Meldungen | Anleihen, Marktkommentar
25.09.2020

China-Bonds im Fokus

Staatsanleihen aus dem Reich der Mitte werden eine zunehmend interessante Anlageklasse, findet Edmund Goh, Investment Director für Asian Fixed Income bei Aberdeen Standard Investments.

Edmund Goh, Aberdeen Standard Investments

Edmund Goh, Aberdeen Standard Investments

Aberdeen Standard Investments

Die mögliche Aufnahme von chinesischen Staatsanleihen in den FTSE Russell World Government Bond Index (WGBI) dürfte weitere enorme passive Engagements in die Papiere nach sich ziehen. „Es bestehen jedoch zahlreiche Gründe für Anleger, sich aktiv mit dieser Anlageklasse auseinanderzusetzen“, betont Edmund Goh, Investment Director für Asian Fixed Income bei Aberdeen Standard Investments, in einem aktuellen Kommentar. „Chinesische Staatsanleihen und A-Aktien können dazu genutzt werden, das Risiko des jeweils anderen Wertpapiers auf kurze Sicht zu mindern, während auf lange Sicht gleichzeitig potenziell positive Erträge erwirtschaftet werden.“

Falls FTSE Russel am morgigen Donnerstag beschließen sollte die von der chinesischen Regierung begebenen Papiere in den vielfach beachteten Referenzindizes aufzunehmen, könnten rund 140 Milliarden US-Dollar an den Markt für chinesische Onshore-Anleihen fließen. Mit der Aufnahme chinesischer Staatsanleihen folge der Indexbetreiber dem Beispiel der Betreiber des Bloomberg Barclays Global Aggregate Index und des J.P. Morgan Government Bond Index – Emerging Markets.

„Zusätzliche Engagements ausländischer Anleger in China scheinen angesichts der derzeit zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China kontraintuitiv“, schreibt Goh. Es handle sich hierbei um eine strategische Rivalität mit dem Ziel, die Entkopplung der beiden größten Volkswirtschaften weltweit voranzutreiben, indem Handels- und Anlagebarrieren erhöht werden. Gleichwohl sei ein starkes Interesse seitens internationaler Anleger, so etwa Staatsfonds und australische Pensionskassen, an chinesischen Staatsanleihen zu beobachten. „Dieses Interesse habe den Anteil ausländischer Beteiligungen auf ein Rekordniveau beflügelt“, so Goh.

Auf ausländische Anleger entfielen per Ende August etwa 2,8 Billionen Renminbi (413,8 Milliarden US-Dollar) des insgesamt 110 Billionen Renminbi schweren Marktes. Anders als chinesische Unternehmen an den Aktienmärkten konnte sich der Anleihenmarkt Aberdeen Standard zufolge der Kritik und dem Misstrauen seitens ausländischer Anleger bislang entziehen, da er weniger anfällig auf politische Debatten reagiere. Goh: „Es ist denkbar, dass sich der Fokus letzten Endes auf chinesische Staatsanleihen verlagern wird, sollte sich die Beziehung zwischen den USA und China noch weiter verschlechtern.“

Laut dem Experten haben Anleger aus Europa, Lateinamerika und Australien ihre bestehenden Engagements bei A-Aktien um Anlagen in Staatsanleihen des Landes ergänzt. Diese Anleger würden die Relative-Value-Chance bei diesen Titeln erkennen. „Zugegebenermaßen erscheinen die Renditen unter Berücksichtigung von Absicherungskosten zur Minderung des Währungsrisikos beim Kauf von Finanzinstrumenten aus relativer Sicht nicht mehr ganz so attraktiv“, erklärt Goh. „Doch der von chinesischen Staatsanleihen gegenüber den Staatsanleihen der Industrieländer gebotene Renditeaufschlag stellt einen Puffer gegen weitere Marktvolatilität dar.“ Die straffere Geldpolitik habe einen Anstieg der Renditen chinesischer Anleihen auf vor der Pandemie verzeichnete Niveaus nach sich gezogen.