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26.09.2018

Aktienanleger steigen nach zehn Jahren am besten aus

Selbst bei einem Einstieg kurz vor der Finanzkrise haben die Aktienfondskategorien nach zehn Jahren satte Renditen gebracht. Das ergaben Berechnungen des Finanzjournalistenforums in Wien und des deutschen Fondsverbands BVI.

Constantin Veyder-Malberg, Vorstand der Capital Bank

Constantin Veyder-Malberg, Vorstand der Capital Bank

Foto: Capital Bank

Die Finanzwelt blickte zurück auf zehn Jahre nach der Lehman-Pleite und den zweitgrößten Börsencrash der Geschichte. Danach setzte an den Weltbörsen eine der längsten Erholungsphasen ein, in den USA sogar die längste Kurserholung der Börsengeschichte. Doch was wäre einem Anleger passiert, der ausgerechnet Anfang September 2008, also unmittelbar vor dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise, 10.000 Euro in Aktienfonds investierte und die Fonds bis heute im Depot behalten hat? Das fragte sich das Finanzjournalistenforum in Wien und erhob bei Morningstar die Zahlen für die gängigsten Fondskategorien, die gemeinsam mit der Capital Bank präsentiert wurden. Die überraschende Antwort: Obwohl der damalige Einstiegszeitpunkt denkbar ungünstig war, liegen die Fonds fast alle hoch im Plus. Wer damals einen Weltaktienfonds für 10.000 Euro kaufte, besitzt heute im Durchschnitt 22.960 Euro. Der Einsatz hätte sich also trotz heftigen Anfangsverlusten letztlich mehr als verdoppelt. Die durchschnittliche Jahresrendite in diesem Zeitraum belief sich auf 8,66 Prozent. Das sind freilich eher theoretische Werte, nachdem niemand im Durchschnitt lebt und in diesen auch nicht investiert. Von 320 ausgewerteten Fonds liegen nach zehn Jahren alle bis auf zwei im Plus. Gewertet wurden alle Privatanlegerfonds, die seit zehn Jahren bestehen. Beobachtungszeitraum war zwischen dem 4. September 2008 und dem 4. September 2018. Die Daten sind gerechnet vor Steuern und ohne etwaige Spesen wie Ausgabeaufschläge und Depotgebühren.

Auf die Assetklasse kommt es an

Aufschlussreicher sind dabei die verschiedenen Kategorien. Spitzenreiter sind die Technologie-Fonds mit im Schnitt 40.980 Euro im Depot, also eine Vervierfachung des Kapitals. US-Aktien kommen auf stolze 32.080, bei einem durchschnittlichen Europaaktienfonds hätte sich der Einsatz auf immer noch auf 19.230 Euro vermehrt. Das entspricht einer Rendite von 6,76 Prozent pro Jahr. Die als riskanter geltenden Schwellenländer sind hier mit Europa praktisch gleichauf. Am schwächsten performten die Aktien aus Osteuropa mit 11.750 Euro. Auffällig ist das relativ schwache Abschneiden von Mischfonds. Die Gruppe der defensiven Mischfonds (12.750 Euro) mit typischen Aktienquoten zwischen 20 und 35 Prozent schnitten im Durchschnitt schlechter ab als Euro-Anleihefonds (13.750 Euro). "Im Bereich Mischfonds gibt es sehr viele Fonds mit überhöhten Kosten, die sehr viel Ertrag gefressen haben. Gerade bei dieser aktuell beliebtesten Anlagekategorie ist ein Vergleich der langfristigen Ertragsentwicklung und der Kosten wichtig", erklärt Martin Kwauka, Initiator des Finanzjournalistenforums. Eine Auswertung des deutschen Fondsverbands BVI, der Fonds deutscher Fondsgesellschaften untersucht hat, zeigt außerdem, dass auch Fonds-Sparpläne seit 2008 gut gelaufen sind, bei denen Fondsanteile mit konstanten Raten von 100 Euro im Monat gekauft wurden. Hier beträgt das durchschnittliche Ergebnis eines Weltaktienfonds bei insgesamt 12.000 Euro Einzahlung heute 17.731 Euro, das entspricht einer Rendite pro Jahr von 7,6 Prozent vor Steuern. Bei Europaaktienfonds hat sich der gleiche Einsatz auf 16.834 Euro vermehrt. Das entspricht 6,6 Prozent pro Jahr.

Quote statt Timing

„Leider haben die meisten österreichischen Anleger nur wenig oder gar nicht vom Börsenaufschwung profitiert“, sagt Constantin Veyder-Malberg, Vorstand der Capital Bank, die zur Grawe Gruppe gehört. „Viele haben ausgerechnet nach der Lehman-Pleite Aktien verkauft und sind immer noch auf Nummer sicher in Spareinlagen veranlagt. Das zeigt: Der größte Feind des Investors ist er oft selber.“ Denn die meisten Anleger versuchen Market Timing zu machen und den optimalen Einstiegs- und Verkaufszeitpunkt zu erwischen. Das gelinge aber niemandem, da alle Prognosen für die Zukunft zu unsicher sind. „Und zu allem Unglück wird sogar ausgerechnet dann verkauft, wenn auch alle anderen Kasse machen wollen“, so Veyder-Malberg. Wichtig daher sei die strategische Festlegung der Aktienquote entsprechend der persönlichen Risikotoleranz, an der dann langfristig festgehalten werden sollte: „Wer zum Beispiel konstant 25 Prozent Aktienquote einhält, würde automatisch nach einer Korrektur der Aktienmärkte nachkaufen und umgekehrt in einer Boomphase der Börsen Gewinne mitnehmen. Dadurch wird langfristig der Ertrag stabilisiert.“