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19.12.2012

2013: Ein weiteres Aktienjahr!?

Ein turbulentes Jahr an den Finanzmärkten liegt hinter uns. Auch 2013 wird nicht minder ereignisreich. Doch wo gibt es im kommenden Jahr für Anleger attraktive Chancen? Einfluss auf die Antwort dieser Fragen hat unter anderem die Entwicklung der Weltwirtschaft und der Eurokrise. Die max.xs financial services AG fragte ihre Produktpartner nach deren Erwartungen für das Jahr 2013.  

Richard Zellmann, Geschäftsführer bei der First Private Investment Management KAG mbH, Harald P. Holzer, Mitglied der Geschäftsführung der Kathrein Privatbank AG und Chief Investment Officer sowie Noel O’ Halloran, Chief Investment Officer der Kleinwort Benson Investors Dublin Ltd kommen zu Wort.

 

max.xs:Wie werden sich 2013 die Weltwirtschaft sowie die Eurokrise entwickeln und welche Auswirkungen resultieren daraus für die Finanzmärkte?

 

Zellmann: Die Weltwirtschaft wird bereits in den kommenden drei bis sechs Monaten ihren zyklischen Tiefpunkt erreichen. Diese Phase ist üblicherweise eine gute Zeit für Aktien und andere Risikoassets. Auch bei saisonaler Betrachtung sind zumindest bis zum April 2013 steigende Aktienkurse zu erwarten. Ein Risiko für dieses Szenario ist das sogenannte „Fiscal Cliff“ in der US-Finanzpolitik. Der Verlauf des gesamten Jahres dürfte nicht zuletzt auch unter dem Eindruck der Eurokrise stehen. Die Antwort der Politik ist aber schon gegeben: es wird auch weiterhin (zu) viel Geld in den Kreislauf gepumpt, um letztlich Schuldenprobleme in die Zukunft zu verlagern. Eine Inflationierung der Realwirtschaft wird nicht funktionieren, vielmehr wird hier und da neuen Asset-Preis-Blasen Vorschub geleistet – und damit der nächsten Krise der Weg bereitet.

 

Holzer: Bodenbildung bei Staats-Defiziten ist eine zentrale Erwartung für 2013. Was die Wirtschaftserholung anbelangt ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen, jedoch wird das durchschnittliche Wachstum zu gering ausfallen, um von einer echten Erholung zu sprechen. In Bezug auf den EUR erwarte ich einen stabilen bis engeren Spread. Die bedeutendsten Fragen für die kommenden Monate werden sein: Können europäische Gewinne in diesem Umfeld steigen? Ist der Höhepunkt der US Gewinne erreicht? Ist die Verlangsamung des Wachstums in China vorbei?

 

O’ Halloran: Die Weltwirtschaft wird sich weiterhin auf eine langsame und schleppende, aber trotzdem positive, Weise erholen. Das Wachstumsmuster wird sich wahrscheinlich von Quartal zu Quartal volatil verhalten. Auch die Finanzkrise der Eurozone nebst anderen globalen „Krisen“ wie die US Schuldenkrise und Chinas harter Landung bestehen aus unserer Sicht weiterhin. Über die Jahre – nicht Monate – erwarten wir schrittweise Verbesserungen. Ein wichtiger positiver Einfluss ist, dass die EZB und die Behörden generell den Risiken gegenüber wachsam bleiben und sich bereithalten einzugreifen, falls nötig.

 

Für die Finanzmärkte sollte dies die „Tail Risiks“ weiter reduzieren. Der anhaltende Wachstum von BIP und Einkommen in Kombination mit attraktiven Bewertungen und der Unterstützung der Zentralbank sollten zu einem weiteren positiven Jahr für Aktien in 2013 enden. Anleihen hatten in 2012 eine starke Performance und sind unserer Ansicht nach, durch die historisch niedrigen Ertragslevel, anfällig für Verluste – insbesondere im Fall von Core-Staatsanleihen. Während der Status, ein sicherer Hafen zu sein und niedrige Zinsen als Unterstützung der Bondpreise gelten, machen eine Rückkehr zum Wachstum und höhere Inflationslevel solche niedrigen Ertragslevel letztlich unattraktiv. Chancen bieten da schon eher Anliehen von Peripherieländern.

 

max.xs:Wo sehen Sie 2013 attraktive Chancen für Anleger und welche Trends sind zu erwarten?

 

O’ Halloran: Wir sehen Aktien als die attraktivste Anlageklasse und innerhalb davon favorisieren wir die Abdeckung der Schwellenländer, zyklische über defensive, qualitativ hochwertige über qualitativ minderwertige Deep-Value-Aktien, einen All Cap-Ansatz und den Fokus auf Dividendenerträge bei dem derzeit niedrigen Nominalwachstum des Marktes.

 

Holzer: Aus unserer Sicht sind keine neuen Trends abzusehen, außer, dass Investoren aus Mangel an Alternativen verstärkt zu Aktien greifen werden. Würde man ein Basisszenario für die kommenden Monate schnüren, wären Euro PIIGS Anleihen als attraktiv anzusehen. Aktien sollten höher als bisher gewichtet werden, solange bis „risikolose“ Renditen zumindest wieder die Inflationsrate erreichen. Gold ist neutral zu bewerteten, da diese Asset-Klasse einerseits durch die reale Verzinsung unterstützt wird jedoch unter der niedrigen Inflation leidet.

 

Zellmann:  Angesichts der strukturell angelegten Niedrigzinsphase – gelegentlich auch als „finanzielle Repression“ bezeichnet – hat bei sämtlichen Anleihemärkten, auch bei Unternehmensanleihen, die Renditen auf unattraktive Niveaus gedrückt. Angesichts gesunder Unternehmen winken aber noch immer weltweit hochinteressante Dividendenrenditen. Der Trend zur Nachfrage nach global stark aufgestellten Unternehmen mit nachhaltiger Dividendenausschüttung wird sich daher noch verstärken.