Meldungen | Nachhaltige Investments
05.02.2015

Asset Manager starten Initiative zu weniger CO2 im Portfolio

Die französische Fondsgesellschaft Amundi, verschiedene Pensionsfonds und der Indexanbieter MSCI wollen schrittweise die Aktien- und Anleihenbestände klimafreundlicher machen. Helfen soll u.a. eine neue Index-Familie mit „Low Carbon Leaders“.

OMV-Raffinerie in Schwechat

OMV-Raffinerie in Schwechat

Foto: OMV AG

Amundi und seine Kooperationspartner haben im Vorfeld der diesjährigen UN-Klimakonferenz in Paris einen Vorstoß zur so genannten „Dekarbonisierung“ und zur klimafreundlichen Ausgestaltung von Portfolios gestartet. Dazu zählt neben der Verpflichtung, im Rahmen der Portfolio Decarbonization Coalition bis Ende 2015 100 Milliarden US-Dollar an Anlagegeldern zusammen mit Partnern CO2-effizient zu gestalten, die Entwicklung klimafreundlicher Investmentlösungen. Nachdem die klimafreundliche Ausgestaltung von Aktienportfolios den Auftakt bildete, folgten kürzlich auch entsprechend ausgerichtete Rentenstrategien.

Klimawandel als finanzielles Risiko

„Inzwischen setzt sich auch an den Kapitalmärkten die Erkenntnis durch, dass der Klimawandel neben ökologischen und gesellschaftlichen auch erhebliche finanzielle Risiken birgt“, erklärt Laurent Trottier, Global Head of Index Management & Smart Beta. „Investoren haben folglich dem CO2-Ausstoß von Unternehmen sowie deren Klimastrategien mehr Aufmerksamkeit zu schenken und solche Parameter in die Bewertungsmodelle einfließen zu lassen.“ Firmen, die viele Treibhausgase ausstoßen und über keine Strategien zu deren Reduktion verfügen, erleiden irgendwann Ertragseinbußen. Ihre Aktien werden langfristig schlechter abschneiden, so die Argumentation. Gebremst wurde die Berücksichtigung von Klimarisiken bisher durch drei Faktoren: Erstens zeigen sich Klimarisiken über längere Zeiträume, während die Anlagemanager eher eine kurz- bis mittelfristige Perspektive haben. Zweitens erfordert die Berücksichtigung dieser Risiken eine umfangreiche Expertise und drittens gab es bisher kaum skalierbare Anlagelösungen, die den Ansprüchen einer großen Zahl von Investoren gerecht werden. So ist es beispielsweise für professionelle Investoren in der Regel weder attraktiv noch möglich, CO2-intensive Branchen völlig außen vor zu lassen, da dies eine erhebliche Abweichung zu den gängigen Vergleichsindizes mit sich bringt, an denen die Manager letztlich gemessen werden.

Klimafreundliche Investments versprechen eine Free Option

„Investoren wünschen sich mit Blick auf die bisher oft schleppend verlaufenden Klimaverhandlungen folglich Anlagelösungen, die ein Plus bringen, wenn neue Klimaziele festgeschrieben werden und der CO2-Ausstoß teurer wird“, so Trottier weiter. Andererseits sollte die Strategie auch kurz- und mittelfristig keine Nachteile nach sich ziehen, wenn der Verhandlungsdurchbruch doch noch länger auf sich warten lässt oder in geringerem Ausmaß vorangetrieben wird. Anlegern, die diese Free Option nutzen möchten, bietet Amundi sowohl neue Indexstrategien an, als auch die Möglichkeit, durch Umschichtungen bestehende Portfolios zu dekarbonisieren. Im Vergleich zu traditionellen Ökofonds, verfolgt die neue Strategie das Ziel, sich gegen Klimarisiken abzusichern.

Neue MSCI Low Carbon Leaders Indexfamilie

Um die Bedürfnisse der Investoren direkt einfließen zu lassen, haben Amundi, der schwedische Pensionsfonds AP4, der französische Fonds de Réserve pour les Retraites (FRR) und der Indexanbieter MSCI bei der Entwicklung neuer passiver Investmentstrategien zusammengearbeitet. Im Fokus standen dabei die Ziele, die Anlagestrategie mit Hilfe von Indexinvestments effizient klimafreundlicher auszurichten und die Anlagen gegen Klimarisiken abzusichern, ohne eine erhebliche Abweichung zu klassischen vergleichbaren Benchmarks zu riskieren. Das heißt, die neue globale MSCI Low Carbon Leaders Indexfamilie kombiniert die Reduktion des CO2-Exposures mit einem geringen Tracking Error. Amundi verfügt über eine Lizenz, Produkte auf diese Indizes zu entwickeln. Erstmals konzentriert sich die neue Indexfamilie an zwei wesentlichen Klima-Risikofaktoren: dem CO2-Ausstoß und den so genannten Stranded Assets. Als CO2-intensive Aktien gelten folglich sowohl Titel mit hohen Treibhausgasemissionen als auch Papiere, deren Notierung stark von der Bewertung ihrer fossilen Rohstoffreserven abhängig ist. Diese Titel sind bei strengeren Umweltauflagen bzw. neuen Umweltsteuern am stärksten betroffen.

Mindestens 50 Prozent geringere CO2-Emissionen

Die einzelnen Low Carbon Leader Indizes bieten für verschiedene Anlagerverhältnisse die Möglichkeit, die CO2-Emissionen und die Intensität hinsichtlich der fossilen Rohstoffreserven in den Unternehmensbilanzen mindestens zu halbieren. Trotz der eher längerfristigen Ausrichtung der Low Carbon Strategien haben diese bisher eine leicht bessere Wertentwicklung als ihre traditionellen Indizes gebracht. Ergänzend zum Angebot von Indexprodukten, die eine möglichst genaue Abbildung der Low Carbon Indizes anstreben, hat Amundi zudem einen Ansatz zur individuellen „Dekarbonisierung“ bestehender Aktienportfolios institutionelle Investoren entwickelt. So können beispielsweise auch individuelle Restriktionen von Anlegern berücksichtigt werden. Amundi managt rund 2,5 Milliarden US-Dollar in passiven Low-Carbon-Aktienstrategien.

100 Milliarden US-Dollar dekarbonisieren

Zusammen mit dem schwedischen Pensionsfonds AP4, der UN-Finanzinitiative UNEP FI (United Nations Environment Programme Finance Initiative) und der globalen Investoreninitiative CPD (Carbon Disclosure Project) zählt Amundi zu den Gründungsmitgliedern der Portfolio Decarbonization Coalition. Mit Unterstützung von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon haben sich die Unterzeichner verpflichtet, bis Ende 2015 institutionelle Portfolios in Höhe von 100 Milliarden US-Dollar zu dekarbonisieren.