Meldungen | Anleihen, Marktausblick
03.12.2012

„Die Gewinne von 2012 werden sich nicht wiederholen“

Pünktlich zur Vorweihnachtszeit beginnen wir die Saison der Jahresausblicke für 2013. Den Anfang macht der Rentenausblick 2013 von Tom Fahey, stellvertretender Direktor für globale Marktstrategien bei Loomis Sayles.

Tom Fahey, Loomis Sayles

Tom Fahey, Loomis Sayles

Loomis

Die schwache globale Nachfrage infolge vielfacher Sparpolitik und die Anstrengungen der Zentralbanken, durch ein niedriges Zinsniveau die Ausgaben anzukurbeln, haben im gesamten Kreditspektrum zu einem deutlichen Rückgang der Zinssätze geführt. Da wundert es nicht, dass weltweit ein hoher Bedarf nach Rendite besteht. Dies gilt für Schatzbriefe, Hypotheken, Investment-Grade- und Hochzinsanleihen bis hin zu Schuldtiteln von Schwellenländern. Eine unkonventionelle Geldmarktpolitik führt auch nicht, wie einige Experten gedacht haben, unweigerlich zu einer unkontrollierten Inflation. Die einzig nennenswerte Inflation, die wir bislang gesehen haben, betrifft die Anleihenkurse.

Wir erwarten, dass das globale Streben nach Rendite auch im Jahr 2013 anhalten wird. Allerdings haben die Anleger 2012 mit Anleihen hohe Gewinne eingefahren, die sich 2013 so nicht wiederholen dürften. Erträge aus festverzinslichen Anleihen zu erzielen, wird bei stetig sinkender Rendite einfach schwieriger. Waren vorher bei Investment-Grade-Unternehmensanleihen Erträge im hohen einstelligen Prozentbereich möglich und bei Hochzinsanleihen etwa aus Schwellenländern gar im zweistelligen Prozentbereich, müssen Anleger ihre Erwartungen nun nach unten korrigieren. Anleihen können auch weiter Gewinne abwerfen, allerdings werden diese nicht viel höher liegen als der Anleihezins.

Einige unserer bevorzugten Sektoren bei festverzinslichen Papieren, die 2013 einstellige Gewinne mittlerer Höhe abwerfen dürften, sind Bankdarlehen, Wandelanleihen, hochverzinsliche und RMBS-Anleihen. Die Investment-Grade-Kreditmärkte in den USA und Europa halten wir nach wie vor für attraktiv, doch glauben wir, dass in Dollar und Euro emittierende Unternehmen in Schwellenländern besser abschneiden werden. Bei hochwertigen Staatsanleihen wie Schatzbriefen, Bundesanleihen oder Schuldverschreibungen ist nicht viel zu holen, es sei denn, es kommt zu einem größeren wirtschaftlichen Abschwung oder weiteren Finanzkrisen, was für 2013 allerdings nicht zu erwarten ist.

Eine wichtige Frage ist, ob sich im kommenden Jahr Staats- oder Unternehmensanleihen besser entwickeln werden. Bestimmte Staatsanleihen etwa aus Mexiko, Italien, Polen, der Türkei, Malaysia, Thailand und den Philippinen könnten 2013 Gewinne abwerfen, die mit denen von Unternehmensanleihen durchaus mithalten können. Da Investment-Grade- und Hochzins-Unternehmensanleihen nächstes Jahr einen Gang herunterschalten, werden Investoren weltweit nach Alternativen suchen. Und da versprechen die Schwellenländer mit Anleihen in lokaler Währung weiterhin Kapital anzuziehen. Investoren sollten bei der Recherche zu den einzelnen Landeswährungen jedoch sorgfältig vorgehen, denn 2012 gab es in Brasilien, Südafrika und Indonesien einige starke Einbrüche bei Landeswährungen.

Wann wird der Bullenmarkt bei Anleihen enden? Antwort: Wenn wir einen globalen Anstieg der Konsumnachfrage auf ein selbsterhaltendes Maß erleben, weil Konsumenten und Unternehmen wieder bereit sind, zu leihen, auszugeben, zu investieren und Mitarbeiter einzustellen. Leider sehen wir zum jetzigen Zeitpunkt keinen bedeutenden Anstieg der Nachfrage für 2013.