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22.07.2016

Deutschland bei der Altersabsicherung auf Platz 7

Dem Global Retirement-Index von Natixis zufolge schneidet Deutschland bei den Kriterien "materieller Wohlstand", "Pro-Kopf-Einkommen" und "Arbeitslosigkeit" mit Platzierungen in den Top 10 am besten ab.

Beim Global Retirement-Index für 2016, der kürzlich von Natixis Global Asset Management vorgestellt wurde, belegt Deutschland bei der Altersabsicherung den siebten Platz. In der Rubrik „materieller Wohlstand im Alter“ erreicht Deutschland sogar Platz 3. Im Rahmen des Index werden jene Faktoren analysiert, die die Absicherung im Alter maßgeblich beeinflussen. Somit bietet er eine Möglichkeit, die besten Strategien im Hinblick auf die Rentenpolitik in 43 Ländern miteinander zu vergleichen. Zu den Staaten, die der Index bei der Altersabsicherung als führend identifiziert hat, zählen in erster Linie nordeuropäische Länder, die die Top 10 dominieren. Dies sind das auf dem ersten Platz liegende Norwegen, gefolgt von der Schweiz, Island, Schweden, Deutschland, den Niederlanden und Österreich. Neuseeland (Rang 4), Australien (Rang 6) und Kanada (Rang 10) vervollständigen die Liste der zehn besten Staaten. Ebenso wie viele andere Top-10-Nationen profitiert auch Deutschland von bewährten staatlichen Rentensystemen und bereits seit Langem etablierten Leistungszusage-Programmen. Sie bieten den Arbeitnehmern eine solide Grundlage für die Finanzierung der Altersvorsorge.

Der Natixis Global Retirement-Index, der 2013 erstmals erhoben wurde, berechnet auf Basis von vier Faktoren, die die Lebensumstände von Rentnern beeinflussen, eine allgemeine Punktzahl für die Sicherheit im Alter. Dabei spielt nicht nur die Finanzlage im Ruhestand eine wichtige Rolle, sondern es werden auch drei weitere Sub-Indizes berücksichtigt, die die Aspekte „materieller Wohlstand“, „Gesundheit“ und „Lebensqualität“ abdecken, um so eine ganzheitlichere Perspektive zu ermöglichen. Bei der diesjährigen Erhebung hat sich Natixis auf eine geringere Zahl von Ländern konzentriert als noch in der Vergangenheit. Dabei handelt es sich hauptsächlich um etablierte Volkswirtschaften, in denen die Altersversorgung ein dringliches soziales und wirtschaftliches Thema ist.

Volle deutsche Rentenkassen

Die größte Volkswirtschaft und Exportnation der Europäischen Union schneidet dabei sehr gut ab. „Der Index belegt, dass Deutschland bei den Kriterien ‚materieller Wohlstand‘, ‚Pro-Kopf-Einkommen‘ und ‚Arbeitslosigkeit‘ mit Top-10-Positionen die besten Ergebnisse erzielt. Deutsche Rentner profitieren also von einem ausgezeichneten Gesundheitssystem und von vollen Rentenkassen“, so Jörg Knaf, Executive Managing Director von Natixis Global AM für Deutschland, Österreich und die deutschsprachige Schweiz. „Im Vergleich zu den übrigen Top-10-Nationen sind die Ergebnisse Deutschlands bei der privaten Altersvorsorgeplanung allerdings eher enttäuschend. Die nach wie vor niedrigen Zinsen sowie die deshalb lediglich mäßigen Investmenterträge könnten den Deutschen in den nächsten Jahren sogar noch größere Probleme bereiten.“ Auch aus der Versicherungsbranche kommen einige alarmierende Signale: So gehen die meisten Menschen in der Altersgruppe der über 14-Jährigen davon aus, dass eine Lebensversicherung allein bereits als Altersvorsorge ausreicht. Darüber hinaus ist lediglich einer von neun Deutschen in Investmentfonds, Aktien oder Mischfonds investiert. „Man muss den Deutschen daher bewusst machen, dass es sich lohnt, mehr anzulegen, ihr Vermögen innerhalb ihrer Portfolios breit zu diversifizieren und ihre Altersversorgung besser zu planen“, betont Knaf.

