Kommentare & Expertenmeinungen | Versicherungen
08.05.2018

Wie künstliche Intelligenz es Versicherungskunden einfacher macht

Digitale Sprachassistenten übernehmen die Produktberatung. Künstliche Intelligenz regelt die Schadenregulierung und die Versicherungsbeiträge werden über Bezahldienste entrichtet. Die Deutsche Familienversicherung präsentierte erstmals, wie sie als digitalisierter Versicherer und Insurtech Kunden überzeugen will.

von Kay Schelauske

Stefan Knoll, Gründer & CEO Deutsche Familienversicherung

Stefan Knoll, Gründer & CEO Deutsche Familienversicherung

Foto: DFV

"Digitalisierung ist zuerst immer ein Produktthema", sagte Stefan M. Knoll, Inhaber, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Deutschen Familienversicherung (DFV). Der Fokus liegt auf dem Kunden, dem es so einfach wie möglich gemacht werden soll – angefangen bei der Information und Beratung bis hin zum Vertragsabschluss. Wie das in der Praxis ausschaut, zeigte das Unternehmen Ende vergangenen Monats an drei Tagen bei seiner Präsentation „als erster digitalisierter Versicherer und einziges funktionierendes Insurtech“.

KI beschleunigt Schadenregulierung

Elf Jahre nach Vertriebsaufnahme sei man von einem analogen Versicherungs-Start-Up zu einem gewinnbringenden volldigitalen Versicherer gereift, der seine kompletten Prozesse digitalisiert hat. Dabei setze die Implementierung künstlicher Intelligenz (KI) in die Schaden- und Leistungsregulierung neue Maßstäbe: KI ordnet von Kunden eingereichte Rechnungen einer Leistung zu und prüft, ob der Schaden bzw. die ärztliche Leistung über den abgeschlossenen Vertrag abgedeckt sind. Bei ärztlichen Rechnungen oder Berichten liest KI sogenannte ICD Codes aus. Knoll: „Nachdem der Code ausgelesen und mit den Versicherungsbedingungen abgeglichen wurde, erfolgt die Regulierung innerhalb von 48 Stunden und das Geld ist überwiesen."

Alexa erklärt Produktinhalte

Bei der Produktberatung kommen digitale Sprachassistenten wie Alexa und Amazon Echo zum Einsatz. Programmierte sogenannte Action/Skill greifen auf den aktuariellen Rechenkern zu, werten die gestellten Fragen aus und geben die geforderten Produktinhalte in Echtzeit sprachgesteuert wieder. Zusätzlich kann sich der Kunde über den hauseigenen ChatBot über alle Produktdetails informieren und vertragliche Details oder Änderungen an diesen erfragen oder durchführen, erläuterte Marcus Wollny. Der Generalbevollmächtigte für das Betriebsressort soll ab Juli 2018 den jüngst erweiterten Vorstand komplettieren.

16er-Matrix vereinfacht Produktwelt

Zentraler Ausgangspunkt ist die eigens entwickelte „16er-Matrix Krankenzusatzversicherung“. Sie beinhaltet vier Familien stark vereinfachter Produkte. Knoll verwies beispielhaft auf die Zahnzusatzversicherung, die im Übrigen seit Mitte April auch in Kooperation mit der ProSiebenSat.1 Group unter der Marke „Maxcare“ vertrieben wird. Anders als im Markt üblich, versichert die DFV-Police stets den ganzen Zahn, unterscheidet also bspw. nicht zwischen Zahnersatz und Zahnerhalt, heißt es. Weiterer Vorteil für den Kunden: Er braucht nur sein Alter anzugeben und erfährt per Mausklick, wie viel er jeweils für die 16 Versicherungen monatlich aufbringen müsste. Im Zuge des Vertragsabschlusses brauchen dann dank Amazon- oder PayPal-Login deutlich weniger Daten eingegeben werden. Neben den gebräuchlichen Bezahlmethoden kann Amazon-Pay und PayPal sowie in Kürze auch GooglePay genutzt werden.

Versicherer gewann 2017 über 50.400 Neukunden

Der Versicherer stellte auch Kundenportal und App vor. Auf beiden Plattformen können Kunden ihre Verträge einsehen und Änderungen in Echtzeit umsetzen. Wie einfach sich das in der Praxis für Kunden darstellen kann, erläuterte Knoll anhand des angebotenen Unfall-Schutzes: Mit einem einzigen Fingerwisch kann er seinen Versicherungsschutz erhöhen, weil sein Unfallrisiko gerade gestiegen ist.

"Heute blicke ich mit Stolz auf 500.000 Kunden, 100 Mitarbeiter und 72 Millionen Euro Bestand", freute sich der Unternehmensgründer. Über 50.400 Neukunden konnte der Versicherer nach eigenen Angaben im vergangenen Geschäftsjahr gewinnen. Knoll weiter: „Bis zum Ende des Jahres 2019 werden wir unsere Kundenzahl auf eine Million Kunden verdoppeln können."