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26.11.2013

„Die Herdenmentalität des Marktes kann nicht für immer so weitergehen“

Marc Renaud, Gründer und CEO der französischen Fondsgesellschaft Mandarine Gestion war unlängst auf Kurzbesuch in Wien. FONDS exklusiv hat ihn zum Dilemma des Fondsmanagements und zu seinem schwierigen ersten Geschäftsjahr 2008 befragt.

von Thomas Müller

Marc Renaud, CEO Mandarine Gestion

Marc Renaud, CEO Mandarine Gestion

Foto: Mandarine Gestion

FONDS exklusiv: Es fällt auf, dass in dem von Ihnen verwalteten Fonds, dem Mandarine Valeur, derzeit kein Land vertreten ist, das östlicher als Österreich liegt (außer Finnland). Gibt es in der Region keine interessanten Unternehmen?

Marc Renaud: Doch, gäbe es, aber die sind entweder „langweilig“, Telekoms, Versorger oder Banken, oder es sind Small-Caps mit weniger als 2 Mrd. Euro Umsatz, die ich ausschließe.

FONDS exklusiv: Der größte Sektor im Fonds ist die Finanzbranche. Warum sind Sie so zuversichtlich, dass es den Banken in Zukunft besser gehen wird? Haben sich Ihre Erwartungen bisher erfüllt?

Marc Renaud: Die Bank-Aktien haben sich durch den Draghi-Effekt seit über einem Jahr besser entwickelt als der Vergleichs-Index und ich denke, das wird sich fortsetzen. Zumindest bei einigen Aktien, weil die Aktienmärkte auch überbewertet haben. Um mehr ins Detail zu gehen: Ich habe Finanzdienstleister schon seit dem Sommer 2011 übergewichtet. Im Nachhinein betrachtet viel zu früh! Seitdem hat sich viel getan und der Banken-Anteil am Portfolio hat sich verringert, aber steht immer noch bei etwa 23%. Wenn man, wie ich, überzeugt ist, dass die Wirtschaft weiterhin Banken benötigen wird und die Eurozone Bestand hat, dann wird es immer Gewinner der Finanz- und Wirtschaftskrise geben. Auf diese habe ich mich konzentriert: Ich bin investiert in Unicredit, Intesa San Paolo und BNP Paribas. Griechenland und Irland habe ich gemieden. Ich habe sogar einige Gewinne bereits mitgenommen, besonders bei skandinavischen Banken.

FONDS exklusiv: Laut dem Quartalsreport des Mandarine Valeur lag die 5-Jahres-Performance (September 2008 bis September 2013) bei plus 27%, die Gebühren würden sich auf ca. 13% summieren. Gleichzeitig hatte die Benchmark plus 41%. Wieso sollten die Anleger dennoch vom Stock Picking überzeugt sein?

Marc Renaud: Da muss ich widersprechen! Wenn man YTD vom November 2013 fünf Jahre zurückgeht, schlägt der Fonds seine Benchmark klar, auch inklusive Gebühren!

FONDS exklusiv: Liegt das grundsätzliche Dilemma des Fondsmanagements nicht darin, dass es so viele unterschiedliche Unternehmen und Sektoren gibt, aber erwartet wird, dass die Fondsmanager (und das Research-Team) Experten für fast alles sind?

Marc Renaud: Ich würde nie von mir behaupten, in allen Sektoren Experte zu sein. Was ich schon von mir sagen kann ist, dass ich genug Hausverstand habe, um zu merken, dass die Herdenmentalität des Marktes nicht für immer so weitergehen kann. Während der dotcom-Blase Ende der 90er hatte ich überhaupt keine Technologie-Aktien und alle haben mich ausgelacht. Als die Blase dann geplatzt ist, haben all die Leute nicht mehr gelacht und ich hatte eines der besten Performance-Jahre meiner Karriere. Auch wenn ich nicht alle Details wissen kann, ich habe eine Methode und einen klaren Investmentprozess um sie anzuwenden!

FONDS exklusiv: Haben Sie jemals bereut, ausgerechnet im Jahr 2008 eine Fondsgesellschaft gegründet zu haben?

Marc Renaud: Nein, obwohl es vielleicht besser war, vorher nicht zu wissen, wie sich dann 2008 entwickelt hat. Wie Sie sich vorstellen können, haben wir unsere Zielvorgaben für dieses Jahr nicht erreicht, obwohl wir am Ende doch einem kleinen Gewinn hatten. Aber wenn Sie sich unsere Kapitalstruktur ansehen, wage ich zu behaupten, dass es sogar gut war, die Firma Ende 2007 zu Gründen. Sonst hätten wir das Startkapital von unseren drei institutionellen Anteilseigner wahrscheinlich nicht bekommen. Abgesehen davon gründen Sie ihr eigenes Unternehmen nicht wegen des Timings. Sie tun es, weil Sie bereit sind und weil Sie von ihrer Geschäftsidee überzeugt sind.