Meldungen | Emerging Markets, Marktkommentar
11.06.2013

„Die Investmentstory bleibt intakt“

Crina-Amalia Ripfl, Senior-Fondsmanagerin des „Espa Stock Istanbul“ sieht den Absturz des türkischen Aktienindex XU100 durch die Proteste als kurzfristigen Gewinnmitnahme-Effekt.

Crina-Amalia Ripfl, Erste Asset Management

Crina-Amalia Ripfl, Erste Asset Management

Foto: Erste AM

Am vergangenen Montag korrigierte die türkische Aktienbörse um 10%. Sie erholte sich dann kurz nach den konstruktiven Aussagen des Vize-Premierministers Arinc, bevor sie dann am Dienstag nach der Rede von Premierminister Erdogan über die Demonstrationen nochmals um 4,7% (XU100 Index) verlor. Crina-Amalia Ripfl, Senior-Fondsmanagerin des türkischen Aktienfonds „Espa Stock Istanbul“ geht davon aus, dass die Börse unter Druck bleibt, solange die Proteste anhalten. Die Frage ist, wie intensiv sich die Proteste ausweiten werden. Ripfl geht nicht davon aus, dass die Demonstrationen in der Türkei kurzfristig an der politischen Lage etwas ändern werden. Für 2014 sind allerdings Auswirkungen bei der Präsidentschaftswahl und bei anstehenden lokalen Wahlen zu erwarten. Besonders für die von der Regierung geplante Volksabstimmung für eine Verfassungsänderung zu Gunsten eines präsidialen Systems (nach dem Vorbild der USA) kommen diese Unruhen zu einer ungünstigen Zeit. „Die politische Unsicherheit bremst derzeit das Interesse internationaler Investoren“, so Ripfl. „Auch die Renditen der türkischen Staatsanleihen haben bereits angezogen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass befürchtet wird, dass die Zentralbank an der Zinsschraube drehen könnte.“ Die türkische Lira habe auch im Vergleich zu anderen osteuropäischen Währungen stärker an Wert verloren.

Türkische Börse günstig bewertet

Der mittel- bis langfristige Ausblick bleibt laut Einschätzung der Expertin von den derzeitigen Ereignissen unberührt. Die Volkswirtschaft der Türkei wächst nicht zuletzt aufgrund von demographischen Vorteilen deutlich schneller als die anderer Länder, während die Inflationsraten sukzessive fallen. Die türkische Aktienbörse weise eine relativ attraktive Bewertung auf. Die Aktienkurse sind derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,0 auf Basis der Erwartungen für das laufende Jahr günstig. Analysten erwarten für die börsennotierten Unternehmen im Durchschnitt ein Gewinnwachstum in Höhe von 9,6%. Fondsmanagerin Ripfl rät von über stürzten Verkäufen klar ab: „Auch wenn die Situation kurzfristig volatil bleibt, bin ich überzeugt, dass die Aktienkurse der türkischen Börse zu Jahresende wieder deutlich höher stehen werden.“