Meldungen | Venture Capital
12.09.2018

Die Crowd völlig losgelöst

Der österreichische Crowd-Investing-Anbieter Conda "digitalisiert" zunächst seine eigenen Aktien mit Hilfe der Ethereum-Blockchain. Bald sollen sich auch andere Unternehmen dieser Technologie bedienen und sich ihr Risikokapital über Ländergrenzen und Plattformen hinweg holen können.

Paul Pöltner, Geschäftsführer Conda

Paul Pöltner, Geschäftsführer Conda

Foto: Conda

Unternehmens-Investments mit Hilfe sogenannter Token auf digitalem Wege an die Anleger zu bringen, ist gerade der neueste Trend bei den Risiko-Kapital-Instrumenten. Streng genommen sind diese keine echten Beteiligungen sondern der Anspruch auf einen Teil der zukünftigen Unternehmensgewinne. Start-ups, die sich ohnehin im digitalen Bereich bewegen, sind die Vorreiter dieser Kapitalbeschaffung. Die österreichische Crowdinvesting-Plattform Conda will damit demnächst die Branche zu einem "neuen Meilenstein" führen, wie es heißt. Dass die angekündigte Ausgabe der Token (Security Token Offering) mehrmals verschoben werden musste, zeigt aber, dass es sich dabei um keine einfache Sache handelt. In einem Zwischenschritt wurde nun die "Digitalisierung" von Aktien der Conda AG bekannt gegeben, die erste ihrer Art in Österreich, wie das Unternehmen mitteilte. Ziel war es, die ausgegebenen Namensaktien mit digitalen Token zu verbinden und diese an die bestehenden Aktionäre der Gesellschaft zu übertragen.

Rechtliches Neuland

Im Detail funktioniert das so: Token sind digitale Einheiten, die aufgrund eines Protokolls in der Blockchain (Distributed Ledger-Technology) ausschließlich von der Conda AG erstellt und an die Aktionäre ausgegeben werden. Jeder Token repräsentiert eine Stückaktie. Bei Übertragung eines Tokens von einem Aktionär auf eine andere Person kommt es zum (nicht mehr manipulierbaren) Eintrag in der Blockchain. Auf dieser Basis erfolgt dann die Eintragung im Aktienbuch der Gesellschaft. Der Transfer eines Tokens ist daher mit der (herkömmlichen) Übertragung einer Aktie gleichgesetzt. Interessant an der bislang noch unspektakulären Maßnahme ist, dass aus rechtlicher Sicht vieles von den beteiligten Juristen zu klären war. Denn bisher wurde die Frage der Zulässigkeit der Segmentierung von Namensaktien in Form von Token weder in der Fachliteratur, noch höchstgerichtlich behandelt. Außerdem fehlen Richtlinien zu den Fragen der rechtlichen Implementierung der „Digitalisierung“ von Aktien. “Conda hat gemeinsam mit der Kanzlei Schönherr die Basis geschaffen um Unternehmensanteile der Crowd anzubieten, die dann Aktionäre der Gesellschaft werden, was ein großer Schritt im Crowdinvesting und in der Umsetzung von Security Token ist”, resümiert Conda-Mitgründer Paul Pöltner. Ab 2019 soll dieses "CRWD Network" verfügbar sein und neue Standards für die Prozesse im Crowdfunding setzen. Die Token sollen länderübergreifend gültig sein, wodurch die Möglichkeit, in internationale Unternehmen zu investieren, vereinfacht werden soll. Mit Hilfe der Blockchain-Technologie sollen Unternehmer die Möglichkeit bekommen, ihre Crowdfunding-Kampagne ohne großen Aufwand auf mehreren Plattformen länderübergreifend online zu stellen, wodurch quasi auf Knopfdruck die Reichweite potentieller Investoren multipliziert wird.

Investieren in ganz Europa

Ein wesentlicher Bestandteil dieser Strategie besteht daraus, dass mit dem Crowd-Netzwerk zukünftig Security und Equity Token Offerings durchgeführt werden. Somit wird das Investieren – auch mit Finanzierungen in Millionenbeträgen – global zugänglich gemacht. Jeder Investor des CRWD Networks kann nach der einmaligen Identifikation nach geltenden Richtlinien sofort in alle Projekte im CRWD Network investieren. Die als Token übersetzten Investments können dann länderübergreifend gehandelt, transferiert und verkauft werden. „Bisher konzentrierten sich die Projekte solcher Security Offerings hauptsächlich auf dezentralisierte Plattformen und sehr spezifische Regionen, Conda macht das Investieren mittels Token nun in ganz Europa möglich", erklärt Pöltner. Durch den Einsatz von CRWD Token werden die Gebühren, die durch Transaktionen im CRWD Network entstehen, automatisch an Conda bezahlt. Durch Nachfrage an Services im CRWD Network steigt wiederum der Wert des CRWD Token. Der geplante Verkauf der Token findet noch im 4. Quartal 2018 statt.