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16.04.2015

Deutsche Privatanleger verlassen sich auf Emotionen

82% der Befragten gaben bei der „Individual Investor´s Survey 2015“ von Natixis an, sich bei Investment-Entscheidungen auf ihr Bauchgefühl zu verlassen. Allerdings halten ebenso viele die Finanzberatung für wichtig.

Foto: Sturm/pixelio

Was treibt Investoren an, wie zufrieden sind sie und welche Befürchtungen haben Sie? Diesen und weiteren Fragestellungen ist Natixis Global Asset Management im Rahmen seiner internationalen Studie „Individual Investor´s Survey 2015“ unter insgesamt 7.000 privaten Anlegern in 16 Ländern, darunter 500 in Deutschland, nachgegangen. Drei Viertel aller Privatanleger sind zuversichtlich, dass ihr Portfolio für die Herausforderungen der Märkte gerüstet ist. Europäische Investoren, und damit auch die deutschen, sind über alle Alters- und Anlageklassen hinweg optimistisch für die Performance ihrer Portfolios im Jahr 2015 und erwarten größtenteils eine noch bessere Performance ihrer Assets als im Vorjahr. Die Erwartungen an die langfristige Entwicklung ihrer Anlagen sind dabei hoch. Auf der Altersvorsorge liegt in diesem Zusammenhang für die meisten privaten Investoren der Hauptfokus (Deutschland: 55%; Global 67%). Hinzu kommt für viele Privatanleger die Sorge um künftige Kosten wie etwa für Gesundheit. Die deutschen Anleger gaben an, dass sie einen durchschnittlichen jährlichen Ertrag nach Inflation von 8% (9,7% global) benötigen, um ihren finanziellen Bedarf sicherstellen zu können.

Sicherheit gegenüber Performance bevorzugt

Trotz ihres positiven Ausblicks sorgen sich deutsche Anleger um die nachhaltige Ertragskraft ihrer Portfolios, die durch Volatilität und Risiken wie Marktschocks, verringertes Wirtschaftswachstum, eine europäische Rezession und Assetblasen beeinträchtigt werden könnte. Müssten sie zwischen Sicherheit und Performance wählen, würden sich 79% für Sicherheit entscheiden. Und obwohl die Märkte während der vergangenen drei Jahre attraktive Gewinne generiert haben, steigt die Sorge der Anleger um die Ertragskraft ihrer Portfolios. So erhöhte sich die Zahl derer, die einen Konflikt zwischen Renditezielen und Kapitalerhalt sehen, von 2013 bis 2015 von damals 67% auf heute 73% (global). Und in diesem Jahr stellen mit 84% bereits 4 % mehr als im Vorjahr Sicherheit über Performance (global).

Die Studienergebnisse zeigen das Missverhältnis von Anlagewunsch und Anlagewirklichkeit, meint Jörg Knaf, Executive Managing Director von Natixis Global Asset Management in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz: „Nach Jahren mit positiven Erträgen verwundert es nicht, dass der Optimismus der Anleger zunimmt. Trotzdem gibt es Herausforderungen. Mehr als die Hälfte der befragten Deutschen haben keine klaren Finanzziele und sogar 62% wissen nicht, wie sie diese erreichen sollen und 82% verlassen sich bei ihren Investmententscheidungen auf ihr Bauchgefühl. Sie sind damit weder inhaltlich noch emotional auf Marktrückschläge eingestellt. In Zusammenarbeit mit den Finanzberatern müssen wir daher Anlegern dabei helfen, individuelle Portfoliotypen zu konstruieren, einen Finanzplan zu gestalten und daran festhalten.“

82% halten Beratung für wichtig

Viele Anleger erkennen die Wichtigkeit professioneller Beratung bei der Gestaltung ihrer Portfolios und dem Umgang mit emotionalen Reaktionen auf Marktschwankungen: Dabei glaubt die große Mehrheit von 82% (inklusive jener, die keine Berater konsultieren), dass professionelle Finanzberatung wichtig ist, um adäquate Investmententscheidungen treffen zu können. 62% der deutschen Investoren sorgen sich um Marktschocks und fühlen sich machtlos, ihre Portfolios dagegen zu schützen, 57 % bemühen sich emotionale Investmententscheidungen zu vermeiden, wenn Marktschocks auftreten und 35% glauben, dass sie ihre Ziele besser erreichen können, wenn sie nicht emotional entscheiden. „Es ist Zeit für einen neuen Risikoansatz – einen Ansatz, der aktives Management mit liquiden Alternativen Investments kombiniert“, sagt Knaf. „Anlegern wird damit geholfen, eine reale Diversifizierung zu erreichen, Volatilität zu managen und eine bessere Auswahl bei der Asset Allokation treffen zu können. Gleichzeitig erzielen sie eine starke Performance.“

Risikoaverse Deutsche Anleger beschäftigen sich zum Zweck der Diversifikation und Risikomanagement zunehmend mit alternativen Anlageformen. Annähernd die Hälfte aller Privatinvestoren in Deutschland (45%) wäre dafür sogar bereit, ein höheres Risiko als im Vorjahr einzugehen. Während Aktien mit 34% bei den deutschen Privatinvestoren als aussichtsreichste Assetklasse angesehen werden, sind sie offen für alternative Assetklassen wie Immobilien, Währungen, Private Equity oder Rohstoffe. Deutlich mehr als die Hälfte (62%) glaubt daher, dass der traditionelle Mix aus Aktien und Anleihen nicht mehr ausreicht, um die besten Erträge zu erzielen. 45% investieren auch tatsächlich in alternative Anlagen. „Langsam aber sicher setzen sich deutsche Anleger mit alternativen Anlagen auseinander“, so Knaf. „Denn diejenigen, die sich mit dem Thema angefreundet haben, sind auch in Alternatives investiert. Seit unserer letzten Umfrage im Jahr 2014 gibt es 25 % mehr Anleger in Alternative Investments. Gab im Jahr 2014 nur ein Drittel aller Befragten in Deutschland an in diese investiert zu sein.“ Jetzt seien die Berater am Zug, denn drei Viertel (75%) der deutschen Privatinvestoren mit Berater sagen, sie würden alternative Anlagen in Betracht ziehen, wenn ihr Berater es empfehlen würde.