Kommentare & Expertenmeinungen | Interview
30.08.2017

"Die Unternehmen generieren Unmengen von Cash"

Hat sich an der US-Technologiebörse Nasdaq eine Blase gebildet, wie bis zum Jahr 2000, als die große Internetblase geplatzt ist? Warum er von diesem Vergleich nicht überzeugt ist, erklärt Anders Tandberg-Johansen, Manager des DNB Technology Fund, im Interview.

von Wolfgang Regner

Anders Tandberg-Johansen, Manager des DNB Technology Fund

Anders Tandberg-Johansen, Manager des DNB Technology Fund

Foto: DNB Asset Management

FONDS exklusiv: Wo sehen Sie die größten Wachstumstrends?

Anders Tandberg-Johansen: Interessanterweise im guten „alten“ Internet, denn die globale Penetrationsrate liegt bei nur 43 Prozent. Fast 60 Prozent der Weltbevölkerung haben keinen Internet-Zugang. Das meiste Wachstum kommt aus den Emerging Markets, wo neue User sich erst gar nicht ans Telefon mit Fixleitung anschließen lassen sondern mit Smartphones surfen. Weiters die Fragmentierung des TV-Bereichs und anderer traditioneller Medien, die von Online-Medien sukzessive überflügelt werden. Dann natürlich die Migration von IT-Services in die Cloud, sowie das Internet der Dinge (Smart Homes) und Fintech (Online-Banking). Schließlich wird auch die Sicherheit der übers Internet geschickten Informationen immer wichtiger. Ein gegenläufiger Trend ist der Rückgang des Hardware-Sektors auf Kosten der mobilen Anwendungen und des Software-Bereichs.

FONDS exklusiv: Welcher Trend gefällt Ihnen derzeit besonders?

A.T.-J.: Aktuell besonders spannend finden wir die Trends zur KI (Künstliche Intelligenz) und dem „machine-learning“, (maschinelles Lernen) weiters zu Cloud Computing und dem Übergang von Offline zu Online Geschäftsmodellen in der Medienbranche. Wobei wir dem Hardwarebereich (zB. PCs, Tablets, Notebooks) die geringsten Wachstumschancen zubilligen würden. Generell zuversichtlich sind wir für den Softwarebereich gestimmt, wobei die Segmente Cloud, IT-Sicherheit und das ‚Internet der Dinge‘ große Wachstums-chancen bieten. Der Sektor ist im DNB Technology am stärksten übergewichtet. Attraktiv, wenn auch mittlerweile recht teuer, ist auch der Halbleitersektor. Die Anforderungen der Cloud, von ‚Big Data‘, also den Unmengen an Daten, die tagtäglich entstehen und verarbeitet werden müssen sowie der KI benötigen immer leistungsfähigere Chips. Dennoch sinken die Wachstumsraten gemäß dem Moor’schen Gesetz, welches somit Auslauferscheinungen offenbart. Die heißesten Themen sind aktuell die KI und virtuelle Realität. Beiden eröffnen die technologischen Fortschritte der letzten Jahre große Wachstumschancen.

FONDS exklusiv: Welche Unternehmen gefallen Ihnen in diesem Zusammenhang?

A.T.-J.: Zuerst einmal Google, die in vielen der genannten Megatrends gut positioniert ist, dann SAP und Oracle, die von den Clouds profitieren und die Reiseplattform Priceline.com. Bei Apple dagegen sind wir vorsichtig. Das Wachstum des iPhone geht immer mehr zurück und könnte sogar in den negativen Bereich abtauchen. Der Umsatzanteil dieses Smartphones liegt bei Apple bei 60 Prozent. Kurz- bis mittelfristig wird Apple kaum imstande sein, diese Umsatzausfälle durch IT-Services oder neue Mobilprodukte auszugleichen. Die Stärken Apples liegen aber abgesehen von der starken Marke und dem ebenso starken Ökosystem, das alle Apple-Produkte verbindet und kompatibel macht, auch bei großen Skalenvorteilen. Fixkosten verteilen sich angesichts der schieren Größe von Apple günstig auf die einzelnen Produktbereiche.

FONDS exklusiv: Woran krankt’s bei Apple?

A.T.-J.: Bei Apple hängt das meiste immer noch am iPhone, wobei wir glauben, dass neben der Lancierung des iPhone 8 auch ein über tausend Dollar teures iPhone Pro auf den Markt kommen könnte. Interessant wird die „Migrationsrate“ sein, also die Anzahl an iPhone-Usern, die auf eines der neuen iPhone-Modelle umsteigen. Der Substitutionszyklus könnte aber weiter nach oben ausschwingen, da bisher relativ wenige iPhone-User genügend Gründe für ein Upgrade gesehen haben. Dies könnte sich nun ändern. Das Problem bleibt jedoch die große Abhängigkeit Apples vom iPhone (60 Prozent Umsatzanteil). Die Gewinnmargen sind ohnehin schon sehr hoch- es ist zweifelhaft, wieviel Potenzial in dieser Produktreihe noch steckt. Und ein wirklich neues Nachfolgeprodukt ist derzeit nicht absehbar.

