Meldungen | Aktien, Marktkommentar
19.03.2015

Aufschwung von zyklischen Aktien ist nicht von Dauer

Gabriel Bartholdi, Aktien Stratege der Bank J. Safra Sarasin, über den Zusammenhang zwischen der US-Zinspolitik und den Aussichten für zyklische Aktien, die zuletzt stark zugelegt haben.

Gabriel Bartholdi, Bank J. Safra Sarasin

Gabriel Bartholdi, Bank J. Safra Sarasin

Foto: J. Safra Sarasin

Steigende makroökonomische Indikatoren deuten historisch auf steigende Aktienpreise und eine überdurchschnittlichen Rendite von zyklischen Aktien (Informationstechnologie, Industrie, Roh-/ Grundstoffe und Zyklischer Konsum) hin. Im Unterschied zu defensiven Aktien haben zyklische Aktien unterdurchschnittliche bis keine regelmässigen Umsatzströme, welche durch langjährige Verträge gesichert werden. Während dies in einer schwierigen Konjunkturperiode ein Nachteil ist, können zyklische Aktien aber in einer Wachstumsbeschleunigung überproportional von steigender Nachfrage profitieren. In Euroland könnte man die jüngsten starken Kursavancen von zyklischen Aktien mit steigenden Makroindikatoren begründen. Aber die zyklischen Aktien sind auch auf globaler Ebene überdurchschnittlich gestiegen, trotz sinkender makroökonomischer Indikatoren in den USA.

Dies ist insofern bemerkenswert, da der US-Konjunkturzyklus für den globalen Aktienmarktzyklus das größte Gewicht einnimmt und richtungsweisend ist. Seit zwei Jahren konnte jedoch eine Entkoppelung von Makroindikatoren und den Aktienmärkten festgestellt werden. Ein Grund dürften die Interventionen der US-Zentralbank sein, welche v.a. die Wirtschaftsabschwünge mit neuen Liquiditätsmaßnahmen unterbrachen. Und auch in den letzten zwei Monaten scheint die US-Zentralbank für die Erholung zyklischer Aktien auf globaler Ebene verantwortlich zu sein. Der starke Arbeitsmarkt kam wieder ins Zentrum der Diskussion. Fed Fund Futures haben nun einen Zinsschritt im Herbst 2015 eingepreist. Auch die 10-jährigen US-Zinsen sind gestiegen, was ein Gegenwind für defensive Aktien und ein relativer Rückenwind für zyklische Aktien ist. Mit steigenden Zinsen verlieren Aktien mit stabilen und hohen Dividendenrenditen an Attraktivität um Anleihen zu substituieren. Steigende Zinsen führen zu einer Kontraktion der Risikoprämie, welche Aktieninvestoren für höhere Risiken gegenüber Staatsanleihen kompensiert. Innerhalb der Aktien bedeutet dies, dass genau jene defensiven Aktien unter relativen Druck geraten, welche in den letzten Jahren von sinkenden Zinsen profitiert haben.

Es konnte festgestellt werden, dass genau dann als die US-Zinsen stiegen die zyklischen Sektoren outperformten bzw. die defensiven Sektoren underperformten. Für die nächsten Monate stellt sich nun die Frage, ob die Zinsen weiter steigen. Einem allgemein höheren Zinsumfeld widerspricht jedoch die nach wie vor schwache globale Konjunktur. Durch die Liquiditätsmassnahmen in Euroland, aber auch in Japan und den Schwellenländern bleiben die Zinsen weiterhin tief. Die US-Konjunktur könnte zudem durch den erstarkten US-Dollar einen Dämpfer bei den Exporten erhalten, wodurch die US-Zentralbank eher vorsichtig agieren dürfte. Dies bedeutet, dass die Outperformance zyklischer Sektoren nicht anhalten wird.