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25.05.2016

Deutsche Anleger bevorzugen Indexfonds

Laut der jährlichen Anleger-Umfrage von Natixis schätzt die überwiegende Mehrheit die geringen Kosten und das geringere Risiko durch Diversifikation bei passiven Investments. Nur ein Drittel verfügt über einen Finanzplan um ihre Ziele zu erreichen.

Was beschäftigt die Anleger, wie zufrieden sind sie, und welche Befürchtungen haben sie? Diesen und anderen Fragen geht Natixis Global Asset Management in seiner weltweiten Umfrage unter Privatanlegern für das Jahr 2016 nach. Im Zuge dieser Studie wurden insgesamt 7.000 Privatinvestoren aus 21 Ländern befragt, die über 200.000 US-Dollar veranlagen, davon 400 aus Deutschland. Über die Hälfte der befragten Investoren aus Deutschland (61%) betrachten demnach Indexfonds und börsengehandelte Fonds (ETFs) als kostengünstigere Anlagevehikel. Darüber hinaus sind zudem rund 70% der Meinung, dass diese Investments auch weniger riskant sind als andere Anlageklassen. Diese und andere Ergebnisse der Umfrage belegen, dass die Erwartungen vieler Investoren auf einem lediglich begrenzten Verständnis dafür beruhen, wie Indexfonds und ETFs tatsächlich funktionieren. Mehr als die Hälfte der deutschen Privatanleger (58%) vertritt die Auffassung, dass sich durch den Einsatz von Indexfonds und ETFs Verluste begrenzen lassen. Nach Einschätzung von 58% der Befragten aus Deutschland bieten Indexfonds ein relativ hohes Diversifikationspotenzial und über die Hälfte der deutschen Investoren (60%) ist der Meinung, dass Indexfonds uneingeschränkten Zugang zu den wirklich besten Anlagechancen am Markt bieten.

Falsche Erwartungen

Vor Kursverlusten wie im im 1. Quartal 2016 haben die Indexfonds freilich keinen Schutz geboten. „Mit einem ETF wäre man beim Rauf und Runter voll dabei gewesen – wobei das ‚Auf‘ bisher noch auf sich warten lässt. Zuletzt haben deutsche Anleger, die fälschlicherweise davon ausgegangen waren, vor solch heftigen Verlusten geschützt zu sein, eher wenig Trost in Indexfonds gefunden“, sagt Jörg Knaf, Executive Managing Director von Natixis Global Asset Management für Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Aus diesem Grund ist es unerlässlich, die Risiken seines Portfolios zu kennen und auch zu verstehen. Vielen Anlegern, die in Indexfonds investieren, nur weil sie ‚billiger‘ sind, ist womöglich gar nicht klar, worum es beim Investieren geht: nämlich darum, Alpha zu generieren und auf lange Sicht hohe risikobereinigte Erträge zu erzielen. Bei kurzfristigen Kursanstiegen mag ein Indexfonds vielleicht eine gute Wahl sein, für sinkende Märkte gilt das aber nicht.“ Nur wirklich aktive Strategien würden dabei helfen, von Marktturbulenzen zu profitieren und stabile Erträge zu erwirtschaften

Für die Mehrheit hat Sicherheit oberste Priorität

Darüber hinaus geht aus der Studie hervor, dass deutsche Privatanleger keine höheren Risiken eingehen möchten. Die meisten Befragten (75%) geben der Sicherheit ihres Kapitals Vorrang vor den Investmenterträgen. Diese Auffassung teilen auch 79% der weltweit befragten Investoren. Außerdem bezeichnen 74% der Anleger aus Deutschland ihr Anlageverhalten als defensiv gegenüber 26%, die sich als aggressiv einschätzen. In deutlichem Widerspruch dazu stehen jedoch die Ertragserwartungen. So hält die Mehrheit der deutschen Privatanleger (66%) einen durchschnittlichen Jahresertrag von 10% für langfristig realistisch (im Vergleich dazu streben 64% der Umfrageteilnehmer weltweit einen Ertrag von 9,5% an). Im Gegensatz dazu findet es jedoch mehr als die Hälfte der deutschen Investoren (55%) schwierig, bei Marktschwankungen nicht emotional zu reagieren (gegenüber 56% weltweit). Gleichzeitig fühlen sich 67% (weltweit sind es 66%) machtlos, wenn es um den Schutz ihrer Portfolios gegen Marktschocks geht.

