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13.02.2020

Die Bondblase platzt noch nicht

Die Zentralbanken in den USA und Europa haben derzeit nicht den notwendigen Spielraum, um Zinsen anzuheben. Die Renditen werden auch 2020 niedrig bleiben, meint Volker Schmidt von Ethenea.

Volker Schmidt, Ethenea

Volker Schmidt, Ethenea

Ethenea

Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase & Co verkündete während des diesjährigen Weltwirtschaftsforums in Davos eine schlechte Nachricht: „Die einzige Blase an den Finanzmärkten gibt es bei Staatsanleihen.“ Bei näherer Betrachtung der Fakten ist dies nicht von der Hand zu weisen. Vor allem in Amerika wächst die Menge der Staatsanleihen. „Platzen wird die Blase aber vorerst nicht“, ist Volker Schmidt, Senior Portfolio Manager bei Ethenea, überzeugt, und erläutert dies näher in seiner Rentenanalyse.

Fed: Zum Handeln gezwungen

Die US-Zentralbank wird so schnell nicht wieder aus ihrem Anleiheankaufprogramm aussteigen können. Zum einen wegen der massiven Neuverschuldung in den kommenden Jahren: Laut der Prognose des CBO (Congressional Budget Office) wird die Staatsverschuldung des US-Haushalts in den kommenden zehn Jahren durchschnittlich bei jährlich 1,3 Billionen US-Dollar liegen und damit mehr als vier Prozent des Bruttosozialprodukts ausmachen. Eine vergleichbare Entwicklung über einen längeren Zeitraum hinweg gab es in den USA zuletzt nach dem zweiten Weltkrieg. „Es ist offensichtlich, dass es sich hierbei um eine Entwicklung handelt, die sich selbst in einem Nullzinsumfeld kaum refinanzieren lässt – niemand außer der Fed ist in der Lage, diesen Rekordbetrag an zusätzlichen US-Staatsanleihen zu kaufen“, sagt Schmidt.

Zum anderen werden internationale Investoren im aktuellen Niedrigzinsumfeld US-Staatsanleihen weiterhin bereitwillig kaufen und damit die Fed unterstützen, solange sie eine deutlich positive Rendite erhalten. Auch die Stärke des US-Dollars ist ein weiteres Kaufargument für Investoren außerhalb des Dollarraums.

Würde die Fed zum Beispiel als Folge unerwartet steigender Inflation die Leitzinsen wieder anheben, drohten den Besitzern von US-Staatsanleihen deutliche Kursverluste. „Wenn sowohl die positive Rendite als auch die Stärke der Währung nicht mehr gegeben sind, wird die Fed auf sich allein gestellt sein. Spätestens dann wird der Druck auf den US-amerikanischen Staat steigen, seinen Haushalt wieder auszugleichen. Kurzum: Die Blase bei den US-Staatsanleihen wird zwar immer größer, aber platzen wird sie vorerst nicht“, schlussfolgert der Experte.

Weiterhin negative Renditen für Bundesanleihen

Während sich in Amerika die Menge an Staatsanleihen aufbläht, sind es bei den deutschen Staatsanleihen eher die Kurse eben dieser Titel. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen haben im letzten Jahr ein Renditetief von -0,7 Prozent erreicht und befinden sich nach zwischenzeitlicher Erholung wieder auf dem Weg dorthin. Wie die Fed hat auch die EZB kürzlich ihr Anleihekaufprogramm wieder aufgenommen und begonnen Anleihen zu kaufen.

Derzeit treibt die Furcht vor dem Coronavirus und einer dadurch bedingten Abschwächung der Weltwirtschaft die Bund-Renditen wieder nach unten auf einen aktuellen Stand von -0,5 Prozent. „Kaum jemand ist bereit, einen sicheren Verlust einzukaufen. Doch die Rechnung sieht anders aus, wenn Anleger und Banken nur die Alternative haben, das Geld zu einem Einlagenzins von -0,5 Prozent anzulegen“, sagt der Senior Portfolio Manager.

Die EZB wird ihre Anleihekäufe fortsetzen und die Zinssätze nicht anheben, bis sich die Inflation dem Ziel von zwei Prozent nähert. „2020 ist ein solcher Inflationsanstieg allerdings nicht zu erwarten. Damit werden negative Renditen für deutsche Staatsanleihen bestehen bleiben. Die gute Nachricht für Anleger lautet daher: Auch diese Blase wird im laufenden Jahr nicht platzen“, fügt Schmidt noch hinzu.