Meldungen | Aktien, Marktkommentar
07.03.2012

„Höhere Ölpreise werden die Party nicht sprengen“

Philipp E. Bärtschi, Chefstratege der Bank Sarasin, sieht eine Fortsetzung der Aktienrally als wahrscheinlich an.

Philipp E. Bärtschi, Chefstratege der Bank Sarasin

Philipp E. Bärtschi, Chefstratege der Bank Sarasin

Der Fokus der Finanzmärkte richtet sich schnell von einem Thema auf das nächste. Kaum scheint mit dem Schuldenschnitt sowie der nächsten Finanzierungstranche für Griechenland ein weiterer Schritt in der Euroschuldenkrise vollzogen, beunruhigt der rasante Anstieg der Ölpreise die Anleger. Die Parallelen zu 2011 sind groß: Im Vorjahr trieben die politischen Umstürze in Ägypten und Libyen die Ölpreise in die Höhe, in diesem Jahr erschüttert das Säbelrasseln des Iran die Finanzmärkte. Vor einem Jahr stiegen die Ölpreise innerhalb von acht Monaten um über 60 Prozent. Der jüngste Anstieg im Brent-Preis um ca. 15 Prozent im selben Zeitraum ist deutlich geringer. Das Niveau der Ölpreise könnte aber zu einem Problem für die Finanzmärkte werden, wenn es sich negativ auf die globale Konjunktur auswirken würde. Im Vergleich zum Vorjahr scheint der zyklische Aufschwung robuster. Sowohl Europa wie auch die Schwellenländer stehen erst am Anfang einer Erholung. Somit ist die reale Nachfrage nach Energie nicht besonders hoch. Der Anstieg der Ölpreise ist vor allem auf eine geopolitische Risikoprämie zurückzuführen. Wenn es also – wie die Bank Sarasin erwartet - nicht zu einer militärischen Eskalation im Nahen Osten kommt, dürften die Ölpreise eher wieder fallen. Erst wenn die Ölpreise für längere Zeit auf ein Niveau von über 140 US-Dollar pro Barrel steigen würden, könnte der zyklische Aufschwung früher als erwartet abbrechen.

 

Die positiven Makroüberraschungen werden die Aktienmärkte weiter beflügeln. Die Netto-Gewinnrevisionen, welche noch negativ sind, dürften aufgrund der steigenden Frühindikatoren schon bald positiv werden. Neben den besseren Gewinnaussichten spricht auch die Bewertung für einen weiteren Anstieg der Aktienmärkte. In den letzten Monaten ist die Bewertung zwar deutlich gestiegen, doch sieht die Bank Sarasin immer noch ungefähr 10% Potenzial auf dem Weg zu einer als «fair» eingestuften Bewertung.

 

Da die Märkte kurzfristig sehr heiß gelaufen sind und die Marktstimmung etwas zu optimistisch ist, würde kurzfristig eine Konsolidierung nicht überraschen. Größere Rückschläge sind aber unwahrscheinlich, da zu viele Anleger noch an der Seitenlinie stehen und ihre Aktiengewichtung tendenziell erhöhen möchten. Nach dem starken Anstieg der Aktienmärkte seit Jahresbeginn dürfte es zu einer Verschnaufpause kommen. Die Bank Sarasin erwartet aber nicht, dass die Euroschuldenkrise oder die steigenden Ölpreise den zyklischen Aufschwung abwürgen werden. Vielmehr dürften die besseren Konjunkturaussichten zu einem steigenden Risikoappetit unter Anlegern und zu einer Umschichtung von risikolosen in risikoreiche Anlagen führen. Die Aussichten für Aktien und Rohstoffe inklusive Gold sind weiterhin positiv.