Meldungen | Emerging Markets, Marktausblick
29.11.2012

China: Kommt mit dem politischen Machtwechsel ein neuer wirtschaftlicher Kurs?

Wenn es zu keinen Veränderungen kommt, kommt das Wachstumsmodell Chinas bald an seine Grenzen, schreibt Pierre Ciret, Ökonom bei Edmund de Rothschild Asset Management in seinem aktuellen Marktausblick.

Nachdem China 2010 den Rang der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt einnahm, hat das Land nun einen langsamen Strukturwandel eingeleitet. In den letzten Monaten scheint sich dieser Prozess konjunkturbedingt wesentlich verlangsamt zu haben. Ohne diese Reformen wird es das Land jedoch schwer haben, sein hohes Wachstumstempo halten zu können. Wird der politische Machtwechsel, der offi ziell mit dem 18. Nationalkongress der Kommunistischen Partei im November begonnen hat, den nötigen Wendepunkt markieren?

Seit der Zeit zwischen 2007 und 2009 haben die chinesischen Behörden in der Folge der Finanzkrise mit Nachdruck daran gearbeitet, die Konjunktur anzukurbeln, indem sie Maßnahmen ergriffen, um den Druck auf die Einzelhandelspreise zu mindern und schließlich die Spekulationen auf dem Immobilienmarkt, die ihrerseits durch die riesigen im Jahr 2008 herausgegebenen Kreditmengen genährt wurde, zu bremsen. Die jüngste Zeit war für die Regierung des Landes, die sich jetzt auf die Wiederherstellung des Gleichgewichts der chinesischen Wirtschaft konzentrieren sollte, überhaupt nicht einfach: Die Investitionen sind überrepräsentiert (46% der wirtschaftlichen Aktivität) wohingegen die Konsumausgaben unterrepräsentiert sind. Unter Einbeziehung der Wohnkosten machen die Ausgaben der privaten Haushalte nur 50% des Bruttoinlandsprodukts aus; ohne Wohnkosten beträgt diese Zahl nur knapp 40%. Unter diesen Bedingungen wird das chinesische Wirtschaftsmodell bald an seine Grenzen stoßen. Die nächste Phase im Wachstum des Landes wird wohl einer anderen Dynamik bedürfen, insbesondere einer stärkeren Konzentration auf den Konsum. Es wird noch Infrastrukturbedarf geben, der befriedigt werden muss, wiewohl riesige Investitionsanstrengungen bereits unternommen wurden. Das Wachstumstempo in diesem Bereich wird sich im Laufe des Entwicklungsprozesses – genau wie in allen anderen Ländern – jedoch verlangsamen. Im Hinblick auf ökonomische Überlegungen ist als weiterer Faktor zu bedenken, dass die Fortsetzung des Investitionswachstums mit diesem Tempo die Landesressourcen vergeudet.

Die Ernennung Xi Jinpings zum Generalsekretär der KPCh und zum Staatspräsidenten sowie Li Keqiangs zum Premierminister kennzeichnet den Beginn einer Zeit der Unsicherheit für die Regierung. Da beide Männer jedoch Stellvertreter ihrer Vorgänger waren, dürfte die Kontinuität zumindest fürs Erste überwiegen. Langfristig könnte dieser Machtwechsel aber eine Gelegenheit darstellen, das gegenwärtige Modell eingehend zu überarbeiten. China wurde in seiner Geschichte mehrfach mit Erfolg massiven Transformationen unterzogen. Dem Staat stehen beträchtliche Mittel und Instrumente zur Verfügung. Diese können die Reformen jedoch nur voranbringen, wenn die Schubkraft des Wandels stark und der Ansatz pragmatisch genug ist. Innerhalb der KPCh gibt es Widerstände gegen Veränderungen, und die neue Führung wird ein hohes Maß an diplomatischem Geschick brauchen.

 

Den kompletten Marktausblick finden Sie hier als PDF.