Kommentare & Expertenmeinungen | Interview
04.06.2019

Dividenden: Eine verlässliche Alternative in der Zinswüste

Viele Anleger unterschätzen die Macht der Dividenden. Investoren mit langfristigem Anlagehorizont können nämlich vom Zinseszinseffekt steigender Ausschüttungen profitieren. Welche Anlagestrategie er im Dividendensegment verfolgt, erklärt Laurent van Tuyckom, Senior Portfoliomanager bei Degroof Petercam AM.

von Wolfgang Regner

Laurent van Tuyckom, Senior Portfoliomanager Degroof Petercam AM

Laurent van Tuyckom, Senior Portfoliomanager Degroof Petercam AM

Foto: Degroof Petercam

FONDS exklusiv: Was spricht für ein Investment in Dividendenaktien?

Laurent van Tuyckom: Dividendenaktien sind deutlich risikoärmer als der breite Aktienmarkt. Mit einem Spread von 6,1 Prozent (Zinsaufschlag gegenüber Investment Grade-Unternehmensanleihen, Anm.) ist die durchschnittliche Dividendenrendite in Europa eine überaus attraktive Ertragsquelle. Dividenden bieten nachhaltiges Einkommen: Anleger müssen sich von der Illusion steigender Zinsen verabschieden. Ausschüttungen von Unternehmen sind langfristig – auch in Abschwüngen – stabil. Doch es gibt auch Risiken wie „Bond proxies“, das sind defensive Dividendentitel, die sich ähnlich wie Anleihen verhalten, und „Aristokraten“. Also Titel, die ungeachtet der wirtschaftlichen Entwicklung ihre Dividenden stets jährlich steigern. Anleger sollten sich abseits dieser beiden Mainstream-Dividendenstrategien positionieren.

FONDS exklusiv: Sind Dividenden der neue Zins?

L.vT.: Nein, aber ein dringend nötiger Zins-Ersatz. Anleger wollen mit ihren Investments Geld verdienen. Die Suche nach regelmäßigem Einkommen bzw. laufenden Erträgen bleibt im extremen Niedrigzinsumfeld elementar. Wenn Anleihen keine oder nur sehr geringe Zinsen abwerfen, muss sich der Blick der Anleger zwangsläufig auch auf die Aktienmärkte richten. Eine gute Alternative im Zinsdilemma sind Dividendenaktien. Sie sind naturgemäß nicht der neue Zins, aber eine sehr attraktive Ertragsquelle.

FONDS exklusiv: Da Dividenden zwangsläufig mit Aktieninvestments verbunden sind, verweisen manche Experten auf die vermeintlich erhöhten Risiken an den Aktienmärkten. Zu Recht?

L.vT.: Grundsätzlich sind Aktien risikoreicher als Anleihen. Doch sollte man bedenken, dass Dividendenaktien ein wesentlich geringeres Risikoprofil als der breite Aktienmarkt aufweisen. Das zeigt sich auch darin, dass sich Dividendenaktien weniger anfällig für wirtschaftliche Abschwünge zeigen. Um das Vertrauen der Investoren nicht zu erschüttern, werden Ausschüttungen in der Regel nicht so stark gekürzt wie es die Gewinnrückgänge erwarten lassen. Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass man bei den aktuellen Zinsen an den Anleihemärkten ohnehin differenzieren muss. Denn so manchen höheren Zins einer Anleihe müssten sich Anleger in Form bereits hoher Risiken und Bewertungen teuer einkaufen.

FONDS exklusiv: Auf Dividenden ist also mehr Verlass?

L.vT.: Dividenden sollten auch auf lange Sicht eine gute Einkommensalternative bleiben. Dies lässt sich mit den Entwicklungen an den Zinsmärkten begründen. Nachdem vieles bereits auf ein baldiges Ende der Niedrigzinsphase hingedeutet hat, gehen die Erwartungen nun in Richtung eines weiterhin sehr niedrigen Zinsniveaus. Der Zinserhöhungszyklus in den USA ist bereits gestoppt worden, und in Europa sind erste Zinserhöhungen in weitere Ferne gerückt.

