Kommentare & Expertenmeinungen | Interview
25.10.2017

"Unsere Kunden sind eher konservativ"

Der französische Asset Manager OFI ist seit kurzem in Deutschland und Österreich aktiv. Generaldirektor Jean-Marie Mercadal erklärt im Kurzinterview, was er in den neuen Märkten vorhat.

von Thomas Müller

Jean-Marie Mercadal, Generaldirektor OFI AM

Jean-Marie Mercadal, Generaldirektor OFI AM

Foto: OFI

In Frankreich ist OFI Asset Management seit Anfang der 1970er Jahre am Markt präsent. Dort zählt man mit 68 Mrd. Euro an verwaltetem Vermögen und 300 Mitarbeitern zu den Größten in der Branche. Nun will der Lokalmatador den Schritt über die Grenze wagen und in Deutschland und Österreich mit einer Auswahl an Fonds in den Markt einsteigen. Als Partner soll die deutsche BKB Bank das Marketing übernehmen und den Franzosen die Türen öffnen. Vor allem in den Bereichen Social Responsible Investment (SRI), Wandelanleihen und High Yield sieht man bei OFI die eigenen Kernkompetenzen. Mehr zum Newcomer und was geplant ist erklärt Generaldirektor Jean-Marie Mercadal im Interview:

 

FONDS exklusiv: Was hat es mit dem SRI-Schwerpunkt bei OFI auf sich?

Jean-Marie Mercadal: Der Hintergrund ist unsere Eigentümerstruktur. Die größten Aktionäre sind die Versicherer Macif, MatMut und andere kleinere Gesellschaften. Diese sind gleichzeitig unsere größten Kunden und eher konservativ. 66 Prozent unserer Assets under Management ist darum auch Fixed Income.

FONDS exklusiv: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit der BKB Bank?

J.M.: Vor einem Jahr hatten wir über einen externen Fondsmanager, der für uns arbeitet, ein Meeting mit BKB und zu dieser Zeit suchte die Bank einen Partner. Das haben wir als Möglichkeit gesehen ins Ausland zu expandieren. Der großen deutschsprachige Markt wäre zu groß gewesen um es als französischer Player zu schaffen. Und die Landessprache zu beherrschen, ist schließlich ein wichtiger Vorteil.

FONDS exklusiv: Welche Fonds werden im Angebot sein? Wer ist die angepeilte Zielgruppe?

J.M.: Wir wollen mit sieben Fonds starten und in Zukunft bis zu 20 Fonds anbieten. Es werden zunächst nur institutionelle Investoren angesprochen. Da wäre zunächst der OFI Risk Arb Absolu, der in Unternehmen investiert, wenn eine Übernahme angekündigt wurde. Das ist ein Nischenprodukt mit sehr geringer Korrelation zu Aktien oder Anleihen. Speziell ist auch der OFI Precious Metals, der der einzige Edelmetall-Fonds am Markt ist, der UCITS IV-konform ist. Außerdem haben wir zwei europäische Aktienfonds, einer mit SRI-Schwerpunkt, und zwei Wandelanleihen-Fonds. Bei letzteren haben wir einen 10-jährigen Trackrecord und sind im 3-Jahres-Vergleich im besten Dezil. Der Zulassungsprozess läuft derzeit noch. Wir hätten noch viele Ideen, aber wir starten erstmal mit diesen Fonds.

FONDS exklusiv: Sehen sie bei Aktien noch Luft nach oben?

J.M.: Wir erhöhen schon seit Jahren die Aktienallokation, wir sind hier immer noch bullish. Wir warnen auch unsere Kunden, wenn sie nicht in Aktien investiert sind, denn nur in Anleihen zu bleiben, kann zu einem Problem werden. Seit 2012 ist das unsere Botschaft, auch wenn wir mittlerweile etwas vorsichtiger sind. In den nächsten Monaten kann es zu mehr Volatilität kommen aber der globale Trend ist immer noch bullish.

FONDS exklusiv: Womit rechnen Sie von Seiten der Notenbanken?

J.M.: Die Botschaften der Fed sind verwirrend. Sie haben die Ziele bei der Infaltion nicht erreicht und dennoch die Zinsen erhöht. Das zweite Problem ist die jüngste Volatilität beim US-Dollar. Wir rechnen aber mit einer weiteren Zinserhöhung im Dezember und in zwei Jahren erwarten wir ein Zinsniveau von 2,5 Prozent. Bei der EZB erwarten wir im Oktober einen Hinweis an die Märkte, wann mit einem QE zu rechnen ist.

Was bedeutet das für die Anleihenporfolios?

J.M.: Unsere Kunden können ihre Anleihenporfolios nicht einfach verkaufen. Sie haben aber auch große Cash-Bestände, die sie investieren können, sobald es höhere Zinsen gibt. Das wird aber noch viel Zeit brauchen. Wir rechnen für die nächsten sechs Monate mit 0,7 Prozent Rendite für deutsche Bundesanleihen und 2,5 Prozent für US-Treasuries.