Meldungen | Vorsorge
13.02.2013

Altersvorsorge: Anbieter erwarten drastische Maßnahmen gegen Finanzierungslücke

Die Mehrheit der europäischen Altersvorsorgeanbieter erwartet, dass die Regierungen in Europa in den kommenden Jahren teils drastische Maßnahmen ergreifen werden, um die Finanzierungslücke in der Altersvorsorge zu schließen; ist das Ergebnis einer Studie der Economist Intelligence Unit (EIU). Dies könnte weit reichende Folgen für die Anbieter selbst sowie deren Kunden haben.  

Knapp drei Viertel der europäischen Altersvorsorgeanbieter (69 Prozent) rechnet mit „drastischen Maßnahmen“ der jeweiligen Regierungen, um die Finanzierungslücke in der Altersvorsorge in den kommenden fünf Jahren zu schließen. Das ergab eine Studie der Economist Intelligence Unit (EIU) im Auftrag des Finanzdienstleisters State Street Corporation. Am wahrscheinlichsten halten die Befragten sowohl die obligatorische Altersvorsorge als Opting-Out-Modell als auch weitere finanzielle Anreize vom Staat.

 

Befragt wurden 150 Anbieter von Altersvorsorgeplänen wie Versicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds in Europa.

Insgesamt rechnen die Anbieter mit einer höheren Belastung für die Bürger: 77 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Beitragssätze zur Altersvorsorge in den kommenden fünf Jahren steigen werden.

 

„Finanzierung wird Strategie der Anbieter bestimmen”

 

„Die Frage der Finanzierung wird die künftige Strategie der Anbieter bestimmen. Um die Lücke zu schließen, müssen neben höheren Renditen entweder die Beiträge zur Altersvorsorge steigen oder die Höhe der zugesagten Leistungen sinken. Dazu gibt es keine Alternative“, sagte Raymond Haines, Leiter des Bereichs European Strategy and Research in der Investment Solutions Group bei State Street Global Advisors. „Ich habe den Eindruck, dass sich die Anbieter immer noch allein auf eine höhere Rendite verlassen, um die Finanzierungslücke zu schließen. Doch diese Strategie ist schon in den vergangenen Jahren nicht aufgegangen“, so Haines weiter.

 

Den Befragten zufolge werden die klassischen, leistungsorientierten Vorsorgepläne künftig zugunsten von beitragsorientierten Vorsorgeplänen und einer stärker individualisierten Altersvorsorge abnehmen, bei der die Bürger zunehmend die Verantwortung für die Anlageentscheidung tragen müssen. In den USA ist dieser Trend schon länger erkennbar.

 

Erwartung, dass Regierungen künftig aktiver werden

 

„Es besteht kein Zweifel, dass die Altersvorsorgebranche in Europa vor massiven Veränderungen steht. Es wird eine Reihe von Innovationen geben. Die meisten Befragten rechnen darüber hinaus damit, dass die Regierungen künftig einen größeren Part im Veränderungsprozess übernehmen“, sagt Haines.

 

Immerhin blickt die Mehrheit der Befragten (62 Prozent) zuversichtlich in die Zukunft und rechnet mit einem insgesamt höheren Finanzierungsniveau. 68 Prozent der Anbieter sind der Ansicht, dass die Altersvorsorge per se komplexer werden wird.