Meldungen | Marktkommentar
15.08.2013

Das Dollar-Mysterium

Am Euro kann es nicht liegen, dass der Dollar relativ schwach ist. Die starke US-Wirtschaft und die geplante geldpolitische Wende sprechen für einen stärkeren Greenback. Wenn sich Devisenmarktentwicklungen von den Fundamentalfaktoren lösen, ist Vorsicht geboten, so Martin Hüfner, Chefvolkswirt von Assenagon. 

Martin Hüfner

Martin Hüfner

Foto: Assenagon Asset Management S.A

Da stimmt etwas nicht. Alle reden davon, dass sich der Dollar auf den Devisenmärkten aufwerten muss. Viele haben ein Kursziel von 1,25 Dollar je Euro im Auge. Tat­sächlich ist die US-Währung an den Märkten aber eher schwach. Sie hat sich gegenüber dem Euro in den letz­ten sechs Wochen sogar noch einmal um 3 % abgewer­tet. Auch gegenüber dem Britischen Pfund, dem japani­schen Yen oder dem Australischen Dollar hat die ameri­kanische Währung an Wert verloren. Müssen wir die Prognosen revidieren?

 

Zunächst eine Warnung: Kurzfristige Bewegung am De­visenmarkt sollte man nicht überbewerten, insbesondere nicht in der Ferienzeit, in der die Umsätze relativ gering sind. Die Grafik zeigt, dass sich trotz der jüngsten Ab­wertung des Dollar an dem langfristigen Bild nichts ge­ändert hat. Seit dem Beginn der großen Finanzkrise 2008 befindet sich der Euro unter starken Schwankun­gen in einer leichten Abwärtsbewegung.

 

 

Was aber irritiert ist, dass die ökonomischen Argumente überwiegend für einen stärkeren Dollar sprechen. Das Wirtschaftswachstum ist in den USA höher als in der Mehrzahl der anderen Industrieländer. Es dürfte sich 2013 auf knapp 2 % belaufen, im nächsten Jahr sogar auf 2,5 %. Europa: 2013 minus 0,6 %, 2014 plus 0,9 %. Unter solchen Bedingungen müssten die Kapitalbewe­gungen eher in Richtung USA gehen.

 

Die Zinsen haben in den USA seit der Ankündigung des Tapering, das heißt des Endes der Wertpapierkäufe der amerikanischen Notenbank auf den Kapitalmärkten, am langen Ende um mehr als einen Prozentpunkt angezo­gen. Die europäischen Sätze sind, gemessen an der Rendite 10-jähriger Bundesanleihen, zwar auch nach oben gegangen, aber wesentlich weniger (nur etwas mehr als einen halben Prozentpunkt). Die höhere Zins­differenz wird bleiben, auch wenn sich das Tapering marktschonend vollziehen wird. Auch das spricht für den Dollar.

 

Interessant ist allerdings, dass die kurzfristigen Zinsen in den USA nach wie vor deutlich unter denen in Europa liegen. Daran wird sich auch in den kommenden zwölf Monaten nichts ändern. Normalerweise sind es diese Sätze, die die Wechselkurse am stärksten beeinflussen. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs hat sich aus diesem Grund von den Dollarprognosen ihrer Konkurrenten abgesetzt und rechnet mit einem Kurs der amerikanischen Währung von 1,40 Dollar je Euro in ei­nem Jahr.

 

Stützend für den Dollar müsste sich auswirken, dass sich die amerikanischen Aktienmärkte besser als viele andere in der Welt entwickeln. Seit Jahresanfang ist der Dow Jones Industrial um 18 % gestiegen, der EURO STOXX dagegen nur um 7 %. Auch dies ist ein Indiz, dass Geld in die USA fließt, nicht nach Europa.

 

Weitere Pluspunkte für den Dollar: Die Amerikaner ma­chen außerordentliche Fortschritte bei der Reduzierung der öffentlichen Defizite. Sie sind jetzt nicht mehr viel schlechter als die Europäer, die so große Anstrengun­gen beim Sparen machen. Die Inflation ist in den USA trotz des ordentlichen Wachstums nicht höher als in Europa (derzeit 1,8 %). Nicht zu vergessen auch der Ausbau des Fracking bei der Öl- und Gasförderung. Es gibt Prognosen, dass dies die Amerikaner unabhängig von Öl- und Gasimporten machen könnte.