Was die Finanzplanung der Investoren betrifft, so offenbart die Studie außerdem eine große Kluft zwischen den Anlagezielen und den konkreten Investitionsaktivitäten der Anleger. Obwohl etwas mehr als die Hälfte der deutschen Investoren (56%) Anlageziele anstrebt (im Vergleich zu 49% weltweit), verfügt nur eine Minderheit der Befragten (33%) auch über einen konkreten Finanzplan, um diese Ziele zu erreichen (weltweit: 37%). „Diese Diskrepanzen zeigen deutlich, dass seitens deutscher Anleger nach wie vor Bedarf an investmentspezifischen Informationen und Orientierungshilfen besteht, um umsichtigere und fundiertere Anlageentscheidungen treffen zu können“, interpretiert Jörg Knaf.

Der Wunsch nach individueller Finanzberatung

Die meisten befragten Investoren aus Deutschland (59%) sind davon überzeugt, dass sie ihre Anlageziele, einschließlich ihrer Altersvorsorge, nur mit Hilfe eines professionellen Finanzberaters erreichen können (weltweit sind es 62%). Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer wünscht sich auch ein persönliches Treffen mit ihren Beratern, um ihre eigene Finanzexpertise dadurch noch auszubauen (42%) und Produktangebote zu erhalten, die auch zu ihren persönlichen Auffassungen passen. So würden beispielsweise viele Investoren von ihren Finanzberatern gerne mehr Informationen zu sozial verantwortungsbewussten Investments erhalten. Lediglich 42% der deutschen Anleger geben an, mit ihren Beratern bereits über nachhaltige Investments gesprochen zu haben (weltweit: 51%).

Mehr denn je scheint die Rolle des Finanzberaters von entscheidender Bedeutung zu sein, damit Anleger wirklich fundierte Anlageentscheidungen treffen können. Neben der Portfolioperformance finden die Investoren bei einer persönlichen Finanzberatung folgende Kriterien besonders wichtig: Gut informiert zu werden, so dass man in der Lage ist, auch eigene Anlageentscheidungen zu treffen (43%), Klärung von Anlagezielen und die Festlegung eines Finanzplans (42%) und persönliche Beratung in volatilen Marktphasen (40%).

Privatanleger sind offen für neue Investmentstrategien

Angesichts komplexer und volatiler Märkte halten die meisten deutschen Investoren (68%) eine traditionelle Asset Allokation von 60% Aktien und 40% Anleihen mittlerweile für überholt. Die Mehrheit der Befragten (72%) hält deshalb nach neuen Anlagestrategien Ausschau, die eine geringere Korrelation zum breiten Markt aufweisen und gleichzeitig bessere risikobereinigte Anlagechancen bieten (weltweit: 77%). Darüber hinaus setzen fast drei Viertel der Anleger (74%) bevorzugt auf Strategien, die ihnen dabei helfen, ihre Portfolios noch breiter zu diversifizieren und vor Marktschocks zu schützen (weltweit: 75%).

Den Umfrageergebnissen zufolge ist praktisch die Hälfte der deutschen Privatanleger (48%) bis dato nicht in alternativen Investments engagiert. Allerdings geben über 53% der Befragten an, mit ihrem Finanzberater bereits über diese Anlageformen gesprochen zu haben. Dieser Anteil ist im Vergleich zur Vorjahresumfrage (damals 46%) angestiegen. Nichtsdestotrotz geben 34% der deutschen Investoren an, immer noch nicht genug über alternative Anlageformen zu wissen. „Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass Anleger mehr Know-how benötigen, um bessere Investmententscheidungen zu treffen“, schließt Knaf daraus.