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11.04.2019

Deutsche Familienversicherung treibt Neugeschäft voran

Die Deutsche Familienversicherung (DFV) setzt nach gelungenem Börsengang auf weiteres Wachstum. Im Mittelpunkt stehen eine automatisierte Schaden-Leistungsbearbeitung, neue Kooperationen, die Lancierung einer Tierkrankenversicherung sowie eine deutliche Verstärkung der Vertriebsaktivitäten. Bis zum Jahresende sollen 100.000 Neuverträge abgeschlossen sein, formulierte CEO Stefan M. Knoll das Vertriebsziel auf der jüngsten Bilanz-Pressekonferenz in Frankfurt am Main.

Stefan M. Knoll, CEO Deutsche Familienversicherung

Stefan M. Knoll, CEO Deutsche Familienversicherung

Foto: DFV

"Wir sind das einzige Unternehmen, das den gesamten Abschlussprozess volldigital über Alexa ermöglicht", sagte Stefan M. Knoll sichtlich zufrieden. Anlässlich der Vorstellung der Jahresergebnisse demonstrierte der Gründer und CEO der DFV, wie Nutzer einen passenden Zahnschutz-Tarif via Sprachassistenten in wenigen Minuten unter Dach und Fach bringen. Bei der Realisierung sei die Abbildung der monatlichen Beitragszahlungen die größte Herausforderung gewesen. Gleichzeitig konnten die anwesenden Journalisten in Echtzeit verfolgen, wie sich die Zahl der Vertragsabschlüsse, Portal-Nutzer und bearbeiteten Schäden in der Folgezeit entwickelten. Digitale Kompetenz war eine der Kernbotschaften des nach eigenen Angaben führenden Insurtech-Unternehmen Europas.

Internetvertrieb sorgt für Rekordjahr

Laut DFV war 2018 ein Rekordjahr: Die Anzahl der Neuverträge stieg um 29 Prozent auf 55.263, das entsprechende Beitragsvolumen um 90 Prozent auf 17,6 Mio. Euro. Rund 70 bis 80 Prozent des Volumens gingen auf den Direktvertrieb via Internet zurück, wozu Alexa aber bislang nur in „homöopathischen Dosen“ beitrage. 15-20 Prozent erzielte man durch Kooperationen wie sie kürzlich im Bereich der Pflegezusatz-Versicherungen mit dem DAX-Unternehmen Henkel und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) eingegangen wurden. Das kleinste Standbein stellt das Maklergeschäft mit einem Anteil von fünf bis zehn Prozent dar.

Konzentration auf profitable Versicherungsbereiche

Den weiteren Ausführungen zufolge, haben sich die Beitragseinnahmen im vergangenen Geschäftsjahr um 3,8 Prozent auf 75,7 Mio. erhöht. Der gesamte Versicherungsbestand sei jedoch gegenüber dem Vorjahr um neun auf rund 455 Tausend Verträge zurückgegangen. Der Grund: Aus Risiko- und Ertragsaspekten habe man sich von rund 37 Tausend Verträgen der Bereiche Wohngebäude- und Technische Versicherungen (Elektronik) verabschiedet, sagte Finanzvorstand Michael Morgenstern. Abgesehen davon wuchs der Vertragsbestand im Kerngeschäft um rund sieben sowie die Bestandsbeiträge um fast zwanzig Prozent, hieß es.

Krankenzusatzpolicen sind Wachstumstreiber

Angesichts des starken Neukundengeschäfts kletterten damit insgesamt die gebuchten Bruttobeiträge, bereinigt um die Portfoliooptimierung, um gut zehn Prozent auf 68,5 Mio. Euro. Maßgeblicher Treiber waren Vertragsabschlüsse im Bereich Krankenzusatzversicherungen. Gemessen an der Anzahl der neuen Verträge, lag das Wachstum bei 41, auf Basis des Beitragsvolumens bei 104 Prozent. Entsprechend sei auch der Bestand in diesem Produktsegment deutlich um zehn (Vertragszahl) bzw. 24 Prozent (Beitragsvolumen) gestiegen.

Trotz Vertriebserfolg Nettoverlust in Millionenhöhe

Die Kehrseite des Vertriebserfolgs findet sich in einem Nettoverlust von 3,3 Mio. Euro. Der Vorstandsvorsitzende begründete dies mit Aufwendungen für den Börsengang im Dezember, zusätzlichen Vertriebs- und Personalkosten sowie Abschreibungen auf Kapitalanlagen infolge der globalen Einbrüche an den Börsen. In diesem Jahr rechnet die DFV mit einem Verlust vor Steuern zwischen neun und elf Millionen Euro. Neben erhöhten Vertriebskosten, die sich auf rund 30 Mio. Euro verdoppeln sollen, verwies Knoll insbesondere auf den noch zu geringen Kundenbestand, sodass das Wachstum quasi noch vorfinanziert werden müsse. Dies soll sich zukünftig sukzessive ändern. Mit einer Rückkehr in die Gewinnzone rechnet das Unternehmen jedoch erst im Jahr 2021.

Digitalisierung wird weiter vorangetrieben

Durch den gelungenen Börsengang sieht man sich finanziell gut für die anstehenden Aktivitäten gewappnet, wenngleich die Kasse mit knapp 50 Millionen Euro weniger prall gefüllt ist als zunächst erwartet wurde. Vorangetrieben werden soll erwartungsgemäß die Digitalisierung, konkret die weitere Automatisierung der Schaden-/Leistungsbearbeitung sowie die Entwicklung eines vollständig digitalisierten und integrierten Systems der Gesamtbestandsführung. Das cloudbasierte IT-System soll dann auch an andere Versicherer und Partner lizenziert werden können.

Ab Mai Vertriebsstart für neue Tierkrankenversicherung

Produktseitig liegt neben den bereits erwähnten Kooperationen die Einführung einer neuen Tierkrankenversicherung im Fokus. Ab Mai 2019 soll die Vermarktung unter der Federführung von ProSiebenSat.1 Digital starten, mit der bereits seit Mitte April 2018 die Marke MAXCARE beworben wird. Zudem werden gerade die bestehenden Sachversicherungen erneuert und digitalisiert, um diesen Bereich „deutlich auszubauen“. Unverändert gelten Krankenzusatzversicherungen, allen voran der Zahnschutz, sowie Pflegezusatzversicherungen als Marktsegmente mit hohem Potenzial.

DFV will zu den fünf größten deutschen Krankenversicherern aufschließen

 

Das Vertriebsziel ist klar abgesteckt: 100.000 neue Verträge in 2019. „Mit Erreichen dieses Ziels schließt die Deutsche Familienversicherung in der Krankenversicherung auf die fünf größten deutschen Versicherungsgesellschaften im Neugeschäft auf“, betonte der CEO der DFV. Per Ende März dieses Jahres habe man bereits 30 Prozent der anvisierten Stückzahl erreicht.