FONDS exklusiv: Dividendenaktien sind also attraktiver als ebenso hoch verzinsliche Anleihen?

L.vT.: Wenn man sich den Renditeabstand zu festverzinslichen Papieren ansieht, muss man zwangsläufig zu diesem Schluss kommen. Die hohe Ertragseffizienz und die defensivere Charakteristik im Vergleich zum breiten Aktienmarkt machen Dividendenaktien zu einem wichtigen Instrument zur Diversifizierung von Anlegerportfolios – ein Sachverhalt, der durch die weiterhin unkonventionelle Notenbankpolitik auch längerfristig Bestand haben wird.


FONDS exklusiv: Sie sind gegenüber traditionellen Dividendenansätzen nicht so optimistisch gestimmt. Warum?

L.vT.: Traditionelle Dividendenansätze legen üblicherweise strategische Schwerpunkte. Der sogenannte „Bond-Proxy“-Stil favorisiert Titel mit einem rentenähnlichen Profil aus klassischen Dividendenbranchen wie Telekommunikation oder Versorger, die in der Regel empfindlich auf steigende Zinsen reagieren und sich eher durch Dividendenstabilität als durch Dividendenwachstum auszeichnen. Die Sektor-Diversifikation ist bei diesem Ansatz beschränkt, und der Fokus liegt eher auf Large Caps mit hoher Marktkapitalisierung. Die für die Titelauswahl zugrunde liegende Dividenden-schwelle, also die Dividendenrendite, die für die Aufnahme in das Portfolio mindestens erreicht werden muss, ist häufig ein aus der Vergangenheit stammender Wert, den das gesamte Portfolio lediglich im Durchschnitt erzielen muss. Demgegenüber weist der sogenannte „Dividenden-Aristokraten“-Ansatz zwar eine Neigung zu Qualitätsunternehmen mit über Jahre wachsenden Ausschüttungsquoten auf. Diese Aktien werden allerdings häufig mit bereits hohen Bewertungen gehandelt. Darüber hinaus erfolgt die Einzeltitelauswahl nicht anhand fixer oder dynamisch angepasster Dividendenschwellen.

FONDS exklusiv: Für welchen Dividendenansatz würden Sie plädieren?

L.vT.: Ich favorisiere einen Investmentstil, der weder vom Bond-Proxy- noch vom Aristokraten-Stil geprägt ist. Dafür suche ich nach Unternehmen, die Dividendenwachstum bieten wann immer es möglich ist. So ergibt sich eine breitere Diversifikation auch in atypische Dividendensegmente sowie kleine und mittelgroße Unternehmen abseits des üblichen Dividenden-Mainstreams. Wir schauen strikt auf die Bewertungen und legen zugleich eine dynamische, in die Zukunft gerichtete Dividendenschwelle fest – und das für jede einzelne Aktie im Portfolio. Aktien, die diese Schwelle nicht erreichen, kommen auch nicht ins Portfolio. Ausnahmen, wie sie Manager von Bond-Proxy-Portfolios gerne machen, kommen für uns nicht in Frage.

FONDS exklusiv: Wie würden Sie die Dividendenfonds von Degroof Petercam AM charakterisieren?

LvT: Neben solchen festen Vorgaben im Investmentprozess wie oben erläutert basiert die Einzeltitelauswahl und Portfoliokonstruktion der Dividendenaktienfonds DPAM Invest B Equities Europe Dividend und DPAM Invest B Equities World Dividend auf einer starken Überzeugung des Managementteams. Dieses Gesamtpaket ist gut gerüstet, um für Anleger auch zukünftig die so dringend benötigten Erträge einzusammeln – unabhängig davon, wohin die Reise bei den Zinsen und der Konjunktur geht.