Kommentare & Expertenmeinungen | Interview
27.06.2019

"Dreifach-Rendite erzielen"

Gesellschaft, Wirtschaft und Politik sind zunehmend gefordert, Antworten auf den Klimawandel und den Abbau natürlicher Ressourcen zu finden. Auch die Finanzbranche wird immer stärker in die Pflicht genommen. Alexander Mozer, Chief Investment Officer der Ökoworld Lux S. A., erläutert im Interview, warum es sich für Anleger im dreifachen Sinne lohnt, ethisch, ökologisch und sozial zu investieren, besonders bei langfristiger Ausrichtung.

von Kay Schelauske

Alexander Mozer, CIO Ökoworld

Alexander Mozer, CIO Ökoworld

Foto: Ökoworld

FONDS exklusiv: Die Bewegung „Fridays For Future“ zeigt es deutlich: Ökologische Bedrohungsszenarien mobilisieren weltweit Tausende Kinder und Jugendliche für eine lebenswerte Zukunft aktiv zu werden. Sehen Sie einen vergleichbaren positiven Impact aufseiten von Anlegern?

Alexander Mozer: In der Tat ist dies eine stark gesellschaftspolitische Entwicklung, die wir mit Spannung beobachten. Viele Menschen haben erkannt, dass man über die Direktanlage in Investmentfonds oder den Abschluss einer fondsgebundenen Rentenversicherung Einfluss nehmen und seinem Geld eine bewusste Richtung geben kann. Ähnlich gelagert sind die Reaktionen seitens der Verbraucher, wenn es um fragwürdige Artikel von Großkonzernen geht, die man durch einen Kaufboykott und den Griff zu anderen, „fairen“ Produkten umgehen kann. Hier setzt man bewusst ein klares Zeichen. Unser Bewusstsein und damit unser Handeln haben daher einen großen Einfluss auf die Gestaltung der Zukunft.

FONDS exklusiv: Anleger können dieses Zeichen setzen, indem sie bestimmte Aktivitäten nicht mehr mit ihrem Investment fördern, richtig?

A. M.: Ja, niemand muss heute noch Atomstrom beziehen, es gibt die Alternative Ökostrom. Niemand muss Rüstungskonzerne oder große Umweltverschmutzer in der Rentenversicherung oder im Investmentfonds haben. Viele Anleger haben auch verstanden, dass das reine Renditestreben vieler Investmentgesellschaften in unserer heutigen Zeit zu wenig ist. Gewinnmaximierung um jeden Preis zahlt sich für das Menschsein nicht aus – gesunde Gewinnorientierung unter Berücksichtigung ethischer, ökologischer und sozialer Aspekte ist das Anliegen. Wir haben daher bei Ökoworld unsere DNA noch einmal transparenter gemacht, indem wir die drei Renditen, für die wir seit jeher stehen, ausformuliert haben.

FONDS exklusiv: Welche drei Renditen sind das?

A. M.: Die „Emotionale Rendite“ berührt das Herz: Ökoworld-Anleger investieren in zukunftsfähige Unternehmen, die ethisch, ökologisch und sozial werteorientiert aufgestellt sind, um heute und in Zukunft mit einem reinen Gewissen und gutem Gefühl in einer lebenswerten Umwelt zu leben. Die „finanzielle Rendite“ berührt den Verstand: Mit ihrer Investition sorgen die Anleger bewusst dafür, dass sie Geld mit Gewinn anlegen. Die „praktische Rendite“ können Anleger berühren: Die Investitionen werden in zukunftsfähige Unternehmen und deren Produkte investiert, die sich in den nächsten 50 Jahren erfolgreich entwickeln werden und das Leben erleichtern, verbessern und mit Genuss ausstatten.

FONDS exklusiv: Bitte erläutern Sie die „praktische Rendite“ anhand von Beispielen.

A. M.: Die Menschen werden deutlich älter. Die Zahl der Hundertjährigen ist weltweit auf einem Rekordhoch. Dieses „Langlebigkeitsrisiko“ sollte man als Lebenslust und nicht als Altersfrust betrachten, aber auch berücksichtigen, dass man für ein längeres Leben mehr finanzielle Mittel benötigt, um es genussvoll und abwechslungsreich aktiv zu gestalten. Wir werden älter, sind fitter, mobiler. Die heutige 50 ist die frühere 30. Und die heutige 70 oft die frühere 50. Unsere Fonds investieren unter anderem in Themen wie Gesundheit, Bildung und Ernährung. Unter dem thematischen Dach der Gesundheitsvorsorge und Medizintechnik finden sich Unternehmen, die für eine praktische Rendite stehen. Beispiel: Sie sind 70 Jahre alt und weiterhin fit und gesund. Dennoch brauchen Sie ein neues Hüftgelenk, um Schmerzen abzustellen und weiterhin aktiv bleiben zu können. Sind Sie dann über ihren Fonds oder Ihre Fondsrente in ein Unternehmen investiert, das Hüftgelenke und andere Medizintechnik herstellt, profitieren Sie doppelt. Denn durch die älterwerdende Gesellschaft steigen die Absatzzahlen für Hüftgelenke, was gut für Ihre finanzielle Rendite ist. Die praktische Rendite ist, dass Sie selber Verwender, Abnehmer und Nutznießer dieses neuen Hüftgelenkes sind. Bei dem Unternehmen handelt es sich um die Stryker Corporation, einem weltweit führenden Hersteller und Anbieter orthopädischer und medizintechnischer Produkte.

FONDS exklusiv: Haben Sie noch weitere Beispiele?

