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28.05.2015

Deutsche wollen mehr Anreize zur Vorsorge

Wenn sich der Staat spendabler zeigt, wollen mehr Deutsche auch in eine private Altersvorsorge einzahlen, wie eine INSA-Umfrage herausfand. Die Versicherer warnen davor, zu spät mit dem Ansparen anzufangen.

GDV-Präsident Alexander Erdland

GDV-Präsident Alexander Erdland

Foto: GDV

Mit der gesetzlichen Rente allein sei der Lebensstandard im Alter nicht zu halten, davon sind die meisten Deutschen überzeugt. Das ergab eine kürzlich durchgeführte Umfrage im Auftrag der Gesellschaft Deutscher Versicherer (GDV). Dennoch sorgt nicht einmal die Hälfte privat vor, allerdings wünscht sich die Mehrheit für ihre private Altersvorsorge eine stärkere Unterstützung vom Staat. 56 Prozent würden mehr für das Alter sparen, wenn es zusätzliche Anreize gäbe. Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut INSA durchgeführt.„Das Thema Altersarmut beschäftigt die Menschen“, sagt INSA-Geschäftsführer Hermann Binkert. „Dass die gesetzliche Rente sicher sei, glaubt heute kaum noch jemand.“ So haben laut Umfrage 62 Prozent der Deutschen Angst davor, ihren Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. „Umso dringender werden Antworten gesucht, wie der Lebensstandard im Alter gesichert werden kann. Es gibt über alle Altersgruppen hinweg die Bereitschaft selbst vorzusorgen, aber auch die Erwartung an staatliches Handeln“, so Binkert.

"Ersparte Milliarden zurückgeben"

Obwohl inzwischen 84 Prozent der Deutschen überzeugt sind, dass Rentner in der Zukunft ihren Lebensstandard nur mit privater Vorsorge halten könnten, bauen bislang nur 48 Prozent ein zusätzliches Kapitalpolster auf. Besonders groß ist die „Sparlücke“ bei jüngeren Menschen. Von den 18- bis 24-Jährigen sorgt nur jeder Vierte privat vor. „Viele Menschen tun praktisch noch zu wenig – vor allem fangen sie zu spät an. Dabei ist der Faktor Zeit entscheidend, um durch eine möglichst lange Ansparphase die laufende Belastung zu verringern“, sagt GDV-Präsident Alexander Erdland. Er sieht den Staat in der Pflicht, den Menschen mit einer Förderung der privaten Altersvorsorge stärker unter die Arme zu greifen. „Wir müssen in Deutschland mehr tun, um die private Altersvorsorge der Bürger zu unterstützen. Dazu sollte die Bundesregierung zumindest einen Teil der Milliarden, die sie in den vergangenen Jahren durch niedrige Zinsen gespart hat, an die Bürger zurückgeben“, fordert Erdland. „Das ist auch eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft, in die soziale Sicherheit und das Wachstum von morgen.“

 

"Deutsche kennen den Zinseszins nicht"

 

In selbe Horn stößt der Bundesverband der Deutschen Ruhestandsplaner (BDRD). „Die Deutschen kennen offenbar den Zinseszinseffekt nicht. Wer früh anfängt, muss weniger sparen”, kommentiert BDRD-Präsident Peter Härtling und rechnet vor: „Wer sich im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand begeben möchte und zusätzlich zur gesetzlichen Rente monatlich 1000 Euro braucht, um den Lebensstandard zu halten, der benötigt bei einer angenommenen Inflation von 3 Prozent ein finanzielles Polster von rund 230.000 Euro. Ein heute 20-Jähriger müsste bei einer durchschnittlichen Rendite von konservativen fünf Prozent monatlich 105,22 Euro zurücklegen.“ Dank Zinseszinseffelt würden so nach 47 Jahren aus den nominal angesparten 59.334 Euro 230.000 Euro. Würde sich der Sparer aber erst im Alter von 30 Jahren um seine Altersvorsorge kümmern, müsste er monatlich schon 184,41 Euro zurücklegen.