird man im Idealfall mit einer Prämie in Form einer guten Dividende belohnt. Natürlich gelingt es in den aller wenigsten Fällen zum Tiefstkurs einzukaufen. Aber man kann gewiss sein, dass man mit einer Sicherheitsmarge die Aktie erworben hat. Danach kann man dann dem Motto von „Winnie the Pooh“ folgen: „Unterschätze nie den Wert des Nichtstuns!“