A. M.: Klar, das ist der Bereich Augenoptik mit der Unternehmensgruppe Essilor International. Sehhilfen wie Brillen und Kontaktlinsen erfreuen sich ebenso steigender Absatzzahlen. Die Produktpalette von Essilor umfasst unter anderem leistungsfähige Einstärken- und Gleitsichtgläser, sowie hochwertig veredelte und spezielle Funktionsgläser zum Beispiel für den Sport. Auch der Bereich Biolebensmittel ist ein Segment, in dem diese praktische Rendite erlebbar wird. Zum einen als Investor in solche Unternehmen, die eine gute Kursentwicklung aufweisen, aber auch als Käufer biologischer Lebensmittel, die den Genuss steigern und Massentierhaltung und Gentechnik nicht unterstützen. Natural Grocers ist eine solche Gesellschaft, die eine Bio- Naturkostladenkette in den USA betreibt.

FONDS exklusiv: Die Beispiele zeigen, dass unser Alltag durch vielerlei Produkte lebenswerter oder genussvoller wird. Aber ermöglicht allein der Nutzen, den zum Beispiel ein Hüftgelenk oder eine Sehhilfe schafft, auch die von Ihnen genannte „emotionale Rendite“?

A. M.:
Die Frage ist mehr als berechtigt. Wir wollen über unsere strengen und strikten Anlagekriterien und unsere Investmentphilosophie sicherstellen, dass wir in Unternehmen investieren, die ethisch, ökologisch und sozial wirtschaften und somit für eine positive Zukunft stehen. Entsprechend bietet Ökoworld ausschließlich Investmentfonds an, deren Investitionsziele von Experten auf diese Anforderungen geprüft wurden. Die Verbraucherzentrale Bremen und Stiftung Warentest bewerteten ethische und ökologische Kriterien von 46 Investmentfonds. Nur ein Finanzprodukt meidet umstrittene Geschäftsfelder konsequent: der Ökoworld Ökovision Classic. In der Testveröffentlichung des Ökotest-Magazins im Oktober 2018 steht unser Ökoworld Rock’n Roll Fonds im Vergleichstest mit 30 grünen Mischfonds auf dem ersten Rang. Besonders wichtig ist hierbei die Unterstützung durch unsere hausinterne Nachhaltigkeitsanalyse unter der Leitung von Dr. Karl-Heinz Brendgen sowie unser zwölfköpfiger Anlageausschuss.

FONDS exklusiv: Wie ist der Anlageausschuss in den Investmentprozess eingebunden?

A. M.: Das unabhängige Expertengremium überprüft anhand festgelegter Kriterien die von uns vorgeschlagenen Unternehmen, bevor wir im Fondsmanagement in diese investieren dürfen. Zu diesem Anlageausschuss zählen Vertreterinnen und Vertreter von Umwelt-, Menschenrechts- und Verbraucherschutzorganisationen sowie Experten für umwelt- und sozialverträgliche Ökonomie. Unser getrennter Investmentprozess ist ein sehr transparenter und konsequenter Filter und in der Finanzbranche wohl einzigartig.

FONDS exklusiv: Worauf sollten Anleger aus Ihrer Sicht achten, damit sie alle drei Renditen tatsächlich einfahren können?

A. M.:
Entscheidend sind transparente Kriterien, die der Anlage zugrunde liegen. Das Ziel der Anlagepolitik sollte in der Erwirtschaftung einer angemessenen Rendite unter Einhaltung von strengen ethisch-ökologischen und sozialen Kriterien bestehen. Hierfür ist eine Spezialisierung und Aufteilung der Verantwortung im Rahmen eines getrennten Investmentprozesses unabdingbar. Bevorzugt sollten bei der Anlage Wertpapiere von Unternehmen werden, die sich langfristig über nationale und internationale Standards hinaus engagieren. Die Anlageform „Aktie“ wird von uns dementsprechend nicht als Spekulationsobjekt gesehen. Vielmehr eröffnet sie die Möglichkeit, sich an der Entwicklung eines Unternehmens zu beteiligen und als mündiger Anleger Einfluss zu nehmen.

FONDS exklusiv: Sind Nachhaltigkeitsfonds damit auch für langfristige Anlageprozesse prädestiniert, um sich die finanziellen Grundlagen für einen lebenswerten Ruhestand zu schaffen? Schließlich leben viele Menschen deutlich länger als erwartet.

A. M.: Selbstverständlich ja. Denn wir berücksichtigen in der Unternehmensauswahl als globale Fondsmanager die Investmenttrends- und Chancen von heute, morgen und übermorgen. Wir sind ein aktiver Manager. Das Fondsmanagement greift auf eine professionelle hauseigene Aktienanalyse zurück. Wir sind unabhängig in der Entscheidungsfindung als Portfoliomanager und konzentrieren uns auf die Analyse von Unternehmen. Wir trennen uns frühzeitig von Aktien, die Verluste erwarten lassen und legen Wert darauf, dass Ökologie ohne Ökonomie nicht funktioniert. Denn wir betreiben aktives, auf Gewinn fokussiertes Management und halten an Trends nur solange fest, solange diese intakt sind. Die Anleger investieren zu keiner Zeit in Rüstung, Atomkraft, Chlorchemie und in den Raubbau natürlicher Ressourcen ebenso wenig in Unternehmen, die ausbeuterische Kinderarbeit oder Zwangsarbeit nutzen oder Menschenrechte verletzen. Diese Ausschlusskriterien wenden wir zu 100 Prozent an.

Mehr von Kay Schelauske: