Meldungen | Aktien, Exchange Traded Funds
28.06.2017

Das Geschäft mit der Cyber Security

Mit jeder globalen Cyberattacke steigen die Kurse der Unternehmen, die sich auf Sicherheitstechnologien spezialisiert haben. Über einen ETF können auch Anleger mitverdienen.

von Thomas MĂźller

Petya hat wieder in der Ukraine und in Russland zugeschlagen. Petya ist aber kein Terrorist und er ist nicht einmal ein Mensch. Petya ist eine Schadsoftware, die bereits 2016 ihr Unwesen getrieben hat. Glücklich können sich Unternehmen schätzen, die bisher noch nicht von einer solchen Cyberattacke betroffen waren oder tatsächlichen Schaden dadurch erlitten haben. Früher fiel vor allem der gezielte Diebstahl sensibler Daten durch Hacker unter diese relative neue Form der Kriminalität. Mittlerweile kommt eine globale Dimension dazu. Erst im Mai dieses Jahres machte der Virus „Wannacry“ weltweit Schlagzeilen und zeigte die Verwundbarkeit großer Netzwerke auf. Bei Petya und Wannacry handelte es sich um so genannte Ransomware, eine Erpressungssoftware. Die befallenen Daten werden verschlüsselt und nur gegen Lösegeld wieder freigegeben. Prominent wurde auch der Identitätsdiebstahl beim österreichischen Flugzeugzulieferer FACC im Vorjahr, bei dem sich Kriminelle von China aus als CEO ausgaben und Überweisungen in Millionenhöhe veranlassten. Der als „CEO Fraud“ oder auch „Fake President Fraud“ bekannte Trick wurde erst entdeckt, als der Schaden schon angerichtet war.

Umsatz und Image gefährdet

„Die Motivation der Täter reicht von finanziellem Gewinn, Rache, dem Wunsch nach Anerkennung und Macht, Loyalität gegenüber anderen in einer Organisation bis zu politischer Überzeugung“, weiß Thiemo Storz, zuständig für den institutionellen Vertrieb im deutschsprachigem Raum beim Indexfonds-Anbieter ETF Securities. „Seit 2009 ist die Zahl der weltweit gemeldeten Cyber-Attacken jedes Jahr um rund 60 Prozent gestiegen.“ In absoluten Zahlen heißt das 3,4 Millionen Angriffe 2009 und fast 60 Millionen 2016. „Unternehmen die erfolgreich angegriffen werden, erleiden Umsatzverluste und obendrein noch einen Imageschaden. Große Unternehmen geben daher rund 16 Millionen Euro im Jahr für Sicherheit aus und das unabhängig von der wirtschaftlichen Lage“, sagt Storz. Von diesem Trend profitiert eine Reihe von börsennotierten Unternehmen, die Sicherheitstechnologien anbieten. Bei  ETF Securities hat man das bereits erkannt und 2015 einen ETF zum Thema Cyber Security aufgelegt. Er bildet den „ISE Cyber Security UCITS Index“ von Nasdaq nach.

Wachsendes Spielfeld

Für gute Wachstumsaussichten der Cyber-Security-Anbieter sprechen verschiedene Faktoren. Es gibt weltweit immer mehr Einsatzgebiete für die Technologie, die Abhängigkeit von elektronischer Infrastruktur und Geräten zur Verarbeitung von Daten dürfte auch in Zukunft weiter zunehmen. 2015 waren 16,3 Milliarden Geräte auf der ganzen Welt mit eine IP-Adresse im Internet. 2020 werden es laut der Prognose von McAfee Labs 24,4 Milliarden sein. Die Kunden kommen aus allen öffentlichen und kommerziellen Bereichen. Regierungen, Unternehmen und letztlich auch der einfache User am Smartphone können sich zu große Sorglosigkeit nicht mehr leisten. „Wir haben festgestellt, dass die Aktienkurse der Anbieter sehr ereignisgesteuert sind. Negative Schlagzeilen über Angriffe auf hochkarätige Ziele haben eine unmittelbare Wirkung“, erklärt Storz. So haben die meisten Unternehmen im EFT binnen weniger Tage nach „Wannacry“ zwischen 2 und 10 Prozent Performance gemacht. Dabei müssen Anleger aber auch in Kauf nehmen, dass es sich in der Regel um junge Unternehmen mit kurzem Track Record handelt. Die Handelsliquidität der Titel ist limitiert nachdem es sich bei den meisten Unternehmen im Index um Small- und Mid-Caps handelt. 68 Prozent des Index machen Technologie-Unternehmen aus den USA aus. Wer vor einem Jahr eingestiegen ist, konnte sich über 31,5 Prozent Performance freuen. Mit Volatilität muss aber jederzeit gerechnet werden.