Kommentare & Expertenmeinungen | Interview
16.01.2019

Luxus glänzt auch im neuen Jahr

Die Aussichten der Luxusgüterbranche sind trotz der Verlangsamung des Wachstums in China weiterhin positiv einzuschätzen. Wie Sie den Ausblick beurteilt, erläutert Isabelle Carpentier, Co-Managerin des Edmond de Rothschild Fund Premium Brands, im folgenden Interview.

von Wolfgang Regner

Isabelle Carpentier, Fondsmanagerin Edmond de Rothschild AM

Isabelle Carpentier, Fondsmanagerin Edmond de Rothschild AM

Foto: EdR AM

FONDS exklusiv: Wie schätzen Sie das neue Jahr für die Luxusgüterbranche ein?

Isabelle Carpentier: Wir blicken zuversichtlich in die Zukunft. Dies liegt vor allem daran, dass die meisten Luxusgüterunternehmen ihre Produkt- und Kommunikationsstrategien auf den globalen Konsumenten ausrichten. Die Nachfrage bleibt auf globaler Ebene dynamisch mit Zuwachsraten von zehn Prozent pro Jahr in den entwickelten Ländern und von 13 Prozent in Asien ex Japan. Haupttreiber dieses Wachstums sind „High Net Worth Individuals“ (kurz HNWI, wohlhabende Menschen mit über einer Million Dollar in liquiden Assets), die besonders in Asien bzw. China stark zunehmen. Gleiches gilt für den deutlichen Anstieg der Millenials (Generation, die im Zeitraum der frühen 1980er bis frühen 2000er Jahre geboren wurde) als Teil der HNWI.

FONDS exklusiv: Ist die Digitalisierung nun auch in der Luxusbranche angekommen?

I.C.: Luxusgüterfirmen haben die digitale Revolution erfolgreich in ihre Vertriebsprozesse integriert und sind im Online-Handel ebenso erfolgreich unterwegs. Auch die (sozialen) Medien sind wegen zunehmenden Userzahlen wichtige Umsatztreiber, denn sie beeinflussen, was die Konsumenten kaufen. Allerdings sind diese Wachstumsraten nicht gleich über die Branche verteilt- es gibt eine Polarisierung zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Marken. Gewinner sind mit einem robusten Geschäftsmodell, das neue Nachfragequellen erschließt und klare Strategien verfolgt, besser aufgestellt. Die Konsumenten werden tendenziell jünger und suchen neue, hoch qualitative Produkte mit einer Vorreiterrolle, was die Markenbildung und -treue anbelangt. So ist etwa Gucci die letzten beiden Jahre um jeweils 30 Prozent gewachsen, Moncler rund 20 Prozent und Louis Vuitton um über 15 Prozent.

FONDS exklusiv: Sie bevorzugen den "weichen" Luxus. Was verstehen Sie darunter?

I.C.: Was die von uns favorisierten Segmente der Luxusgüterbranche anbelangt, so glauben wir, dass „weicher“ Luxus, wie ihn die bereits oben genannten Marken vertreiben, mehr Potenzial verspricht als „harter“ Luxus. Attraktive Produktpaletten im Modebereich, deren Angebot regelmäßig und mehrmals im Jahr aufgefrischt wird, etwa Straßenmode oder Freizeitmodetrends, die immer kürzer werden, machen flexible und innovative Anbieter zu Gewinnern. Da kommt es auf eine starke Markendifferenzierung an. So sind etwa hochwertige Lederwaren ein Wachstumssektor mit hoher Profitabilität. Eher zurückhaltend sind wir „harten“ Luxusgütern gegenüber eingestellt, etwa der Uhrenbranche, die sehr stark von China abhängig ist. Dafür gefallen uns neue Trends im Juweliergeschäft.

FONDS exklusiv: Was sind aktuelle Trends in der Luxusgüterbranche?

I.C.: Wir beobachten sehr genau den Trend zu mehr Luxusgütern im oberen Preissegment, zum Beispiel im Spirituosensegment bei Cognac und Champagner, mit Anbietern wie Pernod-Ricard und Diageo. Der Luxusautomobilbereich steht aktuell unter dem Druck höherer Zölle, dennoch eröffnet der Sektor erhebliches Aufwärtspotenzial z.B. in China, dem größten Automobilmarkt der Welt. Auch Hotelketten wie Accor, die sich zunehmend auf Premium-Hotelangebote fokussieren bzw. Luxushotels übernehmen und besser maßgeschneiderte Angebote und Services für ihre Gäste anbieten, zählen zu den Gewinnern.

FONDS exklusiv: Was sind die besonderen Pluspunkte des Sektors?

I.C.: Die Stärken einer Premium-Marke, die Merkmale, durch die sie sich von anderen Unternehmen abhebt, sind Qualität, Innovation und Kundenbindung. Diese Fundamentaldaten verleihen ihr eine echte Pricing Power. Dank dieser Fähigkeit zur Durchsetzung ihrer Preise zeichnen sich diese Unternehmen durch eine hohe Rentabilität aus. Das Wachstum der Schwellenländer und die rasante Zunahme des Wohlstands, insbesondere in Asien, sind Garanten für einen stetigen Zustrom neuer Konsumenten. Für die kommenden Jahre ist mit einer starken Zunahme der Anzahl von Millionären in Asien und der Nachfrage nach hochwertigen Konsumgütern zu rechnen. Konsumieren nach europäischem Vorbild ist für die aufstrebenden sozialen Schichten zu einem gesellschaftlichen Statussymbol geworden, so dass sich den in diesem Segment positionierten Unternehmen hervorragende Expansionsmöglichkeiten bieten.

FONDS exklusiv: Wie nachhaltig sind die Gewinnzuwächse dieser Unternehmen?

I.C.: Seit fünfzehn Jahren verzeichnet der Luxusgütersektor eine stetig wachsende Rentabilität, die sich für die beiden vergangenen Jahre auf 23 Prozent beläuft, während sie für den MSCI World-Index elf Prozent beträgt. Zudem sind Luxusgüterfirmen krisenresistent. Für dieses Phänomen gibt es zwei Hauptgründe: die relative Widerstandsfähigkeit der Konsumenten von Luxusgütern in den verschiedenen Phasen des Konjunkturzyklus sowie den signifikanten Beitrag des Tourismus.