Meldungen | Aktien, Marktkommentar
27.07.2016

"Aktien bleiben alternativlos"

Trotz politisch beeinflusster Börsen können Staatsanleihen in der derzeitigen Niedrigzinsphase nicht mit Aktien konkurrieren, meint Hermann Wonnebauer, Vor­standsmitglied der Zürcher Kantonalbank Österreich.

Hermann Wonnebauer, Vorstand ZKB Österreich

Hermann Wonnebauer, Vorstand ZKB Österreich

Foto: ZKB

Wenngleich der Ausgang der Brexit-Abstimmung wohl jeden Beobachter überrascht hat und das Wirtschaftswachstum in Europa dadurch nicht gerade befeuert wird, sollte man Anlageentscheidungen nicht im Licht von Ereignissen wie diesem treffen. „Natürlich können Abstimmungen, Wahlen oder andere politische Begebenheiten heftige Reaktionen an den Finanzmärkten hervorrufen. Die Dauer dieser Krisen ist aber meist überschaubar und die Börsen erholen sich rasch wieder“, erklärt Hermann Wonnebauer, Vor­standsmitglied der Zürcher Kantonalbank Österreich AG. „Es ist daher wenig ratsam, sich in einem ersten Schockmoment zu Panikkäufen oder –verkäufen verleiten zu lassen. „Politische Börsen haben kurze Beine.“

Damit Anleger nachhaltig Erfolg haben, braucht es einen langfristigen Plan, der nicht bei der ersten Schlechtwetterfront an den Börsen über den Haufen geworfen wird. „Es geht stets darum, sein strategisches Ziel im Kopf zu haben und dieses zu verfol­gen“, sagt Wonnebauer. Themen wie das Brexit-Referendum seien zwar zu beachten, im Rahmen einer langfristigen Anlagestrategie aber nicht entscheidend. „Denn zu­nächst kam der Brexit, kurz darauf die spanischen Parlamentswahlen und im Herbst wird es wohl auch wieder Ereignisse geben, die den Börsen kurzfristig zusetzen kön­nen“, relativiert Wonnebauer die Bedeutung einzelner politischer Vorgänge für die Märkte. Viel mehr mache den Anlegern die lang anhaltende Niedrigzinsphase zu schaf­fen. Wer bisher etwa in Staatsanleihen investiert hat, die nun auslaufen, hat Kapi­tal auf dem Konto, das wieder zu veranlagen ist: „Bei Minuszinsen sind Staatsanlei­hen derzeit aber sogar ein Verlustgeschäft. So gesehen ist es noch besser, das Geld auf dem Konto liegen zu lassen, als es verlustbringend zu investieren. Eigentlich gibt es, gerade für vermögende Privatpersonen, keine echte Alternative zu Aktien. Durchhaltevermögen und die richtige, langfristige Strategie sind dabei wesentliche Erfolgsfaktoren.“ Das zeige auch die langfristige Bilanz des MSCI Eu­rope. Denn trotz zwischenzeitlicher Rückgänge im Jahresverlauf von durchschnittlich 16 Prozent waren die Gesamtjahres-Erträge in 28 von 36 Jahren im Plus.

Globalisierung als Chance bei der Titelauswahl

Das Umfeld für Investitionen in Aktien ist aus Sicht der Zürcher Kantonalbank Öster­reich AG nach wie vor gut. „Die wirtschaftlichen Trends können insgesamt positiv be­wertet werden. Einerseits macht das globale Wirtschaftswachstum zwei bis drei Pro­zent aus, andererseits steigen auch die globalen Einkommen“, so Wonnebauer, der bei Anlegern allerdings teilweise ein paradoxes Phänomen beobachtet: „Wir leben zwar in einer globalisierten Welt, doch je größer ein Markt ist, desto regionaler sind die In­vestoren ausgerichtet“, stellt der Privatbank-Vorstand fest. Gerade in der Internationalisierung sieht Wonnebauer dabei durchaus attraktive Chancen für Anle­ger. „Man muss eben auch Australien oder Asien auf dem Radar haben“, empfiehlt er, auch auf geografisch weit entfernten Märkten nach Fonds-Perlen Ausschau zu halten.