Meldungen | Marktkommentar
13.10.2011

„Das Risiko so gering wie möglich halten“

Drei Experten, Cornelia Hupe, Vertriebsspezialistin bei apano, Boris Fahle, Gründungsmitglied von Consilium sowie Jens Rautenberg, Geschäftsführer von Conversio, teilen ihre Einschätzung der Märkte sowie aktuelle Strategien mit.

Cornelia Hupe, apano

Cornelia Hupe, apano

FONDS exklusiv: Herr Fahle, ist die Stimmung an den Kapitalmärkten wirklich so düster wie es beinahe täglich alle Medien verbreiten?

 

Boris Fahle: In der Tat hat sich in den letzten Monaten die Stimmung an den Finanzmärkten deutlich eingetrübt. Die Schuldenkrise im Euroraum hat einen dramatischen Höhepunkt erreicht und gleichzeitig das Vertrauen in den Euro beschädigt. Griechenland steht kurz vor der Staatspleite und in einigen Ländern wurden vereinzelt Banken herabgestuft.
Für Hoffnung sorgt hier allerdings die anstehende umfassende Rekapitalisierung der Banken, die dauerhafte Lösung soll auf dem G20-Gipfel in Cannes Anfang November präsentiert werden.
Außerhalb Europas ist die Stimmung ebenfalls derzeit gedrückt: Die Staatsverschuldung der USA liegt bei knapp 100% des BIP. Zudem ist der Verfall der US-Immobilienpreise noch nicht gestoppt. Der US-Binnenkonsum stagniert außerdem auf relativ niedrigem Niveau. Hinzu kommen hohe Arbeitslosenzahlen. Die Risiken einer Rezession sind deutlich gestiegen. 
China befindet sich zurzeit in einem normalen zyklischen Abschwung. Die Wirtschaft zeigt sich allerdings erstaunlich widerstandsfähig, der befürchtete Konjunktureinbruch bleibt bisher aus und das Rezessionsrisiko würden wir eher als gering einstufen.
Die Rohstoffpreise haben seit dem Ausbruch der Staatsschuldenkrise in Europa wieder nachgegeben. Aus meiner Sicht liegen in jeder Krise  auch Chancen. Viele negative Nachrichten sehen wir mittlerweile in den Kursen eingepreist.

 

FONDS exklusiv: Ist eine Beruhigung der Märkte in Sicht?

 

Cornelia Hupe: Für die genannten Probleme sind noch keine richtigen Lösungen gefunden worden. Die Börsen sind nach wie vor stark überhitzt. Schauen Sie sich nur einmal die Entwicklung des Dax in den vergangenen zwei Monaten an. Er stürzte zeitweise unter 5000 Punkte. Auch Weltaktien haben deutlich Gewinne hergeben müssen. Beinahe täglich werden zudem neue Krisenszenarien heraufbeschwören.
Insgesamt rechne ich in diesem Herbst noch nicht mit einer Erholung. Es ist daher gut nachvollziehbar, dass die Prämisse vieler Anleger derzeit lautet, das Risiko so gering wie möglich zu halten.

 

FONDS exklusiv: Wie kann das aussehen?

 

Boris Fahle: Den Schlüssel zum Schutz des Anlegervermögens liegt in der Diversifikation. Durch die Aufteilung des Kapitals auf verschiedene Investments und Anlageklassen können Anleger das Risiko im Portfolio deutlich reduzieren. Dabei  kommt es allerdings darauf an, das Risiko richtig zu streuen und nicht alles in einen Korb zu legen, wie es seinerzeit Harry Markowitz treffend formuliert hat.
Kerninvestments der traditionellen Anlagen sind selbstverständlich aktiv gemanagte Renten- und Aktieninvestments. Gerade durch ein anhaltendes niedriges Zinsniveau sehen wir erfolgreiche Rentenfondsmanager für die nächste Zeit mit guten Perspektiven. Auf der Aktienseite favorisieren wir eine globale breite Streuung, selbstverständlich auch unter Berücksichtigung der asiatischen Märkte und der Emerging Markets.
Aus meiner Sicht gehören neben traditionellen Anlagen aber auch alternative Investments mit ins Portfolio, wie beispielsweise Managed Futures oder auch Sachwerte wie zum Beispiel die Immobilie.

 

FONDS exklusiv: 
Herr Rautenberg, Sie sind auf Immobilien-Investments spezialisiert. Können Immobilien im derzeitigen Umfeld ein sinnvoller Schutz sein? 



