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09.12.2011

"Anleger sollten über die derzeit negativen Schlagzeilen hinaus blicken"

Vier Fondsmanager von Fidelity über ihre Erwartungen zum europäischen Aktienmarkt für das Jahr 2012.

Michael Clark,  Fondsmanager des Fidelity  European Dividend Fund

Michael Clark, Fondsmanager des Fidelity European Dividend Fund

Michael Clark, Fondsmanager des Fidelity European Dividend Fund:

„Für 2012 rechne ich für Europa einschließlich Großbritannien mit einem schwachen Wirtschaftswachstum. Der Grund: Die Banken werden weiter schrumpfen und sich sanieren müssen – Kredite werden daher weiterhin knapp sein. Auch wenn die Verbraucher etwas weniger belastet werden als 2011, weil es keine Steuererhöhungen geben wird und die Inflation sinken könnte, wird das Vertrauen meines Erachtens nur langsam zurückkehren.

Dennoch erwarte ich keine zweite Rezession wie 2008. Aktien sind – bei erfreulichen Dividendenrenditen – günstig bewertet, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Auszahlungen, wie 2008, auf dem Spiel stehen. Die Verunsicherung über die Krise der Eurozone und die Lage in Großbritannien wird nicht ewig andauern. Anleger sollten daher über die derzeit negativen Schlagzeilen hinaus blicken und sich für eine mittelfristige Erholung positionieren. Der Investment-Schwerpunkt sollte dabei auf wachstums- und ertragsstarken Unternehmen liegen. Das sind häufig multinationale Konzerne in Europa mit einer starken Präsenz an den Wachstumsmärkten des Fernen Ostens. Die Bewertungen solcher Qualitätsunternehmen sind heute so attraktiv wie schon seit der Dotcom-Blase in den Jahren 1999 und 2000 nicht mehr. Sie sind vor allem in den Bereichen Konsumartikel, Supermärkte, Telekommunikation und Pharma zu finden und können unabhängig vom Konjunkturumfeld wachsen. Ich gehe davon aus, dass die meisten dieser Firmen im nächsten Jahr ihre Dividenden durchschnittlich um 7% bis 10% anheben werden.“
 

Alexander Scurlock, Fondsmanager des Fidelity European Growth Fund:

„Durch die Zuspitzung der Schuldenkrise in der Eurozone wird der Markt von makroökonomischen und politischen Zwängen getrieben: Die von Europas politischer Elite getroffenen Maßnahmen reichen noch immer nicht aus, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Daher rechne ich für 2012 mit steigender Marktvolatilität. In diesem Umfeld sind Anlagen in Unternehmen sinnvoll, die über Preismacht verfügen und in starken Binnenmärkten operieren, wie etwa in Deutschland.“

 

Anas Chakra, Fondsmanager des Fidelity FAST Europe Fund:

„Die Anleger sind zu Recht über die Staatsverschuldung in Europa besorgt. Allerdings sind die Verschuldungsniveaus des Privatsektors und der privaten Haushalte ebenso alarmierend. Es gibt drei mögliche Wege, um dieses Verschuldungsproblem zu lösen: Inflation, Wachstum oder Umschuldung. Inflation erscheint unwahrscheinlich und vor dem Hintergrund allgemeiner Sparanstrengungen dürfte ein starkes Wirtschaftswachstum ebenso ausscheiden. Daher könnte es zu einer Umschuldung kommen. Sie wird sich wahrscheinlich nicht auf Griechenland und die öffentlichen Haushalte beschränken.

Diese Entwicklung wird sich deutlich auf Finanzwerte und verschuldete Unternehmen auswirken. Daher bleibe ich skeptisch. Bei Titeln aus dem Finanzsektor empfiehlt es sich auf Unternehmen zu setzen, die umsichtig finanziert und in den Peripherieländern Europas nur begrenzt engagiert sind. Interessant sind gegenwärtig „beständige Zahler“ – Qualitätstitel mit attraktiven Erträgen und Dividendenrenditen, sowie starken Bilanzen und einem soliden Management.“

 

Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des Fidelity Germany Fund:

„Ich erwarte, dass der deutsche Aktienmarkt 2012 volatil bleiben, sich aber insgesamt positiv entwickeln wird. Getrieben wird diese Entwicklung von attraktiven Risiko-Rendite-Profilen, gesunden Bilanzen, niedrigen Zinsen sowie Wachstumsimpulsen aus den Schwellenländern und den USA. Die Politik hat zudem die Ernsthaftigkeit der Lage erkannt – ich bin daher zuversichtlich, dass Strukturreformen angegangen werden und damit das Vertrauen zurückkehrt. Da diese Reformen jedoch Zeit und Sparanstrengungen erfordern, dürfte das Umsatz- und Gewinnwachstum in der Breite 2012 noch schwach bleiben. Nichtsdestotrotz sind viele deutsche Unternehmen u.a. aufgrund ihrer Marken, Produktqualität, Bilanzstärke und Innovationskraft hervorragend positioniert, um weiter Marktanteile auszubauen und als Gewinner aus der Krise hervorzugehen. Wichtig ist allerdings ein entschiedenes Eingreifen der politischen Entscheidungsträger - ich bin zuversichtlich, dass die Politik die Ernsthaftigkeit der Lage erkannt hat und Strukturreformen angehen wird, die das Vertrauen zurückbringen werden.“