Meldungen | Aktien, Marktkommentar
21.08.2012

„Die Rally wird ohne zyklische Unterstützung bald auslaufen“

Die fundamentale Faktoren werden bald wieder bestimmend sein, Anleger sollten daher jetzt ihre Aktienpositionen absichern, meint Philipp E. Bärtschi, Chefstratege der Bank Sarasin.

Philipp E. Bärtschi, Chefstratege der Bank Sarasin

Philipp E. Bärtschi, Chefstratege der Bank Sarasin

Bank Sarasin

Die Aktienmärkte haben sich erstaunlich stark vom Rückschlag im zweiten Quartal erholt. Seit dem Tiefpunkt Anfang Juni legten die wichtigen Indizes um 10% bis 15% zu. Mit dem Anstieg der Aktienkurse ging auch ein starker Stimmungswandel einher. Während im Juni das Schreckensgespenst eines Euro-Austritts von Griechenland umherging, scheinen nun plötzlich die größten Risiken gebannt zu sein. Die Beruhigungspillen der Zentralbanker haben einmal mehr gewirkt.

 

Tatsächlich sind die Risiken einer Eskalation der Euroschuldenkrise mit dem starken Bekenntnis der Europäischen Zentralbank kurzfristig gesunken. Die restlichen großen Risikoherde, die Fiskalklippe in den USA sowie eine harte Landung in China, wurden in den letzten Wochen aber eher größer als kleiner. So ist es erstaunlich, dass die am VIX-Index gemessene Risikoaversion der Anleger auf den tiefsten Stand seit Ausbruch der Finanzkrise im 2007 gefallen ist. Sind die Risiken tatsächlich so stark zurückgegangen oder machen sich die Anleger etwas vor? Verschiedene Marktstimmungsindikatoren sind bereits nahe an historischen Extremwerten. Während im Mai und Juni bis zu vier von sechs Indikatoren ein kurzfristiges Kaufsignal für Aktien aussendeten, gab der erste Indikator Mitte August ein Verkaufssignal. Nun sind historisch betrachtet Verkaufssignale nicht von der gleichen Qualität wie Kaufsignale. Bei Verkaufssignalen kann es oft Monate dauern bis die nächste Korrektur kommt. Andererseits zeigen diese Indikatoren aber klar, dass die stimmungsgetriebene Erholungsrally vorbei ist. Die Aktienmärkte werden sich nun wieder den fundamentalen Faktoren zuwenden.

 

In dieser Hinsicht werden die nächsten Wochen entscheidend sein. Die Finanzmärkte und die Makrodaten laufen zurzeit stark auseinander. Aktien haben Anleihen seit Juni deutlich geschlagen, während die wichtigsten Makroindikatoren auf eine Wachstumsabschwächung hindeuten. Es gibt also zwei mögliche Szenarien: Entweder kommt es zu einer starken Korrektur an den Aktienmärkten oder die wichtigen Frühindikatoren steigen deutlich und rechtfertigen den jüngsten Aktienkursanstieg. Aus diesem Grund beobachtet die Bank Sarasin die neusten Daten besonders genau. Die ersten US-Indikatoren aus dem verarbeitenden Gewerbe für August, der Empire State Index sowie der Philadelphia Fed Index, signalisierten letzte Woche beide, dass der ISM-Index im August deutlich fallen wird. Die paradoxe Situation mit steigenden Aktienkursen und fallenden Konjunkturdaten wird nicht lange anhalten. Da die Stimmung nun positiv ist und die Absicherungskosten niedrig sind, sollten Anleger auf Sicherheit setzen und Aktienpositionen absichern. Die Bank Sarasin rechnet nicht mit einer unmittelbaren zyklischen Erholung und erwartet daher bis zum Jahresende wieder deutlich tiefere Aktienkurse.