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31.03.2015

Die regulatorischen Risiken für die Asset Manager steigen

Der jährliche Ausblick zum Investment Banking von Oliver Wyman und Morgan Stanley zeichnet das Bild einer Branche im Umbruch. Die Asset Manager zeigen sich in den Interviews besorgt über die mangelnde Liquidität in Fixed Income-Märkten.

Finja Carolin Kütz, Oliver Wyman Deutschland

Finja Carolin Kütz, Oliver Wyman Deutschland

Foto: Oliver Wyman

In den letzten fünf Jahren fand im globalen Wertpapiergeschäft eine umfassende Wertverlagerung von der Banken- (sell side) zur Investorenseite (buy side) statt. Diesen Umbruch analysiert die aktuelle Ausgabe der jährlichen gemeinsamen Studie "Outlook for Global Wholesale & Investment Banking" von der Unternehmensberatung Oliver Wyman und Morgan Stanley. Quantitative Easing-Programme haben demnach die Preise von Anlagen in die Höhe getrieben und die Volatilität reduziert. Gleichzeitig hat der regulatorische Druck die Kapazitäten der Bankenseite verringert und die geringere Handelstätigkeit der Banken hat die Liquidität der Märkte reduziert. Deshalb wenden sich Investoren im Niedrigzinsumfeld ertragreicheren und weniger liquiden Anlagen zu. Politische Entscheidungsträger sind zunehmend besorgt über steigende Zinsen und den Übergang vom Quantitative Easing (QE) zurück in eine Welt ohne QE. Da beide Veränderungen insbesondere Investoren treffen, ist ein zunehmender Fokus der Aufsicht auf Asset Manager zu erwarten.

Die Studie untersucht die Herausforderungen des globalen Wertpapiergeschäfts mit einem Gesamtwert von 750 Mrd. US-Dollar Jahresumsatz. Sie hat ermittelt, dass Banken ihre Bilanzen seit 2010 um 20 Prozent verkürzt haben und diese bis 2017 um weitere 10 bis 15 Prozent reduzieren werden. Verwaltete Vermögen in täglich kündbaren Fonds sind dagegen um 10 Prozent pro Jahr gewachsen und befinden sich nun 76 Prozent über dem Niveau von 2008. Die Studie analysiert den Einfluss der reduzierten Marktliquidität auf das gesamte Wertpapiergeschäft, mögliche regulatorische Reaktionen und die langfristige Bedeutung für Banken, Asset Manager und Anbieter von Marktinfrastruktur. In einer Befragung von einer Gruppe Asset Manager mit einem verwalteten Gesamtvermögen von mehr als 10 Mrd. US-Dollar zeigten sich diese besonders besorgt über die Liquiditätssituation in Märkten mit festverzinslichen Wertpapieren.

Weitere Konsolidierung auf der Bankenseite

"Unsere Analyse zeigt eine wichtige Verlagerung von Risiko auf, die Folge der Bankenreform nach der Krise sowie der unorthodoxen Geldpolitik ist", sagt Finja Carolin Kütz, Partnerin und Co-Geschäftsführerin von Oliver Wyman in Deutschland. "Die Liquidität am Markt sinkt drastisch. Dadurch sind neue Risiken für Investoren und Emittenten entstanden. Die Legislative steht vor schwierigen Abwägungen, denn ihre Reaktion und die Antworten der Finanzbranche wird tiefgreifende Auswirkungen auf die Kapitalmärkte und Investoren haben." Die Analyse zeigt, dass Banken durch umfangreiche Restrukturierungsinitiativen, wie beispielsweise einschneidende strategische Entscheidungen, die Verbesserung der Interaktion mit Kunden sowie eine Verlagerung größerer Teile der Infrastruktur zu anderen Marktteilnehmern 3 Prozent zusätzliche Kapitalrendite generieren müssen. Die Studienautoren erwarten eine weitere Konsolidierung auf der Bankenseite, aber auch eine zunehmend diverse Wettbewerbslandschaft und breitere Streuung der Erträge. Bereits jetzt besteht ein Ertragsunterschied von 10 Prozentpunkten zwischen Banken ähnlicher Größe. Investoren müssten im Base Case-Szenario der Studie etwa 1 bis 5 Prozentpunkte ihrer Erträge zusätzlich in verbesserte Fähigkeiten im Handel und im Management von Sicherheiten und Risiken investieren. Zudem könnten strengere Reformen die Investitionsmöglichkeiten einschränken.