Kommentare & Expertenmeinungen | Investmentfonds
06.12.2018

Technologien, die mit dem Gewohnten brechen

Portfoliomanagerin Pamela Hegarty von BNP Paribas Asset Management gab Einblicke in die neusten Trends der Technologie-Branche und wo sie die Unternehmen mit Zukunft sieht.

von Thomas Müller

Pamela Hegarty, Portfoliomanagerin BNP Paribas AM

Pamela Hegarty, Portfoliomanagerin BNP Paribas AM

Foto: BNP Paribas AM

"Disruptiv" ist ein recht neuer Begriff, der für neue Technologien verwendet wird, die einen Bruch mit der bisherigen Welt darstellen. In der Finanzbranche hat er ebenfalls Einzug gehalten und Analysten und Fondsmanager suchen nach dem neuen, großen Thema mit dem Unternehmen in Zukunft zweistellige Wachstumsraten hinlegen werden. Von den Technologieaktien wurden die Anleger in den Jahren seit 2008 nicht enttäuscht, was man nicht über jede Branche sagen kann. Welche Unternehmen derzeit für die Fondsmanager im Fokus stehen, hat unlängst Pamela Hegarty von BNP Paribas Asset Management bei einem Besuch in Wien mit Investoren und Medien geteilt. „Zwei Drittel des Fonds sind im Technologiesektor investiert, das heißt Unternehmen, die Entwickler und Anbieter neuer Technologie sind. Es sind aber auch jene dabei, die von disruptiven Technologien profitieren und etwa die digitale Transformation nutzen, um ihr Geschäftsmodell zu verbessern“, schickt die Portfoliomanagerin des "Parvest Disruptive Technology Fund" voraus. Besonders interessant seien Grundlagentechnologien wie die Halbleiterherstellung oder neue mobile Übertragungsstandard 5G.

Fünf Schlüsselthemen

Für Hegarty sind derzeit fünf Themen relevant, die aber miteinander verbunden sind. „Das größte Thema derzeit ist wahrscheinlich das Cloud Computing, weil es enorme Auswirkungen auf die Wirtschaft hat. 150 Milliarden US-Dollar wurden 2017 für Infrastructure as a Service, kurz IaaS, ausgegeben. Wir erwarten, dass sich das bis 2021 verdoppelt“, so die Expertin. Kleine Startups müssen durch IaaS nicht mehr viel in Hardware investieren, sie kaufen sich die IT-Dienstleistungen von Amazon, Google oder wo anders ein. Aber auch große Unternehmen können saisonale Schwankungen ausgleichen ohne ganzjährig fixe Infrastruktur erhalten zu müssen. „Künstliche Intelligenz ist ein weiteres Schlüsselthema. Die gute Nachricht ist, dass diese noch nicht so intelligent ist, um uns gefährlich zu werden“, weiß Hagerty. Die KI sei ein Werkzeug um Daten effizienter zu kategorisieren und dem Menschen die oft langweiligen Arbeitsschritte abzunehmen. Gleiches gilt auch für das Thema Automatisierung und Roboter, die vor allem am Arbeitsmarkt disruptiv wirken werden. Eine Prognose des World Economic Forum schätzt, das bis 2025 mehr als 50 Prozent der Aufgaben von Maschinen übernommen werden (heute 29 Prozent). 75 Millionen Stellen werden weltweit dadurch bereits bis 2022 verloren gehen. Die positive Prognose dazu ist, dass Arbeitskraft für anspruchsvollere Aufgaben frei wird und 130 Millionen Stellen neu geschaffen werden. Ein Investmentbeispiel zum Bereich Automatisierung ist der irische Technologie-Anbieter Aptiv, der u.a. die Software für automatisiertes Fahren entwickelt und Datenservices zum Thema Smart City anbietet. Mit Automatisierung verbunden ist auch das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT), d.h. Gegenstände des Alltags werden über Netzwerke miteinander verbunden und können interagieren ohne das der Mensch steuernd eingreifen muss. „Unser bester Aktien-Performer im Fonds, Dexcom, ist in diesem Bereich tätig und bietet Blutzucker-Monitoring für Diabetiker an. Ein kleines Messgerät am Körper sendet Daten ans Smartphone, das denn Alarm schlagen kann“, so Hegarty. Als fünftes und letztes großes Thema nennt sie Grundlagentechnologie, wie den Halbleiterhersteller ASML. Der niederländische Lithographie-Spezialist verfügt als einziger über die neue EUV-Technologie zur Herstellung von ultra-kleinen Halbleiterstrukturen und besetzt damit 100 Prozent Marktanteil.

Ab 2 Milliarden US-Dollar ist alles erlaubt

Abgesehen von diesen Schlüsselthemen zeichnen sich für Pamela Hegarty bereits einige Zukunftsthemen am Horizont ab, wie die Blockchain-Technologie, die u.a. bei Banken und für Bezahldienste eingesetzt wird. Das Themen Energieeffizienz und Energieerzeugung dürfte ebenso an Bedeutung gewinnen, alleine schon wegen der CO2- Problematik. So entwickelt der US-Materialhersteller Kompositstrukturen, die ultraleichte Flugzeugbauteile möglich machen. Was den Veranlagungsstil angeht, ist der Parvest Disruptive Technology Fund ein hoch konzentrierter Fonds mit maximal 50 Titel, die mit einem Horizont von drei bis fünf Jahren gekauft werden. „Bei der Unternehmensgröße sind wir All-Cap, also auch kleinere Unternehmen, aber nicht unter 2 Milliarden US-Dollar Kapitalisierung“, erklärt die Fondsmanagerin, die von Boston aus mit ihrem Team arbeitet. In Zeiten von immer schnelleren Innovationszyklen wird das Verwalten gewiss keine langweilige Aufgabe werden, die auch eine Software übernehmen könnte.