Meldungen | Investmentfonds
30.09.2015

Abschied von den CO2-Assets

Die Selbstverpflichtungen von Investoren zum Ausstieg aus fossilen Energieträgern haben sich binnen eines Jahres auf weltweit 2,6 Billionen US-Dollar vervielfacht.

Im Vorfeld der Weltklimakonferenz (COP21) Ende diesen Jahres in Paris meldet die weltweite Divest Invest Initiative einen enormen Anstieg der Verpflichtungen zum Ausstieg aus Unternehmen, die im Bereich fossiler Energien wirtschaften. Gemäß des aktuellen Arabella Advisors Report haben nun 436 Institutionen und 2040 individuelle Personen aus 43 Ländern mit einem Vermögen von 2,6 Billionen US-Dollar Assets under Management zugesichert, ihr Kapital abzuziehen und damit die Klimarisiken aus ihren Portfolios zu entfernen. Im September letzten Jahres lagen die Zusagen noch bei 50 Mrd. US-Dollar. Das gesamte Vermögen derjenigen, die ihr Kapital abziehen und gleichzeitig in klimafreundliche Lösungen neu investieren wollen, beläuft sich auf 785 Mrd. US-Dollar. „Die exponentielle Steigerung der Zusagen von Institutionen und Privatpersonen weltweit, ihr Vermögen aus Öl- und Kohleunternehmen abzuziehen und gleichzeitig in regenerative Technologien zu investieren, ist ein klares Zeichen, dass viele Marktteilnehmer die negativen Konsequenzen des Klimawandels nicht länger ignorieren und statt dessen aktiv handeln“, sagt Jochen Wermuth, CIO von Wermuth Asset Management. „Es ist gleichzeitig ein starkes Signal an die Politik, sich bei der bevorstehenden Weltklimakonferenz endlich auf verbindliche Maßnahmen zur Begrenzung der globalen Erderwärmung zu einigen.“ Das enorme Wachstum geht insbesondere auf Pensionsfonds, Verwalter von Familienvermögen und andere große Investoren zurück, die mittlerweile 95 Prozent der Assets ausmachen. Gleichzeitig ist auch die Zahl der Universitäten, Kommunalverwaltungen, Kirchen, Gesundheitsorganisationen und Stiftungen gestiegen, die ihr Kapital aus den 200 börsennotierten Firmen mit den meisten Kohlenstoffreserven (Carbon 200) abziehen und stattdessen klimafreundlich investieren wollen.

Fossiler Wertberichtigungsbedarf

Wenn die beim G7-Gipfel noch einmal bekräftigten globalen klimapolitischen Ziele erreicht werden sollen, dürfen nur noch etwa 20 Prozent der weltweit bereits gefundenen und bilanzierten Kohlenstoffreserven in Form von Kohle, Öl und Gas verbrannt werden. Die übrigen 80 Prozent können nicht mehr genutzt werden und liegen wertlos in den Bilanzen der Öl-, Gas- und Kohleunternehmen. In der Konsequenz steht ein enormer Wertberichtigungsbedarf bevor, unabhängig vom Ergebnis in Paris. „Viele große Investoren haben die Portfoliorisiken, die mit einem Investment in Öl-, Gas- und Kohleproduzenten verbunden sind bereits erkannt und schichten um. Mehr noch als das Vermeiden von Verlusten zählt für Investoren aber die Tatsache, dass ressourceneffiziente Investments tatsächlich attraktive Renditen bieten“, sagt Jochen Wermuth. „Wir befinden uns mitten in einer neuen industriellen Revolution – vom Kohlezeitalter hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft. Im Zuge dieser Transformation wird es signifikante Verlierer und neue aufstrebende ressourceneffiziente Unternehmen, wie etwa aus den Bereichen erneuerbare Energien, Elektromobilität, Stromspeicher geben“, ist der CIO überzeugt.