Meldungen | Marktkommentar
08.06.2011

Der Dollar im Schatten hoher Staatsschulden

Nach dem negativen Ausblick von S&P folgt Warnung von Moody's. Sein Ruf als "sicherer Hafen" dürfte dem Dollar jedoch auch diesmal helfen, meint Ursina Kubli, Ökonomin bei der Bank Sarasin. 

Ursina Kubli,  Bank Sarasin

Ursina Kubli, Bank Sarasin

Der Abwärtstrend des Dollars setzt sich ungehindert fort. Für große Verunsicherung an den Devisenmärkten sorgte die Ratingagentur Standard & Poors (S&P) Mitte April, als sie den Ausblick für die Bewertung der Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten mit ihrer Bestnote AAA auf negativ" gesenkt hatte. Auch die Ratingagentur Moody's drohte vergangene Woche mit einer Überprüfung der Bonität US-amerikanischer Staatsschulden.
Damit wird der Druck auf Washington steigen, sich der Schuldenfrage zu stellen. Wie rasch einschneidende Konsolidierungsmaßnahmen eingeleitet werden können, zeigt das Beispiel Großbritannien. Vor zwei Jahren hatte S&P den Ausblick für das Vereinigte Königreich auf negativ gesetzt. Nachdem ein rigides Sparprogramm aufgelegt wurde, korrigierte S&P den Ausblick im Oktober 2010 wieder auf stabil. Das britische Beispiel zeigt jedoch, dass eine restriktivere Fiskalpolitik häufig mit einer lockeren Geldpolitik einhergeht. Dieser Politikmix ist tendenziell negativ für eine Währung, da das Wachstum gedämpft wird und festverzinsliche Anleihen aufgrund tieferer Zinsen weniger attraktiv sind. In der Realität muss dies jedoch nicht zwingend kommen: Gegenüber dem Franken hat sich das Pfund in den vergangenen zwei Jahren zwar stark abgeschwächt. Im Vergleich zu Dollar und Euro ist die britische Valuta jedoch gestiegen, so dass der handelsgewichtete Außenwert des Pfundes unverändert blieb. Auch in den USA stimmen beide großen politischen Lager überein, das Staatsdefizit zu senken. Das politische Risiko ist jedoch im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen sehr hoch. Was geschieht mit dem Dollar, wenn es zu keiner vernünftigen Lösung kommt und die USA ihr AAA-Rating verlieren? In der Geschichte lassen sich mehrere Beispiele finden, in denen Länder ihre Bestnote verloren haben. Da Devisen diese Herabstufungen der Kreditwürdigkeit bereits vorher antizipieren, hat die Bank Sarasin jeweils die Währungsentwicklungen zwei Jahre vor dem AAA-Verlust analysiert. Im Durchschnitt haben die Währungen vor dem Entzug der Bestnote rund 16 Prozent abgewertet. Besonders ausgeprägt waren die Währungsverluste in Neuseeland und Australien in den 80er Jahren mit einem Minus von 36% beziehungsweise 27%.
Diese Beispiele lassen sich jedoch kaum auf die USA übertragen. Im Gegensatz zum Dollar, welcher negativ mit der Kursentwicklung an den Aktienmärkten korreliert, sind die Antipodenwährungen äußerst zyklische Währungen. Ein besserer Vergleich wäre womöglich mit Japan, da auch der japanische Yen die Funktion eines sicheren Hafens wahrnimmt. Der Yen hat sich allerdings über die gesamten zwei Jahre vor dem AAA-Verlust im Jahr 2001 kaum verändert. Da ein Ratingverlust der USA die Aktienmärkte erheblich erschüttern dürfte, könnte die Sonderfunktion des Dollar als sicherer Hafen die anfallenden Währungsverluste ebenfalls abfedern. Allerdings zeigen die Berechnungen, dass der Yen durchaus kräftigen Währungsschwankungen unterlag. Erhebliche Währungsschwankungen dürften damit auch dem Dollar blühen.
Risiken für die zukünftige Entwicklung des Dollars sind demzufolge sowohl mit als auch ohne AAA-Verlust tendenziell gegeben. Ein Kollaps scheint jedoch in beiden Szenarien übertrieben. Der EUR-USD-Wechselkurs dürfte folglich im nächsten Jahr leicht steigen.