Jens Rautenberg: Selbstverständlich können Immobilien im derzeitigen Umfeld ein sinnvoller Schutz sein. Diese Aussage gilt allerdings nur dann, wenn einige grundsätzliche Regeln nicht verletzt werden. Es gibt keine Immobilie, die per se nur positive Aspekte hat.
Es bedarf vor jedem Kauf schon einer umfänglichen kaufmännischen und technischen Prüfung. Hierbei müssen Fragen beantwortet werden wie: handelt es sich unter demographischen Gesichtspunkten um einen geeigneten Standort? Ist das Verhältnis Mietertrag zu Kaufpreis angemessen? Sind die Vertragspartner geprüft? Sind alle Unterlagen vollständig und rechtlich einwandfrei? Erst nach Abarbeitung dieser und weiterer Fragestellungen lässt sich Ihre Eingangsfrage mit einer vernünftigen Sicherheit beantworten.

 

FONDS exklusiv: Frau Hupe, was spricht für Managed Futures als Absicherungsinstrument im Portfolio?

 

Cornelia Hupe: Managed Futures sind darauf ausgerichtet eine positive Wertentwicklung zu erzielen, die unabhängig vom allgemeinen Marktgeschehen ist. Sie können mit Long-Positionen von Kursanstiegen genauso profitieren wie mit Short-Positionen von Kursrückgängen. Die Handelsentscheidungen werden dabei heutzutage vor allem von vollautomatischen Computerhandelssystemen getroffen.
Diese so genannten Trendfolgesysteme analysieren und werten anhand von objektiven Regeln Preisbewegungen aus. Dabei generieren sie – ganz frei von Emotionen – selbstständig Kauf- sowie Verkaufssignale. Da Managed Futures in der Regel eine niedrige Korrelation zu traditionellen Anlageformen aufweisen, können sie in Zeiten steigender Volatilitäten und Krisen an den Finanzmärkten ein traditionelles Anleger-Portfolio stabilisieren. Eine Voraussetzung für den Erfolg von Managed Futures ist allerdings, dass  klare Trends an den Märkten vorherrschen.

 

FONDS exklusiv: Welchen Vorteil bringt es mit sich, dass bei Trendfolgern die Emotionen ausgeklammert sind?

 

Cornelia Hupe: Wir Menschen lassen uns nicht nur in unserem alltäglichen Leben von Emotionen leiten. Vielmehr bestimmen Hoffnung, Euphorie, Gier oder Angst auch an der Börse das Verhalten der Marktteilnehmer. Hinzu kommt, dass wir uns bei unseren Anlageentscheidungen an anderen Menschen orientieren und uns von deren Verhalten stark beeinflussen lassen. Das führt oftmals zu Fehleinschätzungen, die zuweilen sehr teuer sein können. Erinnern Sie sich nur einmal an den Neuen Markt. Jeder kaufte Werte, weil alles es taten – bis die Blase platzte. Jeder Anleger, der zum Höchstkurs gekauft hatten, verlor fast 90%. Bei computerbasierten Trendfolgern sind Risikofaktoren wie die eigenen Emotionen und der Herdentrieb ausgeklammert. Hier zählt ausschließlich Logik, Rationalität und Mathematik.

 

Die Interviewpartner:

 


Boris Fahle ist Gründungsmitglied der Consilium Finanzmanagement AG und leitet die Dortmunder Geschäftsstelle. Der Bankkaufmann und Financial Planner (HfB) ist seit mehr als 15 Jahren in der Anlageberatung tätig und ist darüber hinaus Dozent für Investment bei der Deutschen Maklerakademie (DMA).


 

Cornelia Hupe ist Vertriebsspezialistin bei apano. Sie ist bereits seit 10 Jahren für das Unternehmen tätig. Nach ihrer Ausbildung bei der Volksbank war sie mehrere Jahre in der Privatkundenberatung bei der Commerzbank beschäftigt. Sie verfügt über eine Spezialausbildung an der European Business School. In dem Blog www.apano-bloggt.de äußert sie sich zu finanzrelevanten Themen.


Jens Rautenberg ist Inhaber und Geschäftsführer von Conversio. Er ist seit 2000 spezialisiert auf Immobilien als Investment und berät mit seinem Unternehmen bundesweit mehr als 2000 Vermögensberater und Immobilienmakler.