Warren Buffett hat recht. Verteilungsgerechtigkeit, Teil II
Lassen Sie uns einen im europäischen Diskurs noch unterentwickelten Aspekt der Krisenaufarbeitung beleuchten: die ungleiche Verteilung von Vermögen. Wäre es nicht akzeptabel, Inequality im Kontext des fairen Finanzierungsbeitrages zur Konsolidierung der Staatsfinanzen abzuhandeln? Leider nein, weil zu kurz gegriffen.
von Markus Schuller
In meinem ersten Kommentar über Inequality im September 2010 beschrieb ich den auf einem historischen Hoch befindlichen Inequality Trend, dessen Einfluss auf demokratische Prozesse und dem Wunsch der US Bevölkerung nach einer massiv anderen Vermögensverteilung. Eine positive Korrelation zwischen Inequality und Finanzkrise konnte damals bereits festgestellt werden, und doch war noch eine bessere politische, wie akademische Ausleuchtung notwendig.
"Heute liegen uns weitere, die positive Korrelation untermauernden Einsichten vor."
Der Schweden-Beweis: geringere Ungleichheit und volkswirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit sind keine Gegensätze. Im Gini-Index Ranking auf #3 geführt, rangiert es trotzdem unter den wettbewerbsfähigsten Ökonomien (#3 in WEF´s 2011/12 Global Competitiveness Index und #4 in IMDs 2011 World Competitiveness Scoreboard).
- Eine Reihe namhafter Ökonomen (Shiller, Stiglitz, Moss, …) unterstützt die These, dass große Ungleichheiten in der Vermögensverteilung Finanzkrisen wahrscheinlicher entwickeln lassen.
- Der IMF stellte im September eine starke Korrelation zwischen Inequality und Verschuldungsgrad von Ökonomien fest. Je höher die Ungleichheit, desto höher die Verschuldung.
- Im April stellte der IMF fest, dass Inequality zu „unsustainable growth“ führt, also zu unbeständigeren Wachstumszyklen mit im Schnitt geringerem Potenzialwachstum.
- Neben den populären Inequality-Publikationen von Rajan, Huffington und Reich, trat das Wilkinson/Pickett Buch The Spirit Level (2009) eine Debatte los, wo und wie denn negative Inequality Auswirkungen auf unsere Gesellschaften zu bemerken sind. Die beiden zeigten, dass, je gleichmäßiger die Verteilung, desto weniger Reichtum ist nötig, um das gleiche Maß an Lebenszeit und Lebensqualität zu erreichen. Die Autoren folgern, dass Ungleichheit chronischen Stress erzeugt.
Die neuen Erkenntnisse zusammengefasst:
Je höher Inequality, desto wahrscheinlicher kommt es zu einer negativen ökonomischen Rückkoppelung.
Konsequenzen? Beispiel USA
In „Stop Coddling the Super-Rich“ fordert Warren Buffett, man möge doch die Superreichen in den USA höher besteuern. Mitte September stellte ein Obama in Campaign-Mode die „Buffett-Rule“ vor. Demnach sollen Einkommensbezieher von > USD 1 mln p.a. zumindest den Durchschnittsteuersatz der Mittelschicht bezahlen. Sie ist Teil eines 5-Punkte Programms, wie der „American Jobs Act“ (AJA) finanziert, das Budgetdefizit abgebaut und die Gesamtschuldenbelastung bis 2021 verringert werden sollen. Die ablehnenden Reflexe der Republikaner ausgenommen, wird die Buffett Rule von Investoren mit 2/3 Mehrheit unterstützt (Bloomberg Global Poll). Auch scheint das Super Committee auf Inequality-AspekteRücksicht zu nehmen alle bisher geplanten Maßnahmen werden lediglich zu einer Verringerung der Dynamik in der Scherenbewegung führen. Von einer Lösung der destabilisierenden ökonomischen, wie sozialen Wirkung seiner wachsenden Inequality, ist die USA aber noch weit entfernt.
Quo vadis, Kontinentaleuropa?
Derzeit konzentriert sich die Politk auf die Rettung der Eurozone und verpasst damit eine große Chance: das Europäische Parlament verdeutlichte mit dem Six-Pack Beschluss, dass ein Teil der Krisenaufarbeitung im Definieren langfristiger Steuerungsmechanismen liegt. Wir wissen nun um die negative ökonomische Rückkoppelung von Inequality. Um eine Volkswirtschaft robuster ggü externalen Einflüssen, deren Wachstumszyklen länger und das Potenzialwachstum höher zu gestalten, ist eine Berücksichtigung der Inequality-Erkenntnisse in der derzeitigen Strukturreform-Diskussion der Eurozone von großer Relevanz.
Der Autor
Markus Schuller, Gründer von Panthera Solutions, einer Strategic Asset Allocation Consultancy im Fürstentum Monaco, spezialisiert auf SAA Beratung für europäische institutionelle Investoren. Der robuste Strategieansatz ergibt sich durch das Abbilden stabiler Megatrends im Multi-Asset Format auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse in der Trend- und Allokationsforschung. Zuvor war er über zehn Jahre lang als L/S Equity HF Manager, PE Strukturierer, Macro Analyst und Aktien/Optionenhändler für verschiedene europäische Banken und Asset Manager tätig. 2006 graduierte er als MSc Financial Engineering an der International University of Monaco. Zuvor schloss er seinen MBA an der IUM ab. Sein Magisterstudium betrieb Markus an der Johannes Kepler Universität und der University of Pittsburgh.
Kontakt zum Autor: mhschuller@panthera.mc
Panthera Solutions: www.panthera.mc