FONDS exklusiv: Was verstehen Sie unter disruptiven Technologien?

A.T.-J.: Diese haben das Potenzial, traditionelle Branchen völlig umzukrempeln. Die Gelben Seiten wurden von Google Search eliminiert, Videoverleihketten von Netflix, Amazon Prime und YouTube. Transport von Personen durch Uber und andere Lösungen. In naher Zukunft wird die Automobilbranche von gleich drei Einflüssen in die Zange genommen: E-Automobilen, autonomes Fahren und neuen Formen des Carsharing.

FONDS exklusiv: Ist „Big Data“ das neue, digitale Erdöl?

A.T.-J.: Daten sind definitiv das neue Erdöl, der Zugang vieler Tech-Unternehmen zu Unmengen an Daten von Konsumenten zum Beispiel ist ein Wettbewerbsvorteil, der unter anderem in der Internetwerbung und bei Online-Bezahlsystemen zum Tragen kommt. Auch traditionelle Banken werden von einem Reichtum an Daten gesegneten „Fintechs“ attackiert.

FONDS exklusiv: Aber ist die Technologiebrache, vor allem einige der Internetriesen, mittlerweile nicht deutlich überbewertet?

A.T.-J.: Nein, so eine pauschale Behauptung würde ich nicht treffen. Im Gegensatz zur Internetblase des Jahres 2000 haben die meisten Technologiefirmen sehr solide Geschäftsmodelle und generieren Unmengen an Cash. Damals hatten nur 50 Prozent der Hightechfirmen positive operative Gewinnmargen. Derzeit sind es über 90 Prozent. Einige Tech-Konzerne haben aber auch heute unrealistisch hohe Bewertungen, etwa Amazon oder Netflix. Potenzial sehen wir bei den großen Leadern am ehesten noch bei Alphabet (in allen Wachstumssegmenten positioniert), Facebook, Microsoft (starkes Cloud-Business) und Intel (eines der günstigsten Unternehmen). Auch asiatische Unternehmen gefallen uns, wie etwa Baidu oder Samsung. Das zeigt auch, dass wir eine sehr starke Bewertungsdisziplin an den Tag legen. Wir kaufen keine teuren Unternehmen in der Hoffnung, dass diese in ihre hohen KGVs einmal hineinwachsen werden. Das fondsübergreifende KGV des DNB Technology Fund liegt bei 17, was wir angesichts der Wachstumschancen unserer Unternehmen als vernünftig bezeichnen würden.

FONDS exklusiv: Was bestärkt Sie in dieser Ansicht?

A.T.-J.: Die absolute Gewinnhöhe wie auch das Gewinnwachstum sind weitaus größer als im Jahr 2000. Im ersten Quartal 2017 konnten 84 Prozent der Hightechfirmen ihre Gewinnprognosen übertreffen. Auch mittelfristig ist der Anstieg der Tech-Riesen durch steigende Gewinne und viel höhere Gewinnmargen als im Jahr 2000 abgedeckt. Der Anteil von Technologieaktien im breiten US-Aktienindex S&P 500 liegt derzeit bei 24 Prozent- vor siebzehn Jahren waren es 38 Prozent. Last but not least: Das zyklisch adjustierte KGV des S&P 500 Information Technology, auch „Shiller-KGV“ oder 10-Jahres-KGV genannt, übersteigt das Gesamtmarkt-KGV des S&P 500 nur geringfügig. Uunter anderem deshalb, weil die Zyklizität des Technologiesektors zurückgegangen ist. Vereinzelt mag es Überbewertungen geben. Doch gibt es eine erhebliche Anzahl von Technologie-Aktienfonds, deren Manager seit dem Jahr 2000 überzeugende Track Records aufgebaut haben und sich für risikobewusste Privatanleger auch jetzt noch als Investment eignen.

FONDS exklusiv: Wie schätzen Sie den Ausblick ein?

A.T.-J.: Der Ausblick kurzfristig hat sich – auch wegen des US-Regierungschaos - verschlechtert. Der Optimismus der Anleger, zB. was Steuerreformen und profitable Gewinnrückholung aus dem Ausland anbelangt, wovon die Tech-Riesen am meisten profitieren würden, ist deutlich zurückgegangen. Allerdings wurden die Schätzungen was die IT-Unternehmensinvestitionen anbelangt, zuletzt nach oben korrigiert. Insgesamt liegen die Wachstumsraten aber bei weniger als fünf Prozent. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den wichtigsten Hightech-Segmenten groß: Die Bereiche IT-Sicherheit, die Cloud und das „Internet der Dinge“ können sich über hohe Kapitalzuflüsse freuen.