Trotz positiver Ergebnisse hat auch Deutschland beim Thema Altersabsicherung mit globalen Problemen zu kämpfen. Der Global Retirement-Index zeigt, dass die Finanzierung der Altersversorgung aufgrund demografischer und konjunktureller Trends in Zukunft immer schwieriger werden wird – das gilt für Deutschland ebenso wie für die übrigen etablierten Industriestaaten und die Schwellenländer. Die anhaltende Niedrigzinspolitik der Notenbanken, die zunehmenden Wertschwankungen an den Märkten, eine immer älter werdende Bevölkerung und klamme Staatskassen sind nur einige der größten Herausforderungen beim Thema Altersabsicherung. Eine der wichtigsten Fragen ist, wie man für deutsche Rentner in Zukunft zumindest einen gewissen Mindest-Lebensstandard sichern kann.

Auch die Menschen scheinen sich der Herausforderungen, die vor ihnen liegen, durchaus bewusst zu sein. So gehen 77 % der deutschen Privatanleger davon aus, dass sie in Zukunft mehr Verantwortung für die Finanzierung ihrer Altersversorgung übernehmen müssen. Die Analysen des Global Retirement-Index deuten darauf hin, dass eine gemeinsame Verantwortung von Staat, Arbeitgebern und Arbeitnehmern für die Altersvorsorge der effektivste Weg ist, um einen besseren Zugang zu Altersvorsorgeprodukten zu bieten und das Streben nach einem gesicherten Ruhestand zu fördern.

Globale Trends

Politische Entscheidungsträger und Arbeitgeber können von vier grundlegenden Trends lernen, die die bestplatzierten Nationen charakterisieren.

1. Zugang: Eine immer älter werdende Arbeitnehmerschaft sowie eine gestiegene Lebenserwartung haben dazu geführt, dass das traditionelle Umlageverfahren bei der staatlichen Altersvorsorge in vielen Ländern der westlichen Welt mittlerweile nicht mehr tragfähig ist. Da der Einzelne deshalb zukünftig mehr Verantwortung für die Finanzierung seiner Altersvorsorge übernehmen muss, müssen die Gesetzgeber in den führenden Staaten sicherstellen, dass die Arbeitnehmer auch einen Zugang zu individuellen oder betrieblichen Altersvorsorgeprogrammen erhalten.

2. Anreize: Im Rahmen einer umsichtigen Politik werden für den Einzelnen immer mehr Anreize geschaffen, selbst für das Alter vorzusorgen, um so die langfristigen Probleme, die die Finanzierung der Renten mit sich bringt, zu verringern. Eine günstige steuerliche Behandlung von Altersvorsorgebeiträgen kann Arbeitnehmer dazu motivieren, mehr Geld für ihr Alter zurücklegen, sodass sie sich um ihre finanziellen Belange mit größerer Wahrscheinlichkeit selbst kümmern können.

3. Engagement: Eine automatische Aufnahme in die betriebliche Altersversorgung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Darüber hinaus könnte man im Zuge einer klugen Politik dafür Sorge tragen, dass sich die Arbeitnehmer in dem richtigen Mix von Investments engagieren und außerdem genug Informationen erhalten, um von der betrieblichen Altersvorsorge auch bestmöglich zu profitieren.

4. Volkswirtschaftliche Aspekte: Altersabsicherung geht über die Auswahl einzelner Sparvehikel hinaus. Vielmehr muss eine immer älter werdende Bevölkerung auch berücksichtigen, dass sie in Zukunft von einem festen Einkommen leben muss. Die Geldmarkt-, die Fiskal- und die Gesundheitspolitik spielen in diesem Zusammenhang für die finanzielle Unabhängigkeit von Rentnern allesamt eine entscheidende Rolle.